Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1987, Jg. 20, H. 88-92)

Winkel zwischen Kanten und
Flächen, Volumina, Trägheitsmomente
 und Schwerpünkte zu
berechnen. Regelmäßige Vielekke
 können automatisch eingepaßt
 werden, Schraffuren, Beschriftungen
 und Vermaßungen
unproblematisch angelegt werden.
 Die so bearbeiteten Objekte
 können in einer Datenbank abgelegt
 werden und bei Bedarf
weiter modelliert oder verändert
werden. Bei der Modellierung
wird die dreidimensionale Kontrolle
 dadurch erleichtert, daß
der Körper im Grund-, Auf- und
Seitenriß gezeigt werden kann.
Darüberhinaus sind beliebige
Perspektiven und Axonometrien
möglich, verdeckte Kanten und
Flächen werden bei Bedarf ausgeblendet.
 Zu ihrer optimalen
Darstellung stehen 3 Algorithmen
 (Tiefenpuffer, Scan-Linie
und Newell-Newell & Sancha)
für unterschiedliche  Anforderungen
 zur Auswahl.
Animationen in Echtzeit kón-Die

 Stadt Den Haag will ein neues
 Rathaus bauen und lobte aus
diesem Grunde einen beschränkten
 Wettbewerb aus, zu dem
u.a. Richard Meier, Helmut Jahn
und Rem Koolhaas (OMA) eingeladen
 waren. Die Jury empfahl,
 sich zwischen Meier und
Koolhaas zu entscheiden, doch
die Politiker, die plötzlich Angst
vor der eigenen Courage bekamen,
 schieben nun die Bürger
vor, ihre Meinung sei ausschlaggebend.
 Ein großes Hearing
(2000 Zuhörer), auf dem die Architekten
 ihre Pläne vorstellten,
geriet zur spektakulären Performance,
 bei der diejenigen die
meisten Sympathien verbuchten,
die das Publikum am besten amüsierten.
 (Meier: „I am happy to
be here today - I think this is a
great Moment for The Hague...“;
 Koolhaas: „Wir haben
die Gebäudehöhen zu einer Art
stalinistischem Flachbau reduziert.“)

Doch auch die Entwürfe von
Koolhaas und Meier weckten das
größte Interesse, während die

Entwurf Helmut Jahn

L

i]

ZEITUNG

nen in dieser Phase der Bearbeitung
 auf dem Bildschirm wiedergegeben
 werden. Für Designer
ist bei der Oberflächenmanipulation
 der Objekte von Bedeutung,
daß die Farben sowohl nach dem
physikalischen RGB-Modell, als
auch nach dem eher intuitiv arbeitenden
 HSL-Modell gemischt
und elementbezogen aufgetragen
 werden können. Die so diffizilen
 gläsernen und metallischen
Oberflächen können mit Gouraud-
 oder Phong-Interpolationen
 synthetisiert werden. Sie erscheinen
 durchsichtig bzw. metallisch,
 erhalten Glanzpunkte
(Highlights) und sehen somit täuschend
 echt aus. Die Software
kostet 16-38 TDM, die Hardware
(HP) 40-100 TDM.
So fleißig und trocken diese
immer noch unvollständige Auflistung
 von features des PYTHA-Programms
 auch erscheinen
mag, so soll sie doch exemplarisch
 verdeutlichen, daß hier,
von den meisten Architekten unbeachtet,

 ein neues Werkzeug
für den Entwurf dreidimensionaler
 Körper, für Grafik und Zeichnung
 heranreift. Eine Herausforderung,
 die auch die traditionelle
Architekturerstellung in 5-10
Jahren umwälzen wird.

Spaziergang durch den Entwurf
Die „Entwürfe werden das Laufen
 lernen“. Man kann schon
heute im Vorentwurfsstadium
das CAD-Modell elektronisch in
einen Videofilm des Baugrundstückes
 oder des Straßenraumes
collagieren und so die räumliche
Verträglichkeit, das Design
überprüfen. Je mehr die Grafik
durch Hardware unterstützt
wird, eine aktuelle Entwicklung,
die bereits Produkte auf dem Personal-Computer-Standard

(Amiga, Atari, Apple u.v.a.) belegen,
 um so schneller kann Grafik
 vom Rechner aufgebaut werden.
 So sind denn Spaziergänge
durch das CAD keine Utopie

Ein neues Rathaus
für Den Haag

Entwurt von Richara Meier. Das Gebäude mit dem wellenförmigen Dach ıst aas
neue Musik- und Tanztheater van0 ) MA 17 7 im Rant

mehr, wenn sie auch das traditionelle
 Holz- oder Papp-Modell
eher unterstützen als verdrängen
werden. Ausgezeichnete Beispiele
 für die Qualität solcher
Animationen (SPEA, MENTAL
IMAGES etc.) werden wir Ihnen
in der náchsten ARCH" prásentieren.
 Wer sich bis dahin auf
dem Laufenden halten will. dem
empfehlen wir ,,Nachhilfeunterricht“
 bei einer Generation von
Teenagern, die sich von „geiler“
Reklame und Video-Musik-Clips
 unterhalten läßt. Hier wird
graphische DV auf hohem Niveau
 demonstriert. Die Bilder lassen
 eine Ahnung von Schwerelosigkeit
 und Immaterialität graphischer
 „Synthetics“ aufkommen.
 Vielleicht auch eine Ahnung
 des sich beschleunigenden
und abnutzenden Wettlaufs der
Effekte, der uns erwartet.

Kay Friedrichs,
Günter Stöhr & Gregor Wessels

übrigen unter dem Motto „groß
und vielversprechend" abgelegt
wurden. Vor allem Meiers Projekt,
 das sich fast selbstverständlich
 an dieser Stelle integrieren
läßt, belebt die Stadt zur Seite
von Kalverstraat und Spui, einer
vielbefahrenen Durchgangsstra-Be
 zum Zentrum, mit einem óffentlichen
 Raum am neuen Musik-
 und Tanztheater von OMA.
Das Konzept von Koolhaas
(OMA) besteht aus drei parallelen
 Gebáudescheiben, eine
Skulptur aus Turmkulissen. Die
Assoziation mit einer Miniatur-Skyline
 von Manhattan wurde
vom Verfasser von der Hand gewiesen.
 Gerade die Scheiben und
die Art der Büros seien ausgesprochen
 europäische Gebäudetypen.

Der Stadtrat muß sich entscheiden,
 ob er mit einem subtilen
 oder mit einem gewagten
Rathausentwurf repräsentieren
will. Prächtige Architektur ist es
in jedem Fall, glücklicherweise
eine qualitätsvolle

Konrad Wohlhage

Entwurf Rem Kaalhacas (OM A)

P.
	        
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