die Federführung auch der konzep- Historiker so naham Ohr der Macht, Berliner Personalausweis. Pikantertionellen
Vorbereitung lustigerwei- auch wenn es dem Kanzler Kohl ge- weise widersprechen sich die beiden
Bodo Baumunk se beim Bundesbauministerium, hört, und letztlich so etwas wie das in Bonn und Berlin gestifteten Idendas
sich sonst mit Autobahnen und Bitburg-Fiasko dabei herauskommt. titäten in gewissem Umfang. In
Weshalb soll vergleichbaren Einrichtungen mit as Primat dieses „Geschichtsbe- Bonn lernt der Besucher die Bunin
historisch hohem historischen Symbolwertbe- wußtseins” macht sich dabei, durch- desrepublik als ein Gemeinwesen
ein historisches faßt. Immerhin hat man für die Fi- aus auch weitab von historischer im hic et nunc zu akzeptieren, Teil-Nationalmuseum
nanzierung des Germanischen Na- Gelehrsamkeit, bemerkbar. Das Wort gebilde zwar, aber auskömmlich,
ichtet den? tionalmuseums damals in derersten „historisch” beispielsweise hat in und wahrscheinlich auch in unaberrichtet
werden: deutschen Gründerzeit der 1850er den letzten Jahren einen interessan- sehbare Zeit als unveränderliche,
Jahre schon eine kühne Lösung ge- ten Bedeutungswandel durchge- freilich dem Selbstverständnis nach
Vortrag 20. 9. 85 funden, nämlich eine Aktiengesell- macht, an dessen Ende seingenaues ein Provisorium, über dem das Wie-Berlin
- Reichstag schaft, während für die Deutsche Gegenteil herausgekommen ist. _dervereinigungsgebot schwebt. In
Veranstaltung der AL Nation in der Nachkriegszeit in der „Historisch” heißt im heutigen Berlin dagegen ist der Orientie-Pflege
ihres Geschichtsbewußtseins Sprachgebrauch von Baubürokra- _rungsrahmen dann doch wieder der
doch eher die Gesellschaft mit be- nahen EN verfälschen, _Nationalstaat Bismarck’schen For-.
schränkter Haftung vorzuziehen verflachen, falsche Schinkelbänke, mates.
Das germanische wäre. falsche Hardenbergleuchten, fal- Um dieses nationalpädagogische
Nationalmuseum Die damals in Nürnberg überra- sche Fachwerkfassaden. Gleich in rolle spielen zu können, wird wie
Historiker, die ein Deutsches Histo- Schend modern anmutende Samm- drei Berliner Museumsbauten fal- „opt an die Geschichtswissenfrisches
Museum fordern, in dem (jj!unsskonzeption, die keine Hierar-(sche Altberliner Kneipen-Einrich- Schaft auf verschiedenem Wege die
man aus der Geschichte lernt oder Chie der Ojekte kannte, vom Alltags- tungen usw. Auch neohistorische ständige Nötigung gerichtet, sich zu
{ernen soll, wobei die Einsichtigeren gegenstand bis zum Kkostbarsten Tendenzen im neuen Bauen wären „on ujarisieren. Thomas Nipperde
immer wieder betont haben, daß _COmnat jedem Ding denselben Rang hierzu nennen, auch wenn man sich int der Grund, warum die Ge.
