Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

GRUNDRISSKRITIK 
. F * 
Kleinkindphase mit Schlaf- und Spielraum Schulkindphase mit Einzelzimmer: 
Die Stube hat eine Tür zum Allraum und Verbindung zum Eingang, so Stube und Schlafzimmer können je nach Bedarf auch als Individual- 
daß pingeliger Besuch den (unaufgeräumten) Allraum nicht zu sehen räume der Eltern, als Schlaf- und Arbeitszimmer oder als Jugend- 
bekommt. zimmer genutzt werden. 
Recht: Entweder dürfen die Kinder hier nicht spielen, oder die Geschwister sind im Kleinkindalter durchaus sinnvoll, weil die Kin- 
Eltern müssen auf einen ruhigen, aufgeräumten Wohnraum ver- der eine große, zusammenhängende Spielfläche brauchen und 
zichten. Vielfach spiegelt die zentrale Wohnhalle nur den Traum auch viel zusammen und in Gruppen spielen. Vom Schulalter an 
vom intakten Familienleben wider, das durch die damit verbunde- tritt aber der Wunsch nach einem eigenen Raum in den Vorder- 
nen Zwangskontakte und Einschränkungen eher vergiftet wird. grund. Für Jugendliche kann das gemeinsame Zimmer zur Qual 
werden. Auch das Elternschlafzimmer muß als tabuisierte Institu- 
Die Unterteilung in Bereiche sollte der unterschiedlichen Nutzung tion in Frage gestellt werden. Nicht nur alleinerziehende Eltern- 
entsprechen. teile, auch viele Paare legen Wert auf echte „Individualräume”. 
Kinderzimmer und Elternschlafzimmer liegen meist im „Schlafbe- Aber wer wagt noch, angesichts schrumpfender Förderungsmittel 
reich” zusammen. Das suggeriert Geborgenheit. In Wirklichkeit das eigene Zimmer für die Frau zu fordern? 
fangen die lieben Kleinen Sonntag früh um 7 an, zu rumoren, kön- Notwendig sind nutzungsneutrale, austauschbare Räume, deren 
nen auch in der Mittagszeit keine Ruhe halten, und wenn sie erst Größe für jede der zu erwartenden Nutzungen ausreicht. Die funk- 
mal älter sind, wollen sie abends noch Musik hören oder mit Freun- tionale Größe eines Schlafzimmers ist meßbar (siehe DIN 18011), 
den zusammensitzen. Das alles kann recht störend wirken. der Bedarf an Spielfläche im Kinderzimmer ist nicht meßbar, nur 
Die übliche Aufteilung in Wohn- und Schlafbereich entspricht subjektiv erfahrbar. Kinderspiele sind grenzenlos; räumliche Enge 
nicht den tatsächlichen Nutzungen. Sinnvoller ist eine Trennungin schränkt mit den Spielmöglichkeiten zugleich die Entwicklungs- 
ruhigen Elternbereich (Schlafzimmer und Stube) und unruhigen möglichkeiten ein. 
Kinderbereich (Kinderzimmer und Allraum). Dadurch können un- Konkret bedeutet das: Für jedes Familienmitglied sollte eine Flä- 
nötige Konflikte um Lärm und Unordnung vermieden werden. che von mindestens 10 m* zur Verfügung stehen. Zimmer für zwei 
Nutzungsneutrale Räume, wie sie im Altbau oft vorhanden sind, Personen (Eltern oder Kinder) können entstehen durch Zusam- 
machen eine Vorab-Unterteilung überflüssig. Man kann sich dann menlegung der Flächen. Weilsich aber die Bedürfnisse ändern, soll- 
je nach Familienstruktur und Lebensgewohnheiten unterschied- te eine spätere Aufteilung in zwei einzelne Räume möglich sein. 
lich einrichten. Auch die Stube kann, da sie nicht mehr die Aus- 16 m” sind hierfür die Mindestfläche, weil Räume unter 8 m” kaum 
maße des repräsentativen Wohnzimmers hat, in den Nutzungs- nutzbar sind. 
tausch einbezogen werden. Wem das zuviel ist, der hat zwar möglicherweise viel Erfahrung 
mit dem Bau und der Finanzierung von Wohnungen, aber wenig 
Für jedes Familienmitglied muß ein eigenes Zimmer zur Verfügung Erfahrung mit Kindern und ihren täglich erfahrenen Einschränkun- 
stehen. gen. 
Häufig wird für 4 Personen nur ein Elternschlafzimmer und ein 2- 
Bett-Kinderzimmer vorgesehen. Gemeinsame Kinderzimmer für
	        

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