Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Baufrösche Kassel 
VERNETZUNG” IM GRUNDRISS 
” 
AM BEISPIEL UNSERES 
WOHNGEMEINSCHAFTS-REIHENHAUSES 
Im gleichen Maße, wie die Gesellschaft immer komplexer, die In- Bau) zu verwirklichen, woraus dann freilich ein Zweiküchenhaus 
frastrukturen immer größer und die rechtlichen Begrenzungen im- wurde. Dieses Haus, inzwischen eineinhalb Jahre bewohnt - auch 
mer enger werden, legen wir andererseits Wert darauf, daß die Selb- einer von uns wohnt dort, zeigt am deutlichsten, was Vernetzung im 
ständigkeit und Entscheidungsfreiheit jeder einzelnen Person grö- Hausbau bedeutet: 
ßer, der Grad ihrer Bevormundung durch Väter und Überväterim- 1. Verdichtung durch Zusammenlegung! 
mer geringer werde, Dahinter steht wohl die Hoffnung, daß nur Der Wohnflächenverbrauch soll durch möglichst viel gemein- 
freie, selbstverantwortliche Personen in der Lage sind, die immer schaftlich genutzte Flächen deutlich gesenkt werden. Also das im 
lastenderen Strukturen sozusagen von unten her ständig zulockern Altbau schon verbreitete Wohngemeinschaftsprinzip, das nach 
und dem Bedarf neu anzupassen. Solche, von unten her kontrollier- gem holländischen Muster von „Centraal wonen” auf Häuser und 
ten Infrastrukturen nennt man seit einigen Jahren auch „Netze”. Siedlungen zu übertragen ist. 
Netze aller Art, von Fall zu Fall unter immer anderen Konstellatio- 7 Aufwertung aller Zimmer zu Wohnzimmern! 
nen mit sozialer Fantasie und juristischem Geschick geknüpft, sind Alle Zimmer sind zwar nicht unbedingt gleich, aber doch etwa 
die Nachfolgerinnen der alten Mutter „Wohlfahrt” deren allgewalti- gleichwertig! Auch das „zentrale” Zimmer der WG, die große der 
ger Fürsorge von „oben” heute selbst die SPD nicht mehrrechtüber pejden Küchen, ist bloß ein Zimmer unter acht Zimmern. Auch das 
den Weg traut. Dies nur zur Einleitung, denn was immer wir ent- ejn altes WG-Prinzip. Eine starke soziale Vernetzung erfordert um- 
werfen und bauen, es hat die Knüpfung solcher Netze als Idealim so deutlichere Abgrenzung der Rückzugsbereiche gegeneinander. 
Auge. Und daß dieses Ziel keineswegs nur organisatorische Konse- 3, Vermeidung baumartiger Strukturen! 
quenzen hat (in 75/76 ARCH" hatten wir etwas davon skizziert), daß Die so „emanzipierten” Zimmer sollen untereinander und mit den 
es auch die Grundrisse bestimmt, das soll an folgendem Beispiel gemeinsam genutzten Räumen eine gitterförmige Struktur bilden. 
illustriert werden: Die Zuordnungen sind mehrdeutig. Es gibt keinen Hauptraum 
Die „Nachbarschaft an der Dönchekante GbR”, ein Zusammen- usw. 
schluß von 10 Wo hnparteien ZU ECENSNCH Hausbau und ZUM Natürlich ist gerade die letztgenannte Eigenschaft an kleinen Einfa- 
Betrieb verschiedener Gemeinschaftseinrichtungen (Heizung, milienhäusern nicht konsequent nachweisbar. Doch selbst dann 
DO Komp ost, Gemeinschaftshaus), eröffnete DS die Möglich- bemühen wir uns, die beiden Geschosse zu potentiell selbständigen 
eit, eine schon ältere Idee eines Einküchen-Reihenhauses (s. 57/ Wohnungen aufzuwerten 
58 ARCH”, S. 54, wir hießen damals noch Arbeitsgruppe Stadt/ E . 
Wir fangen doch wieder mit 
EIS . einem Querschnitt an: Er mag 
DE Aha zeigen, wie nahtlos die Häuser 
! ineinander übergehen. Auch das 
ist „Verdichtung”! Vorne das ge- 
schnittene Haus ist das WG- 
Haus. Sieben Wohnzimmer und 
eine Wohnküche sind auf der 
. Rückseite aufgereiht, haben alle 
insel die unbeheizte Halle vor sich. 
Jeder hat hier 22 qm für sich al- 
lein, Nele (6) ebenso wie Mike 
. (50). Die oben wohnenden ha- 
ben noch eine Galerie unter 
dem ansteigenden Pultdach, die 
unten dafür einen überdachten 
Sitzplatz zum Garten, der zur 
Veranda werden kann. Zusam- 
men mit den gemeinsam genutz- 
ten Wohnflächen bewohnt hier 
ak jeder 34 qm. Auf Siedlungs- 
behei‘ ebene wiederholt sich das Prin- 
Werkstattkelle: Abste zip der Verdichtung. Geradeaus 
sieht man z. B. das Gemein- 
schaftshaus, mit dem Fahrrad- 
n schuppen unten, dem kleinen 
Baufrösche Kassel emum oben und dem 
(früher Arbeitsgruppe Stadt/Bau), hervorgegangen aus einer Projekt- Gemeinschaftsraum mit kleiner 
gruppe der GhK 1978, die sich für „kostengünstigen Mietwohnungs- Küche dahinter. 
bau” einsetzte, ist eine auf den Hausbau spezialisierte Gruppe, die Der Freiraumplan (Heidrun 
erstmals durch eine Substandard-Hausgruppe um einen Platz für die - Hubenthal/Baufrösche) zeigt, 
documenta urbana bekannt wurde. Die Gruppe arbeitet mit Projekt- ; daß das „WG-Prinzip” auch die 
gruppen der Gesamthochschule zusammen. ‘ Außenhäuser bestimmt. Unter 
Mitglieder: Gottfried Faulstich, Manfred Lenhart, Marcel Monard, “. der großen Windschutzpergola 
Prof. Michael Wilkens, Dipl.-Ing. Architekten. Beim Projekt Dönche Il 5 verläuft der siedlungsinterne 
wirkten außerdem mit: Barbara Koch, Jose Molina, Uwe Hoegen und SB „Mistweg” zu den Gemüse- 
Renate Abelmann. gärten auf der Westseite. 
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