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Badische Landesbibliothek Karlsruhe Deckenuntersicht
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OSWALD MATHIAS UNGERS IM GESPRACH
MIT NIKOLAUS KUÜHNERT
Nach Auffassung von Oswald Mathias Ungers ist das Detail eine Frage des räumlichen Zusammenhangs. Was hat diese Position für das Bauen
zur Konsequenz und für die Auseinandersetzung zwischen Post-Moderne und konzeptueller Architektur?
VERLUST DER BAUKULTUR weisungen, Festlegungen, Übereinkünften brauchen und was zu
Zeiten der Gotik, der Renaissance oder Schinkels nötig war. Der
ARCH" : Früher ist ein Baumeister in erster Linie Handwerker gewesen, Architekt fertigte einen Riß, einen Grundriß, ein Proportionsscheder
selbstverständlich die Regeln der Baukunst beherrschte. Heute da- Ma an, alles andere erledigte das Handwerk. Das gibt es aber nicht
gegen werden große Visionen gezeichnet, in lavierten Blättern, phanta- Mehr. Das Handwerk ist weg. Sie müssen heute alles selber setzen,
stischen Perspektiven, ineinanderstürzenden Fluchten, denen jede dem Handwerk können Sie nichts mehr überlassen. Oder Sie überhandwerkliche
Basis fehlt, um diese Visionen auch nur ansatzweise lassen das Bauen der Industrie. Nur entwickelt sich das Bauen dann
realisieren zu können; selbst Architekten, die wieder in Stein bauenwol- Nach dem, was die Industrie an Produkten anbietet. Hochhäuser
len, fehlt heute fast jede gründliche, architektonisch-handwerkliche Werden in den USA nicht von Architekten entworfen - vielleicht
Ausbildung. Es entsteht Pappmache. zeichnen sie noch den Umriß -, sondern das Bauwerk wird von der
0.M. Ungers: Das ist genau das Problem. Entweder beherrschen Sie Bauindustrie geplant und ausgeführt. Sie legt die Profile, die Andie
Regeln einigermaßen, die Sie aber heute selber setzen müssen, schlüsse, die gr oßenD etails fest. Als Architekt müssen Sie heute für
oder Sie ordnen sich einer Konvention unter, auf die Sie sich verlas- jedes Bauwerk die Ubereinkünfte selber mit jedem Plan festlegen,
sen können; Michelangelo konnte sich noch auf eine Baukonven- oder der Plan wird zum Exerzierfeld der Industrie,
tion verlassen, auch Schinkel war sich einer Bautradition sicher, Sind die Regeln architektonisch-ästhetischer Natur?
nach deren Regeln ein Bauwerk ausgeführt werden konnte. Weil Nein, es sind technische Regeln, die festlegen, wie etwas auszufüh-Architekt
und Handwerk sich auf die gleichen Regeln bezogen, ge- ren ist. Die Industrie macht doch heute alles, was Sie wollen. Innerwann
der Architekt ungeahnte Freiheit. Er konnte sich auf die halb dieses pluralistischen Chaos, das „anything goes” müssen Sie
Zeichnung konzentrieren, auf Fragen der Proportion, der Profile für Ihr Bauwerk die Regeln selber festlegen, um gegenüber den Anusw.,
während die Ausführung Sache des Handwerks war. Wenn geboten des Marktes entscheidungsfähig zu sein, die Ihnen heute
nun diese Konvention, diese Regeln nicht mehr bestehen, dann das, morgen jenes anbieten; soll das Gebäude also in Montagebauwird
das Verhältnis von Handwerk und Architekt zum Problem, wie weise entstehen, eine Art High-Tech, oder soll das Gebäude kon-Sie
es in der Gegenwart studieren können: Sie müssen einfach ein- ventionell ausgeführt werden, mit Steinen, Mörtel usw.? Die Beantmal
vergleichen, was Sie heute an Plänen, Dokumentationen, An- wortung dieser Fragen hat Konsequenzen für das Procedere des
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