Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Harald Bodenschatz 
Das neue Hansaviertel - Vorzeige- Ideenwettbewerb für die Bebauungdes _hungen wie den Einzelheiten”, und als 
objekt der INTERBAU 1957 - ist das neuen Hansaviertels ausschreibt, wird eine „durchaus neuartige, große Kom- 
berühmteste Beispiel für das NEUE als städtebauliches Programm der radi- position” gelobt wird (Preisgericht 
(West-)BERLIN der 50er Jahre, das auf kale Bruch mit der Stadtstruktur des 15. 12. 1953, Anlage). Kreuer/Jobst/- 
dem Boden der Stadt des 19. Jahrhun- späten 19. Jahrhunderts gefordert: Schliesser selbst schreiben in ihren 
derts errichtet worden ist. Bei diesem ® Veränderung des Straßennetzes: als a STORE Em EEE NT 
Propagandabauvorhaben werden Hauptverkehrsstraßen werden ‚die ic n ” c En N an 
städtebauliche, organisatorische, finan- „noch verbreiterungsfähige” Altonaer hat .. 6 SE Ne tsta EN 
zielle und rechtliche Erfahrungen ge- Straße und eine neue Nord-Süd- OTEn en: en Blic SS es m 
sammelt, die „für die große Aufgabe Schnellverkehrsstraße ? festgelegt: ohnungen Eee PB stände 
innerstädtischen Wiederaufbaus und 8 Abriß der noch nicht zerstörten in 5 de äusern fü K HE 
innerstädtischer Erneuerung (Mittei- Altbauten: „bei dem hohen Zerstö- ° U äu % ek DOSE Sn en 
lungen 26. 11. 1957, S. 1) bzw. „für die rungsgrad des Wettbewerbsgebietes N NA ve DD wer. ale n AO 
großen Sanierungsaufgaben der näch- kann die Neuplanung nicht von den Natür ichkeit sind die gep N Öhe- 
sten Jahre” (Schwedler 1958, S. 103) Zufälligkeiten einer erhaltenen und in en Häuser um Ta NS en 
nutzbar gemacht werden. Das NCUC ihrem Wert oft fragwürdigen Bausub- des Ir a ge 8 vn „sollen sic 
Hansaviertel gilt als moderne Alternati- stanz abhängig gemacht werden” (Be- x. N N N Den eit vn Us 
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Alternative zur Stalinallee, der „ersten ® radikale Herabsetzung der Baudichte Bauten stellen” (Kreuer u. a.1953)” 
sozialistischen Straße” in Ost-Berlin, (Geschoßflächenzahl früher: ca. 2,2 ge- Um Radikalität dieses Vorschlags 
als Modell für die „Stadt von morgen”. Plant: 0,9); . . richtig einschätzen zu können, muß 
Das alte, im Kriege weitgehend zer- ® Einrichtung von Wageneinstellplät- man sich klarmachen, daß das alte Han- 
störte Hansaviertel wurde zwischen zen; „für jede 3. Wohnung ist mit CINCEM saviertel gar nicht - wie oft berichtet - 
1875 und 1890 als Wohnquartier mit Kraftwagen zu rechnen. Er muß in Nä- „völlig zerstört” (so z. B. Schwendler 
einem „Gepräge ruhiger und beschei- he der Wohnung abgestellt werden 7958 S. 102) und erst recht nicht ein 
dener Vornehmheit” (Bedingungen können” (Bedingungen 1953, S. 9); noch zu erschließendes Neubaugebiet 
1953, S. 3) für wohlhabende Bürger, ® Beseitigung der Gewerbebetriebe im ist. In dem Teil des Hansaviertels süd- 
höhere. Beamte und Offiziere erbaut, Gebiet; „das Bedürfnis nach Lädenund lich der S-Bahn, auf den sich die weitere 
Die Berlinausgabe des Baedekers von Werkstätten wird für das Gebiet gering Planung mehr und mehr reduziert, sind 
1921 charakterisiert dieses Gebiet als Sein” (Bedingungen 1953, S. 9); noch 20 Gebäude (von ursprünglich 
Wohngegend für anspruchsvolle Leu- ® Durchgrünung des neuen Viertels 160) mit 283 Wohnungen (741 Perso- 
te” (S. 48). Kritikwürdig am Hansavier- Mit Freiflächen, die „einheitlich gestal- nen) und 22 Gewerbebetrieben® erhal- 
tel, dem durchaus „Atmosphäre” be- tet und gemeinschaftlich unterhalten” {en Bei den zerstörten Gebäuden sind 
scheinigt und das als „ein Stück echtes Werden sollen (also keine Mietergär- die Kellerfundamente noch vorhan- 
Berlin Fontanescher Prägung” gekenn- ten) (Bedingungen 1953, S. 10); han ae (m Rrtwelt AT /TO ST 078) 
zeichnet wird (Schweer 1953), ist in der CE aB E N 
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Un  hOa en Se des Gebi neuen Grenzen optisch. nicht. in 
x © a c OH S cs 5 &9I6- Erscheinung treten sollen. 
tes In den Tiergarten und Spreebogen, 7, Verbesserung des Anschlusses des 
® die fehlende Differenzierung des neuen Viertels an die übrige Stadt wer- 
Straßennetzes, den - in diesem Falle durchaus in der 
® die geringe Höhendifferenzierung Iradition der alten Stadt - auch zwei U- 
und gleichmäßige Verteilung der Bau- N ET nl von en A 
massen. ord-Süd-Linie realisiert, die Ost- 
. ; . West-Schnellverbindung vom Deut- 
DIE A erg schen Opernhaus‘ zur nördlichen 
allem Innenstadt aber aufgegeben wird. 
® die kleinteilige Parzellenstruktur: „Ende 1953 entscheidet sich das 
„Zwerggrundstücke, schiefwinklige, Preisgericht unter dem Vorsitz von 
dreieckige und geknickte Grundstücke, Cnatsdirektor Lemmer für den Wettbe- 
Hammergrundstücke und “schmale Werbsbeitrag von Willi Kreuer/Gerhard 
Handtücher” (Schweer 1953) Jobst/Mitarbeiter Wilhelm Schliesser, 
. der als eine „besonders hervorragende 
Als die Stadt Berlin 1953 ” einen Leistung, sowohl in den großen Bezie- 
‚4;
	        

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