Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Sperrholzhaus in Bottmingen, Schweiz Wetter ausgesetzt, das sich auf den vier Seiten unterschiedlich aus- 
Architekten: Jacques Herzog, Pierre de Meuron ET 6 20 N E 50 DD 
De Bauherrin WEIS chte sich ein Okumesperrholzfe assadenp latten hat mit „Gemütlichkeit” nichts ) tun. Wer eh mit dien Kräften 
aus, das wesentlich durch (cm 122 x 244). Losgelöst von ALIeSt Ol SEE ; 
einen graßen Raum bestimmt derdarunter isollerten Holzrah- auseinandersetzt, sieht im Holz anderes. Das beschäftigt mich an 
sein sollte: Ein Raum zum Woh- menkonstruktion, liegt das dieser Haut: sie verändert sich mit der Zeit, eine Geschichte wird 
nen und zum Marionettenspiel. schwach geneigte und mit Kup- sichtbar. Das gilt auch für andere Materialien, die nicht behandelt 
Die Lage dieses Gebäudes wird fer belegte Satteldach auf den werden. Das ist ein Grund, sie zu verwenden: um die Wirkung der 
bestimmt durch den Anbau an zwei Hetzträgern. Die großen Zeit zu zeigen. 
die bestehende Villa, und die Vordächer schützen die hinter- Das ist auch der Unterschied zu den Bauten von Herzog und de 
Nähe zu einer großen Paulow- lüfteten und mit Oelpigment be- Meuron. Wenn sie mit Farbe arbeiten, kommt etwas weiteres 
nia. Die Wurzeln EEE RE handelten Fassadenplatten. Der hinzu. Ich will nicht sagen Schminke, einfach etwas weiteres. 
die knapp unter der Erdoberflä- große Innenraum ist gebaut und Steinmann: Jacques Herzog hat die „Armlichkeit” einer Verscha- 
che sich flach ausbreiten, durf- verkleidet mit Birkensperrholz- lung mit Brettern nicht wahrhaben wollen. Ich denke, das hängt von 
ten durch das Fundament nicht platten. Er öffnet sich zum Gar- der gesellschaftlichen Schicht ab. Die Häuser der Metron in Win- 
verletzt werden. Zwei lange Be- ten und zum Baum südseitig. disch, die eine ähnliche Schalung aufweisen, sind für eine Schicht 
tonriegel, mit punktuell (nach Dieser zentrale Raum ist dreisei-  testimmt, für die die Baracke, um es bildhaft zu sagen, noch nicht 
dA EINE ur. U EC dur * schmale a weit entfernt ist. Sie hatte diese Assoziation. Die Verschalung 
E ; en aumschichten, die mit BEST wurde von ihr als ärmlich empfunden. 
schienenartige Fläche, der vom chenem Tannentäfer verkleidet Hl. de Mi “Die V d Holz ist d ; 
Boden abgehobenen Holzkon- sind. Windfang, Alkove, Kasten- Erz08 Und aE MET: IE, VEPWERCNNE VOL AO SEO SS 
struktion. Das Skelett des Hau- räume und Verbindungsgang andere: die Verschalung gleicht viel mehr einer Baracke, sie ist mit 
ses ist durch Holzrahmen gebil- zum Schlafzimmer im bestehen- ihren Deckleisten viel mehr ein Zitat. Sa 
det, welche auf zwei parallel den Haus im Norden, Küche Steinmann: Kann man sagen, die Verschalung, wie sie Michael 
laufenden Hetzerträgern (analog und Bad im Osten, Bühne und Alder verwendet, ist verfremdet? 
den beiden Fundamentriegeln) Atelier im Westen. Herzog und de Meuron: Jedes einzelne Brett der Fassade ist als sol- 
aufgehängt sind. Der Bodenbelag ist in einem ches erkennbar, es handelt sich also eher um eine Bretterkonstruk- 
Die Rahmenmaße werden be- massiven Eicheparkett. tion, als um eine Fassadenkonstruktion, das ist aus unserer Sicht das 
stimmt durch die genormten Renee Levi Interessante und Starke dieser Arbeit. Die Konstruktion hat etwas 
Analytisches - wir sehen keine Verfremdung. 
