Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Die Beispiele der Architektur ; 
von Michael Szyszkowitz und Karla I nfOSYysS tem P lanfılm 
Kowalski zeigen gut durchgearbei- An den beiden Fachbereichen Ar- 
tete Bauformen von erstaunlicher chitektur und Stadtplanung/Land- 
Plastizität. Schon in ersten Skizzen schaftsplanung der GhK existiert 
wird Raumqualität deutlich, die seit nunmehr gut zwei Jahren eine 
sich in Modellen und ausgeführten kleine Dokumentationseinrichtung, 
Bauten bestätigt. Innen- und Au- die sich damit beschäftigt, Materia- 
ßenräume mit Qualität, adäquater lien ausfindig zu machen, zu sam- 
Umraum für Leben. meln und nachzuweisen, die die für 
Textile Objekt von Walter Planer „klassischen” Arbeitsmittel 
Gschwandtner, die zum Teil wie — print-medien in Form von ge- 
statische Vor- oder Nachbildungen zeichnetem Plan und Literatur — 
dessen anmuten, was Hermann komplettieren soll durch Verfüg- 
Nitsch in einem dreitägigen Orgien- barmachung des Mediums Film. 
und Mysterienspektakel veranstal- Darunter werden verschiedene fil- 
tete. Ob die Aktionen von Nitsch mische Materialien von 16 mm-Fil- 
Kunst sind oder nicht, diese Frage men, Videofilme bis zu TV-Beiträ- 
muß sich jeder selbst beantworten. gen verstanden, die im weitesten 
Der Beitrag von Alexander Kubik Sinne in Form von Analysen, Do- 
vermittelt Einblicke in das „Innere” a en kumentationen, Features bis hin zu 
dieses blutigen Theaters von Prin- Ein Film von Christian Bau und Manfred Oppermann Spielfilmen als relevant für Lehre 
zendorf, . Das Neue Hamburg ist ein Doku- aktueller Bezug hergestellt, der und Forschung an den Fachberei- 
Der Freiraum, ein Thema, dem menptarfilm über die Pläne der Neu- unterstrichen wird durch die Ein- chen betrachtet werden können. 
neuerdings zwar mehr Aufmerk- vostaltung des Elbufers, die - über- blendung von Filmaufnahmen der Dabei wird ein besonderer Schwer- 
samkeit gewidmet wird, das aber iegend während des 2. Weltkriegs jüngeren Stadtentwicklung Ham- punkt auf das Ausfindigmachen hi- 
nach wie vor keinen hohen Stellen- - von Konstanty Gutschow und sei- burgs. storischen Materials gelegt. 
wert bei der Planung und Gestal. „on Mitarbeitern entworfen wur- Der Film erlebte mehrere Auf- Neben Recherchen, die den so- 
tung des Umraums besitzt. Frei- den Es geht um jene Planung, die führungen mit anschließender Dis- zialdemokratischen Städtebau der 
raumnutzung, dieser Beitrag im mit einem kühnen Schwung den kussion, so im Medienzentrum „Die 20er Jahre und die Wohnungsbau- 
letzten Heft des 15. Jahrgangs, engt Fijckenteppich aus alten und jun- Thede”, in der Hamburger Baube- und Siedlungsideologien der NS- 
das Thema schr stark ein, beziehtes „on armen und reichen, privaten hörde und im Programmkino. Auf- Zeit betreffen, liegt momentan ein 
nur auf Freiräume, die unmittelbar Sand öffentlichen Bauten im Ufer- fällig insgesamt die Bandbreite der besonderes Interesse auf dem frü- 
zu Wohnungen gehören. Das wäre Bbereich des Arbeiterviertels Altona Reaktionen. Weitgehend wurde hen Aufbaufilm der späten 40er und 
sicher mehr in Betracht zu ziehen. hinwegsaniert und sie ersetzt hätte dem Film die Zurückhaltung in der dem sogen. „Städtebaufilm” der 
Auf die Jahreszahlen 19418 bis A yurch monumentale Säulenarchi- Stellungnahme und Wertung zum 50er Jahre. Für historisches Arbei- 
1984 bezogen, blättert Günther (ektur aus einem Guß und Rhyth- Vorwurf gemacht, andern war er ten an Fragen zur Entwicklung der 
Feuerstem Cinen Zlratenreigen auf, Ka qus. Höhepunkt der Inszenierung (selbst in dieser Form zu deutlich, I städtebaulichen Leitbilder und de 
der vom Expressionismus (1945) bis Klaas 60-stöckige Gauhaus, hervor ijeine Provokation. Entsprechend ren Popularisierung im Lehr- und 
zum Festwochen-Paradies (1984) gegangen aus den Wolkenkratzer- unterschiedlich wurde seine Frage- Informationsfilm u.ä. liegt hier ein 
reicht, Zu der Jahreszahl 1948 und KA Sandien, die Gutschow selbst in New stellung aufgefaßt: Während die noch wenig bearbeitetes Feld vor. 