man aus der Geschichte vor allem iner Geschichtsquelle beimaß, hät- vor Vereinfachungen hüten sollte, <cpichte heute keine Lebensmacht
Skepsis gegen Historiker-Analogien © das Germanische Nationalmu- wie es im anderen Zusammenhang 7 Sinne des 19. Jahrhunderts mehr
lernen kann, werden verstehen, daß || /seum auch seinerzeit vor dem Vor-/ || mit der Bebauung des Kulturforums ein könne liege eben darin, daß sie
das neue Berliner Projekt den Wurf geschützt, ein Museum der geschehen ist, also die Post-Moder- mer mehr Wissenschaft gewor-Rückblick
auf ein ähnlich ehrgeizi- _Herrschenden zu sein. Einen Vor- ne als eine Art von konservativem on sei Eben diesen Umstand‘neges
Vorhaben im 19. Jahrhundert wurf, den man auch gegen das neue Staatsstil zu interpretieren. Gerade giert der Tenor jener Stimmen, die
[enkt, das zwar heute zu den angese- Institut in Berlin besser so nicht die linken Architekturkritiker frühe- ©. mehr erzählende Geschichts
hendsten Museen in der Bundesre- rhebt, um dagegen irgendwelche rer Jahre dürfen sich mit ihrem ewi- schreibung fordern anstelle der nun
publik gehört, das aber jetzt nur Konzeptionen von Alltagsgeschich- gen Genörgel am Beton nicht wun- +5chlich für Laien ziemlich dürnoch
wenig mit den Intentionen ge- te beispielsweise zu stellen, denn dern, wenn sie heute in der neuen n "Strukturgeschichtsschreibung
mein hat, an die seine Schöpfer ge- das Konzept, das hinter der neokon- Gründerzeit auch neue Gründer- 74 der Bielefelder Schule. Diese
dacht haben, gemeint ist das Germa- Servativen Museumsgründung zeitfassaden vorgesetzt kriegen. 7 Grunde unangemessene Fordenische
Nationalmuseum in Nürn- Steht, ist in dieser Beziehung äußerst Immerhin ist hier die Gleichzei- rung an eine Wissenschaft, sie solle
berg. flexibel und integrativ. Auch eine ligkeit von Interesse, wie sie beialler gefälligst einen ihrem Forschungs-Gedacht,
wie es der Gründer, der Wohlgelungene Abteilung, etwa zur Vorsicht gegenüber den Fallstricken gegenstand und seiner Methodik
Freiherr von Aufseß, 1858 geschrie- deutschen Arbeiterbewegung, die der Analogie auch im Historismus längst inadäquaten Darstellungsstil
ben hat, um der Vaterlandsliebe Mit goldgeränderten bunten Fah- des 19. Jahrhunderts gegeben war. 4.” 19 Jahrhunderts zugunsten
eine kräftige, gesunde Nahrung zu en und alten Liefern, mit Bebel- Fortschritt und Fortschrittsgläubig- 70 ‚Lesepublikums ändern, das
bieten, die Einheitsbestrebungen Stickbildern und Lassalle-Reliquien keit im technisch-naturwissenschaft- .,,;cp4 gas Publikum ihres Faches
eines großen aber verschiedenartig IM eine historisierende Ferne lich-zivilisatorischen Bereich, rück- 7%} ist etwas, was man so von keinem
gruppierten Volkes in ein friedliches °ntrückt ist, wo man sie nur noch wärtsorientiert, was die künstleri- „4eren Gelehrten fordern würde.
Bett hinüber zu leiten, und an die Mit pietätvoller Achtung wahr- schen Ausdrucksformen und die Legi- ;- q;i.<cm Fall aber fordert, weil an
Stelle der abstrakten zerstörenden Nimmt, paßt besser in dieses Kon- timation gesellschaftlicher und politi-_— 4; Geschichte so eminente ideolo-Idee”
- gemeint ist die 1848er Revo- Zept, als es all jenen bewußt ist, die scher Zustände anbelangt! Auch heu- gische Erwartungen gestellt sind
lution — „die historische Tatsache zu das Museumsvorhaben nichtgrund- te wird der Geschichte vor allen Ta pat dann auch unlängst in der
überwiegender Gestaltung zu brin- Sätzlich in Frage stellen, sondern anderen Wissenschaftsdisziplinen E47 Gen wütenden Protest von
gen.” Das Museum sollte als „ewiger Sich nur angemessen repräsentiert CINe Wirksamkeit oder öffentlicher F}orhard Straub hervorgerufen, der
Einigungspunkt der Nation”, „als Sehen wollen. Eine Überführung ins Einfluß eingeräumt, den weder Bio- 4.71 schrieb, man dränge den Histo-Kristallisationspunkt
nationaler Museum ist von einem geglückten logie noch Physik, weder Philoso- tiker förmlich in die Rolle eines Ani-Identität
in der staatlichen Zersplit. Standpunkt aus immer ein Begräbnis phie noch Germanistik und <!St mateurs, die Wiederkehr des historit
” wirken. ey T Ar R i
Manche Frage, die sich die Nürn- Das Germanische Nationalmu- sten Zeiten, die Soziologie je erlangt NO MI BGrCOCE WOIOE, als Te u
berger damals stellten, tauchtinden Seum ist heute, wie man weiß, ein hätten. Um keinen von der Schulre- +07 für historische Musech sei
