Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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Bernd Kogel, Hermann Landgräber 
VORGEFERTIGTE HOLZBAUTEN* 
PLANUNGSASPEKTE BEI DER VORFERTIGUNG DURCH 
MITTELGROSSE HOLZBAUBETRIEBE 
Die Zunahme der „Holzbau-Nummern” kündigen das Wiederer- Angebotene Fertigungstechnologien: 
starken des Baustoffes Holzan. Technologische Fortschritte bei der Außer diesen etablierten Fertighausbetrieben, die meist übrigens 
Verbindungstechnik verknüpft mit langsamen Wertewandellassen aus Zimmereibetrieben hervorgegangen sind, gibt es dezentrale 
den Holzhausbau aus seiner Außenseiterrolle auch quantitativ Ingenieur-Holzbaubetriebe, die im wesentlichen alle Bereiche vom 
mehr in den Mittelpunkt rücken. Nachzudenken über Perspektiven einfachen Dachstuhl bis zum Hallendach fertigen. Vor allem im 
einer traditionsbeladenen Zunft auf dem konkurrierenden Markt süddeutschen Raum arbeitet ein dichtes Netz an Zimmereibetrie- 
und die damit verbundenen konstruktiven und planungsmethodi- ben bis ca. 20 Mitarbeiter. Ein zufällig herausgegriffener Innungs- 
schen Veränderungen erscheint lohnenswert. bereich in der Gegend von Stuttgart mit ca. 10 km Radius verfügt 
Unseren Untersuchungen über Holz-Systembau lag ein „Sy- über: 
stem-Verständnis” zu Grunde, das nicht primär das Finden eines 3 Betriebe mit 10-20 Mitarbeitern 
konstruktiven Knotens zum Ziel hatte. Will man zu beweglichen; 8 Betriebe mit 5- 9 Mitarbeitern 
umsetzungsfähigen, systematischen Konstruktionen kommen, 16 Betriebe mit 1- 4 Mitarbeitern 
muß man sich die Wechselbeziehungen klar machen zwischen: Daneben bietet Holz bekanntlicherweise beste Selbsthilfe- 
a) Anforderungen des Auftraggebers, Planers und des Baurechts voraussetzungen. Vorgeschnittene Holz-Bausätze werden unseres 
b) Angeboten des Baustoffmarkts und Wissens nach kaum angeboten. 
c) angebotenen Fertigtechnologien. Im Rahmen der Diplom-Arbeit untersuchten wir Entwicklungs- 
tendenzen, die sich bei der Holzhausproduktion abzeichnen, oder 
Problemstellung: vorantreiben lassen; sowohl betriebsstrukturell als auch konstruk- 
Wie schätzt man diese drei Planungskomponenten für den zukünf- tiv und planungsmethodisch. Falls es wirklich zu einer merklich 
tigen Holzhausbau ein? verstärkten Nachfrage nach Holzbauten kommt (Gruppen-Wohn- 
anlagen, mehrgeschossige Wohn- und Bürogebäude), wo und wie 
Forderungen des Auftraggebers: werden sie produziert? 
Es ging uns hierbei nicht primär um die Zielgruppe der Hobby- 
bauer, für die der Lohnanteil bei den Arbeiten nicht hoch genug Betriebsstrukturelle Entwicklungsmöglichkeiten: 
sein kann, sondern um eine differenzierte Betrachtung vom klassi-  @ 7entrale Fertigungsbetriebe produzieren verstärkt relativ indivi- 
schen Selbstbauer bis zur reinen Experten-Ausführung ohne qyell gewerkeübergreifend im Werk vor und montieren mit ihren 
Selbstbeteiligung. Als Hauptforderungen setzen wir voraus: Montagetrupps. Den lokalen Handwerksbetrieben bleiben lohnko- 
® Kostengunst und Kostensicherheit ar stenintensive Zusatzarbeiten und Reparaturen. 
3 Kurze Bauzeit, weitgehende Witterungsunabhängigkeit ® Die Fertigung geschieht wie oben, die lokalen Betriebe überneh- 
) schr gute bauphysikalische Eigenschaften men jedoch zusätzlich den Vertrieb und die Schlußmontage. 
® Individuelle Gestalt und individueller Standard @® Die lokalen Betriebe montieren wie bisher vor Ort, jedoch im 
wesentlichen vom Baumarkt angebotene Halbzeuge und Bauteile. 
Angebote des Baustoffmarkts: Zuschnittarbeiten werden noch auf der Baustelle erledigt. Dabei 
Zu unterscheiden sind je nach Komplexität der Produkte: sind Handwerker-Einkaufsringe denkbar. (Häuser aus dem Bau- 
® Auf der niedersten Ebene der Werkstoffe und Halbzeuge wird stoffhandel, Komponentensysteme. 
der Baustoffmarkt weitgehend mit industriell vorgefertigten Pro- @ Ebenfalls unter weitgehender Ausnutzung des industriellen 
dukten versorgt. Für Sperrholz, Spanplatten, Profilbretter und Ver- Halbzeugangebots fertigen lokale Mittelbetriebe möglichst zusam- 
bindungsmittel z.B. besteht ein dichtes internationales, für jeder- menhängende Gebäudeteile in der Werkstatt vor. Die Gewerke 
mann zugängliches Vertriebssystem. Ein breiter Anwendungsbe- bleiben ebenfalls weitgehend entflochten. 
reich und somit ein großer Markt ermöglicht eine ausgeglichene Hinter diesen Modellen verbirgt sich der Dauerbrenner der Diskus- 
Vorratsproduktion mit relativ niedrigen Endpreisen: Sn sion über die strukturelle Veränderung des Handwerks und damit 
® Im Bereich des Bauschnittholzes steht dieser Zentralisierungs- einhergehend die veränderte Rolle des Planers bei der Bearbeitung 
effekt noch bevor. Eine verstärkte Nachfrage nach schnell verfüg- solcher Aufträge. 
baren getrockneten Regelprofilen würde auch hier zur investitions- 
intensiveren Vorratsproduktion führen und das beschleunigte 
Ende vieler „Tante Emma-Sägereien” bedeuten. Mittelbetriebliche Vorfertigung 
® Bei komplexeren Bauteilen wie z.B. Fertigtreppen, Dachver- @ Bereits vorhandene Vorfertigungskapazitäten (Maschinisierung 
bundtafeln oder Holzfachwerkbinder zeichnet sich ebenfalls ab, und Hallengrößen) werden wesentlich besser ausgenutzt. 
daß industriell vorgefertigte Produkte die traditionelle Baustelle @ Die Flexibilität der Betriebe durch ihre Unabhängigkeit von star- 
mehr und mehr zur Montagestelle werden lassen. Einige Gewerke ren Vorfertigungsprogrammen ermöglicht eine breite Varianz. 
haben diese Entwicklungen bereits radikal vollzogen (Vom Stukka- ® Der direkt mögliche Kontakt zu den Betrieben erleichtert Pla- 
teur zum Gipser zum Trockenbauer) nung und Ausführung. 
® Größere Gebäudeteile oder komplette Gebäudesysteme werden ®@ Witterungsunabhängigkeit trägt zu besser planbaren Bauzeiten 
im Bereich des Holzhausbaues momentan in der BRD unseres Wis- bei. 
sens nach nicht auf Vorrat produziert (abgesehen von Klein-und ®@ Montageunterbrechungen für Selbsthilfearbeiten sind leichter 
Behelfsbauten). Jedoch verkünden die auf Bestellung produzieren- einzuplanen. 
den Fertighaushersteller zunehmende Marktanteile. ® Der einzuplanende Toleranzbedarf wird geringer. 
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