zum Stichwort Festwochen kann in York angefertigt hatte. So wie Cana- Baubehörde unter der Leitfrage ein- Bislang ist die Informations-Si- 
diesem Zusammenhang auf einen je4fo das Themseufer mit veneziani- ud: Wie unpolitisch dürfen Archi- _tuation immer noch derart desolat, 
Bereich Kreaüver Tätigkeit hinge- A schen Augen in südlich-warmem itekten sein? stand für andere der Bl daß ein gezielter inhaltlicher Zugrifi 
wiesen werden, der sogar in Sonnenlicht malte, so betreten die (Charakter der Planung als politisch nicht möglich ist, weder auf der 
TRANSPARENT bisher ausge A ausländischen Vorbilder der Elb- außer Frage. War ÖGutschows I Ebene des weitverstreuten „norma- 
spart blieb; Musik! Zu hoch ED uferneugestaltung in nordisch-küh- Entwurf an sich ein Beispiel totali- len” Verleihangebots von Film noch 
fen, zu weit weg vom Thema? Der em und deutsch-sauberem Ge- tärer Planung oder wird er für die auf der Ebene der „grauen” Me- 
Umraum, in dem wir tagtäglich le- wand deutschen Boden. Keine Pla- Verbrechen der Nazis in Sippenhaft dien. Damit kann Film mit seinen 
ben, enthält nicht nur Aspekte der nung kommt ohne Vorbilder zu- genommen? Ist eine politische spezifischen Informationsmöglich- 
Kultur, sondern ist selbst ein nicht ande. Doch, so Gutschow, dürfe Verurteilung des Architekten fehl Keiten im Verbund mit den gut ent- 
unwichtiger Bestandteil der Kultur. nicht der Verdacht aufkommen, aus am Platze, da er „gar kein politischer wickelten Informationssystemen für 
Ond zur Kultur gehört, wenngleich Kader Fremde importiert zu haben Mann war” und sogar politisch die print-Medien nur sehr unvoll- 
in einem gedruckten Medium 1Jm sich vom amerikanischen Vor- unangepaßten Kollegen Nischen für kommen für fachliche Belange aus- 
schwer darstellbar, auch die Musik. Leid zu unterscheiden, sei das Gau- [die berufliche Weiterarbeit bot? geschöpft werden. Die Einbezie- 
von Ludwig Hirsch, Österreicher haus klar, gerade und deutsch. Kein (| Weiche Rolle spielen Informationen hung des Infoträgers Film ist bis 
wie der Chefredakteur, Herausge- amerikanisch-russischer Zucker- zur außerberuflichen Biographie jetzt nur unter unverhältnismäßig 
ber und Verleger der hier rezen SCI” bäckerkitsch, keine Elbbrücken an des Architekten? Daneben, von hohem Aufwand für Recherche und 
ten Zeitschrift, gibt es zwei Lieder: der falschen Stelle (oder - noch jüngeren Professionals formuliert, Beschaffung möglich. Damit steht 
„Das Lied vom Heimkehrer (für schlimmer - die heute unsichtbare das Bedauern, daß in unserer Zeit der beachtlich gestiegenen filmi- 
meins Väter). eiwa zu 1948 - und Verkehrsführung im Elbtunnel) kein derartiger „großer Wurf” mehr schen Produktion kein entsprechen- 
„GIiß Gott, Salzburg” -— zur Fest sondern deutliche, unmißverständ- WE möglich sei. Zu viel Angstliches ll des Infosystem gegenüber. Viele 
wochenzeit; aufgenommen im SO liche Zeichenarchitektur wo sie hin-  Konservieren und Renovieren! Was andere Disziplinen haben das glei- 