heutigen Diskussionen wieder auf. KUunst- und kulturhistorisches Mu- form angetasteten Bildungsbesitz- ; hg anderes als eine Variation des
Etwa: Wo beginnen mit der zeitli: SCUM wie andere auch. Nur von sei- stand wurde so verbissen und verbit- ‚on den Medien geförderten Amüchen
Eingrenzung des Museumsge- em Zuschnitt her und vonder Qua- tert gekämpft wie um den Ge- sierimpressionismus, ein Produkt
genstandes? Wo enden? Damals in lität seines Sammlungsgutes ande- schichtsunterricht und das zu einer ge "Kulturindustrie. Wörtlich
Nürnberg, als sich die Vorstellung en weit voraus. Ein Haus, in dem Zeit, wo gerade die Konservativen chreibt er dann: „Der Medienvervon
Deutscher Nation an der mittel. geforscht und ausgestellt wird. Die Sich zu Vorreitern eines massiven +.1ng als deren Organ Machtprofesalterlichen
Reichsherrlichkeit, an diesbezüglichen politischen Kom- Innovationsschubs auf dem tech- rem hier Geschichte machen »
der Reichstradition des Mittelalters Ponenten wurden nie recht wirk- nisch-naturwissenschaftlichen Sek- 7771 7ufügen bliebe, einige Histoorientierte,
entschied man sich für Sam, vor 1871 nicht, weil man sie tor machen. Für das Weltanschauli- „x M5sChS ganz gerne zn andere
das Jahr 1630 als Endpunkt. Heute, nicht aussprechen durfte, nach 1871 Che ist dann aber die Geschichte zu- 5 pen sich wie die Historiker
wo mit Nation vor allem das Bis. nicht, weil sie nicht in den Klein- Ständig, ; ] x etwa der Bielefelder Schule, die dem
marck-Reich gemeint ist, will man deutschen Nationalstaat paßten, In der Strategie der meinungsfüh- go npelten Verdacht ausgesetzt sind
hier noch nicht einmal anfangen, so Nach 1945 schon gar nicht mehr, renden Politiker, Historiker und © eps nämlich, links Zn stehen und
wie es das erste Gutachten zum Weil die nationalsozialistische Inan- Verleger läßt sich die vornehme „u eitens sich nur um gelungenen
Deutschen Historischen Museum SPruchnahme von Geschichte Rolle der Geschichtswissenschaft in Spy zu bemühen On doch Pros
vorgesehen hat. einem Nürnberger Institut hier be- der konservativen Politik im wesent. verlangt wird. Jürgen Kocka, also
Oder - viel banaler - wo sollte ein sondere Enthaltung nahe legte usf. lichen so definieren: 1. sie soll Iden- 7 der N Professoren aus Bielefeld
Deutsches Nationalmuseum in . tität stützen, 2. um Identität stützen 24 Gann auch mal auf diesen Vor-Nürnberg,
damals im 19. Jahrhun- ‘Varum Geschichte? zu können, d.h. um massenwirksam ‚1 orwidert, die Unterhaltung der
dert, juristisch angesiedelt sein Nun will man also einen zweiten werden zu können, hat sie sich zu Nation rangiere nun einmal unter
wenn es keinen gesamtnationalen Anlauf wagen. Wo man ein Mu- PP opularisieren. Dazu dienen einmal den Aufgaben des Historikers nicht
Geldgeber gab und man überdies auf seum hineingründen will, muß vor- eine leichte Lesbarkeit der histori- sehr weit oben.
die Unterstützung eines alle natio- her eine Lücke gewesen sein. Dieses schen Publizistik, zum anderen Nach den Büchern mit den stolnalen
Einigungsbestrebungen mit _Nichtvorhandene ist in den Augen Popularisierungsinstitutionen wie zen Verkaufszahlen entdeckte man
Argwohn verfolgenden bayerischen der Müuseumsbefürworter „Ge- eben Museum und Ausstellung. dann in den 70er Jahren die Museen
Königs angewiesen war? Auch dies schichtsbewußtsein” und auf die- W. M ” und Ausstellungen als vermeintlich
bemerkenswert. vor dem Hinter- sem „Geschichtsbewußtsein” basie- arm VuSECNH: ideale Popularisierungsinstanzen
grund des heutigen deutschen Na- rende nationale „Identität”. In Welche Identität der Besucher in für Geschichte. Die imponierenden
tionalmuseumsprojekts in Berlin, einem ganz erstaunlichen Maße ist den beiden neu zu gründenden hi- Besucherzahlen von Stauffer- und
von dem noch kein Mensch weiß,ob die Geschichte heute wieder auf _storischen Museen in Bonn und _Preußenausstellung, 700000 die
es eine Bundes- oder eine Landesin- dem Wege, eine geistige Führungs- Berlin am Ende finden wird, ist eine, 500000 die andere, schienen
stitution sein wird, eine rechts-oder macht in der Weltinterpretation zu ähnlich schwer aus den Konzepten dieser Einschätzung recht zu geben.
nicht rechtsfähige, oder gar eine Stif- werden. Was die Bundesrepublik der Vordenker abzulesen, wie z.B. Das Frankfurter Historische Mutung.
Bisher oder neuerdings liegt anbelangt, so waren vermutlich nie eine Staatsangehörigkeit aus einem _seum, so erbittert es von den Kon-