Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Ludger Hovestadt 
CAD IM „SELBSTBAU” 
bb 
1974 habe ich in der Mittelstufe EDV kennengelernt, als Wahlfach, 
2 Stunden in der Woche, weil ich Französisch nicht mochte. 2-3 
Jahre haben ein Freund und ich begeistert auf einem kleinen Com- 
puter herumgetippt - Namen alphabetisch sortiert, m auf 1000 
Stellen errechnet usw., bis die interessanten Themen ausgingen. 
Mein Freund studiert jetzt Physik und geht mit dem Computer 
mittlerweile sehr professionell um. Ich studiere Architektur, da lie- 
gen die Dinge anders. Den Schulunterricht ausgenommen bin ich 
Autodidakt. Das bedeutet, dass ich genausoviel erlese, wie ich ver- 
meintlich brauche. Es bedeutet auch, daß ich keine professionellen 
CAD-Systeme kenne. 
Seit 1981, nach längerer Pause, befasse ich mich wieder mit EDV, 
diesmal mit der computerunterstützten Darstellung von Körpern. 
Am Anfang des Studiums im Fach Darstellender Geometrie muß- 
ten wir in der Isometrie die Schnittkurve von 2 rotationssymme- 
trischen Körpern ermitteln und zeichnen. Ich fand die geome- 
trische Konstruktion sehr aufwendig und errechnete deswegen die 
Schnittkurve mit einem kleinen programmierbaren Taschenrech- 
ner. Das hat natürlich länger gedauert als eine zeichnerische 
Konstruktion - ich war aber zufriedener damit. Der Betreuer war Um den Kubus zeichnen zu können, mußte ich nur noch vier 
zwar perplex, zeigte mir dann aber den Computerraum des Institu- Punkte (z.B. Punkte 1,2,4 und 5) durch Koordinaten festlegen, und 
tes und ließ mich dort arbeiten. Da habe ich mein erstes Programm schon konnten die restlichen Punkte und die Linien errechnet und 
geschrieben. gezeichnet werden. Durch die 4 Punkte werden auch gleichzeitig 
Seitdem hatte ich bei der Arbeit mit dem Computer immer das Größe, Position, Lage und Verzerrung des Kubus festgelegt, so daß 
Ziel, eine gute zeichnerische Arbeitshilfe für mich als Architekten Mit der gleichen Struktur „KUBUS” sowohl Würfel als auch wind- 
zu entwickeln. Zunächst war es Spielerei, bald wurde es aber Schiefe Wände gezeichnet werden konnten. 
ernster. Bis jetzt sind in 3 Jahren nacheinander drei verschiedene Ich konnte nun durch Angabe der Koordinaten einiger Punkte 
Programme entstanden, die dem Problem immer besser gerecht beliebig viele solcher „Bausteine” montieren und so z.B. Häuser 
wurden. Vor allen Dingen lernte ich, das Thema immer abstrakter CTZCEUgCN. 
zu fassen und die Programme besonders dadurch besser werden zu Abb. 2 bedeutet eine Eingabe von: 
lassen. Prinzipiell kann ich mit jedem meiner Programme alles KUBUS: P1 = (0,0,0), P2 = (0,0,10), P3 = (010,0), P4 = (15,0,0). 
zeichnen. Der Unterschied liegt lediglich im Aufwand, der dafür PRISMA: Pa = (0,0,10), Pb = (0,10,0), Pc = (0,5,15), Pd = (20,0,10). 
nötig ist. Die Programme unterscheiden sich in ihrem Grundsatz x .n 5 
voneinander und eröffnen daher ihrem Wesen nach mehr oder E5sgab auch andere Bausteine, z.B. „TUR”, „FENSTER”, „TISCH”, 
weniger Möglichkeiten. Vieles davon kann durch aufwendiges Pro- die alle aufgerufen und mit der Definition einiger Punkte im Bild 
grammieren retuschiert werden, so daß man, mit entsprechendem angeordnet werden konnten. . . 
Programmieraufwand mit jedem der Programmprinzipe aufwen- Nun wird durch das Installieren von einzelnen „Bausteinen” 
dige Zeichnungen erstellen kann. So möchte ich die nachfolgende zunächst noch kein Bild erzeugt. Sie sind nichts außer einer Abfolge 
Diskussion verstanden wissen. Das erste Programm erzwang einen Von Daten, die man als ein virtuelles, 3-dimensionales Objekt in 
Umgang mit vorgegebenen Körpern (=Bausteinen). Das zweite einem imaginären Raum beschreiben kann, aber nicht muß. Um 
Programm ermöglichte schon einen Umgang mit beliebigen Kör- In Bild zu erzeugen, versetzt man sich in diesen Raum, setzt den 
pern (über Listen). Das dritte Programm schließlich erzwingt nicht Blickpunkt fest, von dem aus das Objekt betrachtet werden soll und 
mehr einen Umgang überhaupt mit Körpern. Dadurch haben die macht das Bild wie mit einer Lochkamera. Normalerweise entsteht 
Programme unterschiedliche Freiheitsgrade. dabei eine Perspektive, versetzt man den Blickpunkt ins Unend- 
liche, entsteht eine Isometrie/Parallelprojektion. Wählt man den 
Das Programm mit Bausteinen Blickpunkt im Unendlichen zusätzlich lotrecht auf einer Fläche, 
Der erste Ansatz war sehr konkret: ein „Baukasten”. Ich definierte Cntstehen Grundriss, Ansicht usw.. (Abb. 3) 
vorab im Programm die Struktur der einzelnen „Bausteine” 
(Kubus, Zylinder, Prisma ...). Das sah z.B. für den Kubus so aus: 
12 (=Linie von Punkt 1 nach Punkt2),25,53,31,46,67,78,84,14,38, 
26,57. (Abb. 1) 
g=-Ö +a(A-0) 7” (Gleichung 1) 
> + > > 
d= dj + Bd, + yd, 
Abh 
‚DD. ı aDr
	        

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