Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Claudia Söller 
KÜNSTLERKOLONIE DARMSTADT” 
» 
EIN BEISPIEL FÜR RECHNERUNTERSTUTZTES KONSTRUIEREN 
UND DARSTELLEN IN DER LEHRE 
- 
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Im Wintersemester 1982/83 und im Sommersemester 1983 führte Als Arbeitsmaterial standen den Studenten Pläne in den Maßstä- 
Prof. Dr. H. Emde an der Technischen Hochschule Darmstadt ein ben 1:1000 und 1:500 und einige Originalbaupläne der wichtigsten 
CAD-Seminar „Rechnerunterstütztes Konstruieren und Darstel- Gebäude zur Verfügung. Viele Informationen mußten jedoch vor 
len” im Rahmen der Architektur-Ausbildung durch. Bei diesem Ort gesammelt werden. Die Studenten arbeiteten in Gruppen von 
Seminar leitete ich die praktischen Übungen am Rechner. 3-5 Personen. Eine Gruppe bearbeitete das Gesamtgebiet mit dem 
Dieser Bericht soll einen Überblick über die Inhalte und Ergeb- Ziel, die Straßen aufzunehmen und städtebauliche Strukturen dar- 
nisse dieses Seminars und die Anwendungsmöglichkeiten des rech- zustellen. Mehrere Gruppen bearbeiteten Teilbereiche der Mathil- 
nerunterstützten Konstruierens und Darstellens in der Lehre ge- denhöhe mit dem Ziel, ein Massenmodell herzustellen. Einige 
ben. Es werden zunächst Aufgabenstellung und Ziele des Seminars Gruppen bearbeiteten Einzelbauwerke mit differenzierteren Bau- 
erläutert und anschließend die städtebaulichen und zeichnerischen teilen und Innenräumen. Hierbei ergab sich als erstes die Frage 
Ergebnisse dargestellt. Das gewählte Übungsbeispiel sollte die Ein- nach der Einteilung der Gruppen, die der Gliederung des Gebietes 
satzmöglichkeiten des Rechners im Bereich Städtebau bis zu kon- entsprechen mußte. Es sollte möglich sein - je nach Umfang des 
struktiven Details untersuchen und über die gewohnten Beispiele _Betrachtungs- oder Interessengebietes - mit repräsentativen Mas- 
aus dem Wohnungs- und Industriebau hinausgehen. senmodellen oder differenzierteren Objekten, evtl. in mehreren 
Detaillierungsstufen zu arbeiten. Es war also notwendig, im Hin- 
Aufgabenstellung und Ziele blick auf die Datenmenge eine hierarchische Struktur festzulegen, 
Bei der gestellten Aufgabe handelt es sich um eine Bauaufnahme mit der die Gruppen unabhängig voneinander arbeiten konnten. 
mit dem Ziel, das Gebiet zu visualisieren und um eine Bestandsauf- Gleichzeitig mußte diese Struktur mit dem verwendeten Pro- 
nahme mit dem Ziel, städtebauliche Strukturen grafisch darzustel- grammsystem nachvollziehbar sein. 
len. Es sollte dabei untersucht werden, ob man mit Hilfe des Rech- Das Gesamtgebiet wurde zunächst von allen Gruppen gemein- 
ners konventionelle Darstellungen nachvollziehen und darüber- sam in 5 Teilbereiche untergliedert. Die weitere Untergliederung 
hinaus im 3-dimensionalen Bereich neue darstellerische Möglich- dieser Teilbereiche war von den Gruppen vorzunehmen. 
keiten finden kann. Ein weiterer wesentlicher Aspekt bei der Auf- Faßt man die Mathildenhöhe als städtisches Quartier von Darm- 
gabenstellung, war, mit der Bearbeitung eines städtebaulichen stadt auf, so bilden die 5 Quartierbereiche räumliche Teilbereiche, 
Quartiers - bis hin zu einzelnen Bauwerken mit ihren Bauteilen die voneinander durch Verkehrswege abgegrenzt sind, unterschied- 
und Innenräumen - allgemeine hierarchische Strukturen in der Ar- liche Zuordnung besitzen und jeweils eine homogene Einwohner- 
chitektur herauszufinden. Dies sollte an dem gewählten Beispiel struktur aufweisen: 
nicht vollständig, sondern nur exemplarisch durchgeführt werden. @ Bereich Dieburger Str. mit städtischen Wohnhäusern und Ge- 
Im allgemeinen werden diese hierarchischen Schichtungen unbe- schäften im Norden 
wußt verarbeitet. Der Rechner erleichtert den Umgang mit großen @ Ausstellungsbereich mit Einzelbauwerken und Plätzen im Zen- 
Datenmengen, man muß jedoch die Informationen sinnvoll struk- {rum 
turieren und definieren. 7 . ® Künstlerkolonie mit freistehenden Villen südlich davon 
Zwei etwas untergeordnete Ziele im Seminar waren zum einen @ Bereich Landgraf-Georg-Str. mit großen Wohnblocks und dem 
die Schulung des geometrisch räumlichen Vorstellungsvermögens Krankenhaus im Süden 
bei der Generierung und Anordnung der städtebaulichen Elemen- @ Bereich Pützer Str. mit Wohnblocks im Westen 
te. Zum anderen sollte anderen Lehrbereichen die Möglichkeit ge- 
geben werden, die Ergebnisse der Bauaufnahme dieses bekannten 
und auch für Entwurfsaufgaben häufig verwendeten darmstädter 
Gebietes in Übungsaufgaben mitzunutzen. 
Hierarchische Struktur der Künstlerkolonie im Zusammenhang mit 
allgemeinen städtebaulichen Strukturen 
Das Gebiet „Mathildenhöhe” im Osten Darmstadts zwischen dem 
Stadtzentrum und dem Stadtrand wird durch einige Hauptver- 
kehrswege abgegrenzt. Die eigentliche Künstlerkolonie mit ihren 
Villen im Kern der Mathildenhöhe besteht aus den Wohnhäusern ' 
bedeutender Künstler des Jugendstils. Hierzu gehören Peter Beh- 
rens und Joseph-Maria Olbrich, von dem etwa 10 Wohnhäuser, das 
Ernst-Ludwig-Haus und das Ausstellungsgebäude mit dem Hoch- 
zeitsturm erbaut wurden. Die Künstlerkolonie war das Zentrum 
des Jugendstils in Deutschland. Heute befinden sich im Ausstel- 
lungsgebäude Wechselausstellungen, im Glückert-Haus die Deut- 
sche Akademie für Sprache und Dichtung, im Ernst-Ludwig-Haus . 3 
ist der Sitz des Deutschen Werkbundes und im Alfred-Messel-Haus 7 
der Rat für Formgebung und das Institut für Neue Technische 
Form. An den Randgebieten der Mathildenhöhe befinden sich ty- 
pisch städtische Wohnbauten mit Geschäften. 
41F
	        

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