Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Amiens 
— Etouvie 
rue de Picardie 
I. Der 320 m lange Wohnblock, wie er sich von der 
Seite her darstellt. k 
2. Drahtmodelldarstellung des Objektes Sn 
in seiner Umgebung, Per- TS SS 
spektive A | 
» Variation der Perspektive, * 
einzelne Anbauten gut 
sichtbar 
Bildschirmdarstellung des 
Entwurfs, gezoomter Aus- 
schnitt der angelegten Per- 
spektive 
Da das Gebäude ganz verkabelt ist, wollen wir nun einen Video- ARCH*: Von gewöhnlichen funktionalistischen Architekten bis 
film drehen, der unsere Planung direkt vom Bildschirm abgreift hin zu den Postmodernen scheint das zentrale Motiv für die Einfüh- 
und den Bewohnern vorstellt. Zwei Wochen später können dann rung von CAD die Rationalisierung der Arbeit zu sein. Manche Pro- 
die Diskussionen, die Statements des Bürgermeisters, usw. eingear- tagonisten ziehen gar mit der Parole durch die Lande: 1 Haus = 1 
beitet werden, so daß die Bewohner ständig auf dem neuesten Tag Arbeit, vom Entwurf, über die Genehmigungsplanung bis zur 
Stand der Dinge sein werden. Aber CAD ist bei diesem Prozeß Ausschreibung. War das auch bei Ihnen ein Motiv oder ist das voll- 
unerheblich, es ist lediglich ein Werkzeug, das einige Dinge erleich- kommen irreal? 
tert. Eine Zeichnung auf dem Papier kann bei einer kleinen Gruppe Kroll: Unglücklicherweise ist das nicht vollkommen irreal. Wenn 
den gleichen Effekt haben, vorausgesetzt man erläutert sie, denn man statt fünf Architekten nur noch einen braucht, dann lohnt sich 
für die meisten Leute ist eine Zeichnung zu abstrakt. Bei dieser die Investition, aber bei mir war das ja schon immer umgekehrt: 
großen Zahl von Familien kommt uns CAD natürlich entgegen. fünf an der Stelle von einem. Mir ging es ja immer darum, die 
ARCH*- bei de n : Gleichförmigkeit zu vermeiden, diese Wand anders als jene, dieses 
1er schnellen. Verändsrbarkeit der Planung: Dach verschieden von dem, usw. und dieser erhöhte Arbeitsauf- 
Kroll: Ja natürlich auch, insbesondere wenn wir demnächst die wand soll mir der Rechner nun etwas abnehmen. Ich schätze, daß 
Anderungen über den Digitizer eingeben können. wir derzeit beispielsweise 200 verschiedene Fenster in unserer Bib- 
Ht- S 5 liothek abgelegt haben und ständig kommen neue hinzu, andere 
ARCH : Nochmal zurück zu Ihrem CAD-Programm „PAY SAGE“. verschwinden. Ich will auch gar nicht, daß wir jetzt sagen: „Halt, das 
Wer hat das Programm geschrieben, haben Sie sich persönlich sind genug!” Die Rationalisierungsfetischisten, von denen Sie eben 
ebenfalls mit der Programmiersprache, dem GW Basic, vertraut ge- gesprochen haben, kommen dagegen vielleicht mit vier Typen aus. 
macht? Müssen nun alle Architekten programmieren lernen? 5 x ® F 
ARCHT* :Nun liegen die Bauaufgaben der Zukunft bei stagnieren- 
Kroll: Nicht ein Wort! Das ist ja keine christliche Sprache! Geschrie- der Bevölkerungszahl doch wohl kaum im Neubau, sondern in der 
ben hat es unser Informatiker, Revitalisierung, der Erhaltung der Substanz. Oft wird es um die 
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