Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Der heutige Zustand der Siedlung nach Einzug aller 8 Familien 
Wärmeversorgung und Heizungstechnik Abrechnungsorganisation und Kosten 
Weihnachten zogen die nächste Familie und Ende Januar zweiwei- Da unsere gesamten individuell finanzierten Baugelder für die 
tere Familien in ihre Häuser ein, sodaß sich bei dem harten Winter Wohneinheiten wegen der schnelleren Abwicklung über einen 
mit Außentemperaturen bis -20 Grad Celsius die guten Dämm- Träger finanziert und wegen des kostensparenden gemeinsamen 
eigenschaften unserer Holzbauten zeigten. Haus 6, das nicht mit Einkaufs auch gemeinsam über ein Baukonto zentral verwaltet 
Steinwolle, sondern ganz mit einem baubiologisch unbedenklichen wurden, hatten wir zu jedem Zeitpunkt des Projektablaufs einen ge- 
Recyclingprodukt aus Altpapier gedämmt ist, wurde zur vollen Zu- nauen Überblick über die Kostenseite incl. den zu jeder Baustelle 
friedenheit der Nutzer nur mit einem finnischen Grundofen ge- gehörenden Bierausgaben. Nach diesem Überblick hat das Ge- 
heizt, der den offenen Grundriß vom EG aus zentral über das offene samtprojekt mit allen Nebenkosten bisher 1,66 Mio. DM verschlun- 
Treppenhaus mit ausreichender Wärme versorgt. Die anderen gen, wobei der größte Teil des Innenausbaus des Gemeinschafts- 
Häuser sind mit einer Gaszentralheizung über Radiatoren mit _hauses sowie der Bau von zusätzlich 6 Wintergärten im Süden der 
einem für die Übergangszeit zusätzlichen Guß- oder Stahlofenim Anlage noch offenstehen. Bei im Durchschnitt 140 m? ausgebauter 
EG ausgestattet. Eine zentrale Heizungsversorgung hatten wir Wohnfläche pro WE und einer insgesamten Nutzfläche von 1666 
nach langer Diskussion und Recherchen zugunsten einer dezentra- m? kommen wir daher auf rund 1000,- DM Gesamtbaukosten pro 
len Versorgung wegen der zu großen Wärmetransportverluste auf- m}, zuzüglich des Eigenleistungsanteils der Bauherren. Umgerech- 
gegeben. Zusätzlich ist das Doppelhaus 7 + 8 für eine passive und net auf die 7100 cbm umbauter Raum, wobei hier alle Einrich- 
aktive Wärmegewinnung ausgelegt. Die große, mit 37 Grad nach tungen einschließlich Werkstätten und Keller einberechnet sind, 
Süden geneigte Kollektor- bzw. Glasfläche ist mit einer Heizungs- ergibt sich ein Kubikmeterpreis von 234,- DM. 
anlage gekoppelt, die die bei Sonneneinstrahlung anfallende über- Bei unserem Abrechnungsmodell für die Selbsthilfeleistung, das 
schüssige Wärmemenge aus den Wintergärten absaugt und aktiv bereits in der Organisationsphase von allen durchdacht worden 
über eine bivalente Luft-Wärmepumpe mit Gasheizung und Was- war, wurde zum Prinzip erklärt, daß keiner aufgrund bestimmter 
serspeicher sowohl für die Warmwasserbereitung als auch für die Arbeitenam Bau irgendwelche Vor- oder Nachteile haben sollte. So 
niedertemperaturgesteuerte Fußbodenheizung nutzt. Hier wird haben wir während der Bauphase unsere Arbeitsstunden mit ge- 
sich jedoch erst in Zukunft zeigen, wie bei einem solchen Haus mit nauer Bezeichnung des Gewerks und der Wohneinheit in unser 
integrierten Wintergärten die Alltagspraxis und Wirtschaftlichkeit Bautagebuch eingetragen. Wer mehr Selbsthilfe geleistet hat 
aussieht, sowohl bei der passiv gewonnenen Wärme aus den Win- braucht weniger Eigenkapital und umgekehrt. Um dies im nach- 
tergärten über einfaches Öffnen und Schließen der Türen, als auch hinein genau und gerecht bestimmen zu können, rechnen wir die 
bei der aktiven Nutzung der abgesaugten Wärme für die Heizungs- einzelnen Gewerke pro Wohneinheit nach den Flächen ab und le- 
anlage. gen den durchschnittlich ausgegebenen Quadratmeterpreis 
zugrunde. Da wir zu jedem größeren Gewerk Angebote von 
Einzug der letzten Familien Ostern 85 Unternehmern über eine Ausschreibung vorliegen haben, können 
Nach gut 11-monatiger Bauzeit war Ostern 85 für die letzten drei wir die Kosten vergleichen. Die Differenz zwischen den tatsächli- 
Familien des ersten Hauses und des Doppelhauses der Umzug ge- chen Kosten und dem Unternehmerangebot ist dann das geldliche 
laufen, obwohl zu diesem Zeitpunkt natürlich noch viele Ecken, Aquivalent für Selbsthilfe und Selbstorganisation. 
Kanten und Punkte aller Häuser unfertig oder improvisiert waren. Wie man bereits an den niedrigen real ausgegebenen cbm Prei- 
So ist erst im Sommer die Außenanlage im Südbereich gestaltet sen von 234,- DM erkennt, ist bei unserem Ausbaustandard vergli- 
worden und zur Zeit werden die mit Schotterrasen unversiegeltbe- chen mit den zur Zeit üblichen Wohnbaupreisen der Eigenlei- 
lassenen Innenhof- und Parkplatzflächen und die Kinderspielflä- stungs- bzw. vor allem Selbstorganisationsanteil im Durchschnitt 
chen im Norden unserer kleinen Siedlung angelegt. relativ hoch, das heißt genau die Differenz zwischen 234,- DM und 
Die Gruppe setzt sich zum Teil wieder regelmäßig ein Mal pro den sonst mindestens üblichen 300,- DM pro cbm umbauter 
Woche an einem Abend zusammen, um alle noch anfallenden Ar- Raum. Das entspricht auf die Gesamtsumme gesehen einer Ein- 
beiten bei den Gemeinschaftsbereichen, wie zum Beispiel das sparung von 20-25%. 
Pflanzen von Bäumen, der weitere Ausbau des Gemeinschaftshau- Ein im Endeffekt für alle beruhigendes und zufriedenes Gefühl, 
ses im Innenbereich und vieles mehr zu diskutieren und zu koordi- daß sich unsere Ansprüche nicht nur im ökologisch-sozialen Be- 
nieren und vor allem die Schlußabrechnung gemeinsam durchzu- reich, sondern auch beim Kostenaspekt einlösen ließen. 
führen.
	        

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