Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1987, Jg. 20, H. 88-92)

ARCH '-ZEITUNG 
Betr.: 88 ARCH', S. 26-29, 
NEUE HEIMAT und die Hin- 
tergründe des Niedergangs 
Zum besseren Verständnis der 
beiden Aufsätze habe ich noch 
etwas nachzutragen: Die Ge- 
werkschaften, hier in direkter 
Kumpanei mit der SPD, haben 
mit der .Gemeinwirtschaft* in 
der Entwicklung zum Mammut- 
unternehmen ganz im Sinne des 
Kapitalismus gute Geschäfte ma- 
chen können, solange die große 
Zuhilfe vom Staat für die „Ge- 
neinnützigkeit“ erhebliche 
Wettbewerbsvorteile brachte. 
im Management waren dic Ge- 
werkschaften immer viel schlech- 
rer als freie Unternehmer. Inzwi- 
schen ist das geklärt und darum 
wird jetzt alles verscherbelt. Oh- 
ne jede Übertreibung wurde die 
[dee der Gemeinwirtschaft buch- 
stäblich verraten und verkauft. 
Man muß wissen, daß die 
Selbsthilfe-Gemeinschaften als 
organisierte ,eigene Besitzunter- 
nehmen" (gegen die kapitalisti- 
sche Ausbeutung) im linken 
Spektrum seit Kaiser Wilhelms 
Zeiten immer einen schweren 
Stand hatten. Um das hier abzu- 
^ürzen, nach dem letzten Krieg 
wurde von den Gewerkschaften 
wie von der SPD für die Wieder- 
begründung solcher Besitzgenos- 
senschaften kein einziger Gedan- 
ke verschwendet. In der Partei- 
enkonkurrenz gab es von Anfang 
an nur eine Überlegung 
1.) Bewohner von Einfamil- 
häusern wählen CDU. 
2.) Etagenmieter dagegen wäh 
len SPD 
So einfach ist das! 
Die NEUE HEIMAT hatte al 
so. Mietwohnungen zu bauen 
Wir kennen die Stapelwohnun 
zen nach Schubladenentwürfen 
ius kommerziellen Erwágunger. 
»püter je hóher je lieber. Über dic 
Skandale wissen wir endlich — 
und man konnte es Jahrzehnte 
früher wissen —, daß die NH von 
Anfang an mit der schließlichen 
Entwicklung zu einem Riesen- 
konzern in einen widerlichen Filz 
von gemeinnützigen und nicht- 
gemeinnitzigen Firmen nur eine 
Rationalität kannte, nämlich die 
besten Gescháfte untereinander. 
Das alllein war die . FlieBband- 
schiene“ und mit Fordismus, also 
etwas Ahnlichem wie etwa bei 
der rationellen Produktion von 
Automobilen, hatte das Ganze 
nie das Geringste zu tun. 
Auseigener praktischer Erfah- 
rung mit der NH weiß ich, daß 
wesentlich qualifiziertere und 
auch wesentlich billigere Herstel- 
ler in diesem Filz nie die gering- 
sten Chancen hatten. Das warein 
grof organisierter Klüngel mit 
dem alleinigen ,Planungsprin- 
zip“ einer Gewinnmaximierung 
untereinander, das alles mit sehr 
mittelmäBigen Margen und ge- 
kauften Zeichenknechten. Wie 
aus einer Strangpresse entstan- 
den allüberall die in ihrer Hàf- 
lichkeit erstaunlichen áhnlichen 
Realisationen, spáter lediglich 
dichter! Wenn es ein Schielen et- 
wa auf Le Corbusiers Wohnma- 
schine überhaupt gegeben haben 
sollte, dann nur um die Maxime 
„Länge x Breite x Geld“ noch 
brutaler durchzuführen. Das Er- 
gebnis? Abbruch erscheint in der 
Regel als die z.Zt. beste Lösung! 
Betr.: 88 ARCH', S. 26-29, 
NEUE HEIMAT und die Hin- 
tergründe des Niedergangs 
Erst wenn man das weiß, dann 
erklärt sich die Zeitbindung in 
der Sozialpflichtigkeit bei der 
Hergabe Öffentlicher Gelder. 
Schließlich mußte ja immer wie- 
der neu gebaut werden für die 
„sozial schwachen Schichten“, 
inzwischen längst ausgedehnt auf 
fast die Mehrzahl der Bürger, die 
gesetzliche Ansprüche auf 
Wohngeld haben in Milliarden- 
höhe. In der Praxis ein kostenlo- 
ser Zinsdienst für die Immobi- 
lienverkáufer, aller wohlverstan- 
den, hier die NH wie ähnliche 
Unternehmen selbstverständlich 
eingeschlossen. Diese Politik der 
Wohnungsbauförderung im Auf 
und Ab der Konjunkturpolitik in 
der Wachstumszeit ist natürlich 
von allen Parteien getragen wor- 
den, aber auch und besonders 
von der SPD und den Gewerk- 
schaften. (Nach der Totalpleite 
will natürlich niemand mehr et- 
was davon wissen!) 