Alder: Ich halte es für falsch, von der Bedeutung bzw. von der Ideo- 
logie her über ein Material zu reden. Für mich ist Holz aus ganz 
anderen Gründen wichtig. 
Steinmann: Die Bedeutung im gesellschaftlichen Gebrauch ist ein 
Aspekt. Es gibt viele andere, darum führen wir dieses Gespräch und 
darum haben wir als Arbeitstitel „Holz als Baumaterial und Aus- 
drucksmaterial” genannt. 
Alder: Es besteht aber die Gefahr, daß nur diese Seite wahrgenom- 
men wird, so daß eine Haltung zum Holz verstärkt wird, die wir 
gerade ablehnen: eine ideologische Haltung. Wer liest schon das 
Gespräch? Die meisten schauen nur die Bilder an. 
Steinmann: Es sind unter anderem die Bilder von Deinem Haus. - 
Es gibt diese ideologische Haltung, ob wir nun davon reden oder 
Innenansicht zur Bühne nicht. Das ist der Grund, daß wir davon reden: um uns von der 
Naturalisierung bestimmter Bedeutungen in Verbindung mit Holz 
zu distanzieren. 
Um zu einem Schluß zu kommen: Wir waren nicht der Meinung, 
das neue Bauen mit Holz führe zu einer anderen, neuen Architek- 
tur. Das Interessante an unserem Gespräch war gerade, wie drei 
verschiedene Architekten(gemeinschaften) mit drei verschiedenen 
architektonischen Haltungen mit Holz - und mit seinen materiellen 
und kulturellen Eigenschaften - umgehen. Wir waren nicht der 
Meinung, dieses Material führe zu einer einheitlichen Architektur. 
Das Interessante war, wie Ihr mit Holz arbeitet, weil sich darin Eure 
architektonischen Haltungen zeigen. In diesem Sinn war es nur teil- 
weise ein Gespräch über Bauen mit Holz, es war ein Gespräch über 
Bauen bzw. über Architektur, festgemacht am Holz. 
nnenanSicht ar BOhnSiChen Herzog und de Meuron: Es war ein Gespräch über das Wie. Mit Wie 
ist seine Behandlung. Man kann ihm mit weißer Farbe den „natürli  hStrakt cl pn ER ve een EN N N N 
. » - abstrakt oder „künstlich” verwendet wird; wir meinen: Wie verwen- 
chen” Charakter nehmen, man kann diesen Charakter mit brauner det man die verschiedenen Verarbeitungsformen, damit der Bau 
rn DW TEN - eine N Art Yon EN man en ... N En Aussage macht, wie ich sie mit Körperlichkeit meine. Ein Wür- 
erzog und de Meuron: Beim Haus ın Bottmingen haben wır auben el aus Beton oder ein Würfel aus Holz wecken ganz verschiedene 
alles mit dunkelbrauner Öllasur gestrichen, auch die Teile, die nicht Empfindungen. Diese Möglichkeiten NR OSSCH ul untersuchen. 
aus Holz sind. N Warum hat eine bestimmte Verarbeitung von Holz - oder Stein 
NE Ab einen Tannenholz-Schrank aus dem späten 19 oder was auch - an einem bestimmten Ort diese und diese Wir- 
ahrhundert. kung? 
Zumthor: Man spürt dennoch, daß es sich um ein leichtes Material XStreinmann: Es war ein Gespräch über architektonische Fragen. 
handelt; gestrichenes Holz wirkt anders als gestrichener Beton. Man kann Unterschiede in den Haltungen besser erkennen, wenn 
Man kann ihm mit Farbe aber das „Hölzerne” nehmen. ; es einen einheitlichen Hintergrund gibt, vor dem sie sich abzeich- 
Men DE ES DO nr Itingen re RAT en ich nen. Dieser Hintergrund war eben das Holz, das Bauen mit Holz. 
schon mehrere Male zu hören bekommen, auch als Kritik. Aber es 
ist mir bei dieser Verwendung von Holz auch nicht nur um Einfach- 
heit gegangen, sondern auch um Geschichte! Das Holz ist dem * Aus: archithese 5-85 
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