Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

‚Modell made by RADAR 
Low-Cost 3D CAD-System 
Bild 17: Darstellung eines einfachen Objektes mit und ohne Berücksichtigung Yttcrr KA 2A. Lohönyal 
der korrekten Sichtbarkeit der Kanten. Bereits bei derart einfachen Bildern wird SSG Software-Service GmbH 
die Übersichtlichkeit durch die Elimination unsichtbarer Teile wesentlich er- Bild 18 DEE RCEHKERTLHE 
höht. D-8000 München 19 
zung geht der Verzicht auf den Gebrauch motorischer Fähigkeiten %® Die Reduktion der 3-D-Körperrepräsentation im Rechner auf 
einher. Kandinsky und Klee hatten gelehrt, den Blick auf die zeich- zweidimensionale Ausgabeöberflächen (Bildschirm, Plotter) wird 
nerischen Details zu legen - zum Beispiel auf die Linie. Das Zeich- ersetzbar werden durch rechnererzeugte Hologramme. Von Holo- 
nen einer Linie mit einem CAD - System besitzt eine ganz andere grammgeneratoren werden flüchtige Scheinräume erzeugt werden, 
Wirklichkeit, als wenn es mit einem Stift ausgeführt würde. Dabei und diese synthetischen, inszenierten Schemen werden räumlicher 
ist es unerheblich, ob die Linie alphanummerisch eingegeben wird erscheinen als jemals ein nichtwirklicher Raum gewirkt hat. 
oder mit einem Gerät, das einen Zeichenstift simulieren soll. Ent- ® Diesen Hologrammgeneratoren wird man mit einem Steuer- 
scheidend ist nämlich, daß der Rechner selbstmächtig jede Verbin- knüppel für einen „räumlich” beweglichen Cursor ein angemesse- 
dung zwischen Punkten durch eine approximierende Kurve dar- nes Eingabemedium erfinden müssen. 
stellt, frei von Irregularität, die die Linie freihandgezeichnet besäße. ® An die CAD-Anlagen wird man rechnergesteuerte Fräsen an- 
Die Gültigkeit folgt nicht mehr dem gezogenen Stift, sondern die schließen können, die automatisch die Architekturmodelle herstel- 
Linie erscheint schlagartig und zugleich mustergültig als Verbin- len werden, die heute noch beim Modellbauer in Auftrag gegeben 
dung mehrerer Punkte im selben Nu. werden müssen. 
C Das EN ea ist En EN ve DE De Mit Ausgabeoberflächen, die mehr Informationen aus der 3-D-Mo- 
Kurve here ht A Ti Sclöscht EN den Sul Aahn Elbt man dellrepräsentation darzustellen erlauben als heutige zweidimensio- 
den Löschbefehl ein, und im Nu verschwindet die Linie vom Dis- 140 Ausgabemedien dies vermögen, werden CAD-Systeme für 
play und aus dem rechnerinternen Konstruktionsplan des Objekts ATCNNSKLE n zu Arbeitsmitteln, die auch qualitativ EN Möglich: 
Die Linien kommen und gehen nicht mehr mit dem Stift und dem keiten eröffnen (abgesehen davon werden sie unbezahlbar sein). Es 
x An gilt, die Potentiale auszuschöpfen, die im 3-D-Modell enthalten 
Radiergummi, sind nicht mehr krumm, nicht mehr dicker und sind 
dunkler, wenn stark, nicht mehr dünner, wenn leicht aufgedrückt Verkehrt wäre es aber, das neue Instrument so zu trimmen, daß der 
wurde, sondern gerade, adrett — und schnell. EEE ] Eindruck entstehen soll, für die Arbeitsweise des Architekten blie- 
‚Allerdings werden beide Entwurfsmethoden - die flächige wie pe alles beim Alten, nur die Arbeitsgeschwindigkeit würde etwas 
die perspektivisch-raumillusionäre -mit CAD nicht nurausführbar wachsen. Und doch scheint genau dies der Weg zu sein, dem die 
bleiben, sondern der Übergang von einer zur anderen und zurück Fptwicklung neuerer - sogenannter architektentauglicher - CAD- 
wird sogar so einfach werden, daß sich die Differenz verwischen Systeme folgt. Ihre Bedienoberflächen werden mit den „Papierer- 
könnte; in Axionometrien ausgeführte Anderungen oder Ergän- sat7” (Digitizer) so aufgebaut, daß die Unterschiede zu traditionel- 
zungen werden in die Risse übernehmbar werden genauso wie um- Jen Arbeitsweisen so gering wie möglich ausfallen sollen. Dieser 
gekehrt. . Weg muß sich als Irrweg erweisen. Es ist unmöglich, den Mythos 
Auch scheint von fern eine Vision herauf, in der wir die CAD- <«6B” in das neue Arbeitsinstrument hinüberzuretten. So wenig wie 
nutzenden Architekten vor ihren Apparaten sitzen sehen und er- ein Baggerführer an seinem Stellpult die Bewegung des Schaufelns 
kennen können, wie sie über Modem-Strecken mit der „Datenbank > 5 61 unten 
für architektonische Formen” kommunizieren. In enzyklopädi- 
scher Breite werden ihnen dort die Ecklösungen Bramantes, Berni- 
nis, Borrominis neben denen Mies’ und Tauts, die Scheinarchitek- 
turen Andrea Pozzos und ihr Plagiat durch Francesco Marchini - 
eben alles, was die hauptamtlichen Datenbanker für wissenswert 
erachten werden - zum Abruf angeboten. Da mag denn jeder selbst 
unken, ob solcher Musterverfügbarkeit eine Tendenz innewohnt, 
zu neuen, behutsamen Variantenbildungen erprobter architektoni- 
scher Strukturen zu gelangen oder ob eher der vielbeliebte collagie- 
rende Eklektizismus gefördert werden wird. 
Wir begnügen uns damit, die CAD-Zukunftsvisionen technolo- ; 
gisch auszumalen. Und da wird es Innovationen im Bereich der Be- 
dien- und Ausgabeoberflächen geben: 
® Bildaufbauzeiten für perspektivische Darstellungen eines einfa- 
chen Gebäudes betragen heute im Schnitt noch 2-3 Minuten. Zwar 
werden auf einem Bildschirm grundsätzlich nur „flüchtige” Bilder 
produziert, aber der Schritt von der Flüchtigkeit zur Bewegtheit der 
synthetischen Bilder ist noch groß. Trotzdem sind hier Fortschritte 
zu erwarten: die Besichtigung eigener Entwürfe im synthetisch er- 
zeugten Film, das Herum- und Hereingehen in geplante Gebäude 
wird möglich werden. Es wird eine Trickfilmqualität erzielbar wer- 
den, mit der die Aufhebung physikalischer Gesetze vorgetäuscht Bild 19: Frieder Nake, „Klee“, 1965 
werden kann. 
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