mer 1984 in Wien (Polydor 823559. „cp6rt. Da, wo der Verkehr die Elbe wird die Nachwelt von uns sagen? che Problem. Bis jetzt sind einige 
Done ; . 6 ah kreuzt, eine Brücke, die die Golden Die Bandbreite der Reaktionen hundert Film-Titel direkt bei „Plan- 
Das letzte Zitat aus der 36-jähri- Gate Bridge in den Schatten stellt und Diskussionspartner zeigt, daß film” verfügbar, mehrere hundert 
gen Kette Mar nn een und im städtebaulichen Gesamt- die Methode des Films richtig ist. Titel können mit Standort nachge- 
ie m CIE IC ie (cn S ae ensemble das Gauhaus als Symbol Stellenweise weniger überzeugend wiesen werden. Nach der ersten 
cute nach wie vor ein breites Spek- ger nördlichen Führerhauptstadt sind die Kommentare, und auch _Sammel-Phase zeigt sich jetzt, daß 
tum an Einflußnahmen und ein ge- ejebriert. Eine deutlichestädtebau- wenn die Filmemacher keinen Kehl die Benutzung der Einrichtung 
SiS Maß an Verantwortung, lich-politische Aussage, gekonnt daraus machen, daß sie selbst keine durch Lehrende und Studenten 
a wir ns Yen m Ze formuliert im internationalen Städtebaugeschichtler sind, hätte sprunghaft zunimmt. Ebenso er- 
6a AU ger Asa MOMENTANEN Urban Design-ABC, wie es Lehr- etwas mehr fachliche Beratungnicht höht sich die Zahl an Anfragen an- 
OHNE bücher wie Bacons Städtebau von geschadet. Insgesamt ein sehens- derer Fachbereiche an anderen 
W. V, Hofmann Athen bis Brasilia und Canberra werter und diskutierenswerter Film, Hochschulen, _außeruniversitärer 
vermitteln. der seinen Weg auch in die Dritten Institute, Behörden, Planungsbüros 
Bau und Oppermann lassen _Fernsehprogramme finden sollte. und anderer Stellen laufend. 
ihrem Film eine Fülle von Material Die Botschaft braucht sicherlich Die relativ kleine GhK ist über- 
für sich sprechen - Zeichnungen, nicht mit dem Holzhammer vor- fordert; es steht sozusagen an, Er- 
Modelle, Photos, zeitgenössische gebracht zu werden. Das tun die Zu- wägungen anzustellen, inwieweit ei- 
Filmdokumente, Gespräche mit ständigen zu allen Zeiten oft deut- ne  wissenschaftliche Dienstlei- 
Planern und Betroffenen von da- lich genug selbst, wie etwa Philip _stungs- und Forschungseinrichtung 
mals, Spielszenen usw. Sie enthal- Johnson, wenn er sagt: „Selbstver- „Planfilm” mit überregionaler Zu- 
ten sich dabei jeglicher Wertung so ständlich würde ich auch von Hitler ständigkeit in anderer Trägerschaft 
weit wie möglich - mit Ausnahme: einen Auftrag annehmen. Ich würde institutionalisiert werden sollte. In- 
Schriftzeilen zu Beginn des Films auch für den Teufel persönlich _teressenten sind aufgefordert, Vor- 
setzen thesenartig den städtebau- bauen. Wer mich beauftragt, kauft schläge und Anregungen zu formu- 
lich-architektonischen Wandel in mich. Ich bin eine Hure.” lieren. Zu senden an: 
eine Beziehung zur Kontinuität „Planfilm” FB 12/13, Henschelstr.2, 
gesellschaftlicher Produktionsfor- Tel. 804 2355/2364 (Folckert Lü- 
men. Schon allein damit ist ein Friedhelm Fischer ken-Isberner).
	        

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