Wenn heute bei der Auflösung 
des Mammutkonzerns NH über 
kleinere Einheiten nachgedacht 
wird, dann müßte es doch um 
sehr kleine Gemeinschaften im 
Sinne der alten Genossenschaf- 
ten gehen, in denen durch den 
Besitz an den Behausungen der 
mörderische Kreislauf im Immo- 
biliengeschäft endgültig unter- 
brochen ist. Mit den Riesensum- 
men, die óffentlich aufgebracht 
wurden, hátte man dieses Ziel für 
die Bürger, die auf staatliche Hil- 
fe angewiesen sind, in weniger als 
der Hälfte der Zeit längst regeln 
können. Alle, die es hätten ha- 
ben wollen, hätten auch das heiß 
gewünschte ebenerdige Haus mit 
Garten erhalten. (Hier hat die 
Moderne mit dem verdichteten 
Flachbau bereits Anfang der50er 
Jahre geeignete Modelle auf der 
Basis von Genossenschaften an- 
geboten, damals eine suspekte 
Sache sowohl für die CDU wie 
auch für die SPD.) Bei dem unge- 
heuren Bedarf - 6 Mio. Wohnun- 
gen sind gebaut worden — wáre al- 
lerdings der Fordismus, also eine 
sehr gut organisierte Massenfer- 
tigung, zwingend notwendig ge- 
wesen. Es ging schon damals um 
kleine Elemente, die sich zu den 
sehr vielfáltigen Bedarf an Woh- 
nungen zusammensetzen ließen. 
Auch dafür gabes entsprechende 
Vorschläge der Moderne. Nur 
die Wirklichkeit sah eben so aus, 
wie oben geschildert. Unsere 
Partikularinteressengemein- 
schaft mit ihrer Pfründenwirt- 
schaft verträgt keine historischen 
Vergleiche, Vokabeln wie Kapi- 
talismus und Sozialismus sind al- 
le verbraucht. Gegen die Misch- 
poke kommt nur ein anderes 
Wählerverhalten an und da grünt 
es ja inzwischen! 
Josef Lembrock 
Betr.: 89 ARCH*, Bauwelt- 
reklame in ARCH+ 
Auf den ersten Blick stellt sich 
angenehme Überraschung ein: 
Endlich wird wahrgenommen, 
daß Frauen in die bisherige 
Männerdomäne der Bauberufe 
eingebrochen und hier als Ar- 
chitektinnen und Planerinnen 
tätig sind. 
Auf den zweiten Blick dage- 
gen stellt sich ein sehr unange- 
nehmes Gefühl ein, wenn auch 
keine Überraschung, weil das, 
was da präsentiert wird, sattsam 
bekannt ist. Nicht die Frau in ih- 
rer Eigenschaft als Planerin soll 
durch diese Werbung angespro- 
chen werden, Es wird nicht der 
Hinweis gegeben, daß die Bau- 
welt eine für sie fachlich interes- 
sante Zeitschrift ist, die es des- 
wegen lohnt zu kaufen. Fachli- 
ches wird überhaupt nicht ver- 
mittelt. Statt dessen wird Frau 
zum x-ten Mal von der Werbung 
vom Menschen auf das Maß ei- 
nes Objektes, eines Sexualob- 
jektes reduziert, um über das 
Mittel der Erotik männliches 
Kaufverhalten zu stimulieren. 
Aus diesem Grunde wird sie 
nicht nur auf eine einzige ihrer 
vielfältigen Fähigkeiten redu- 
ziert, sondern auch noch in ihrer 
Körperlichkeit auf spezielle Ab- 
schnitte verkümmert. Das Ge- 
sicht interessiert natürlich über- 
haupt nicht, das mittlere Drittel 
ihres Körpers reicht. Da es sich 
bei der Baumwelt um eine sich 
seriös gebende Zeitschrift han- 
delt, ist dieser Körperabschnitt 
mit einem allerdings hautengen 
Kleid bedeckt, nur das Knie ist 
zu sehen. Was hierdurch den 
Frauen im allgemeinen und den 
Architektinnen und Planerin- 
nen im besonderen zugemutet 
wird, ist, milde ausgedrückt, ei- 
ne dicke Sauerei. Ich hoffe, daß 
Frau sich massiv dagegen weh- 
ren wird, um derart diskriminie- 
rende Werbung unmöglich zu 
machen. 
Monika Allers 
Betr.: ARCH*-Baumarkt 
Nach wie vor bin ich der Mei- 
nung, daß bei den Veröffentli- 
chungen von  Liefer- und 
Händleradressen (Bezugsquel- 
len baubiologischer Produkte) 
die Herstelleradressen nicht auf- 
geführt werden sollten. 
Es zeigt sich immer wieder, 
daf der baubiologische Fachhan- 
del als billiges Werbemedium 
von den Herstellern oder Ver- 
triebsorganisationen benutzt 
wird, daß die lukrativen und exi- 
stenz-notwendigen GroBaufträ- 
ge oft an dem Fachhandel vorbei, 
direktabgewickelt und abgerech- 
net werden. 
Dieses Problem beginnt bei 
den Naturfarben, wo Endver- 
braucher mit 30% Nachlaß direkt 
beim Hersteller einkaufen, oder 
Großhändler direkt an Endver- 
braucher und Handwerker ver- 
kaufen, bis hin zu Kork- und Ko- 
kosprodukten, wo um die letzte 
Mark gekämpft wird. 
Um hier eine Veränderung zu 
bewirken, ist es notwendig, die 
Hersteller und Vertreiber zu ei- 
ner ehrlichen und soliden Ver- 
triebsstruktur zu bewegen, was 
sicherlich kein einzelner Händ- 
ler, sondern nur mit dem gemein- 
samen Auftreten der baubiologi- 
schen Fachhändler möglich ist. 
Der nächste Schritt wäre den 
Produzenten aufzuzeigen, daß in 
der Bundesrepublik ein ausrei- 
chendes Netz von baubiologi- 
schen Fachhändlern vorhanden 
ist, die neben der fachlichen Be- 
ratung auch schnell und direkt 
die Kunden beliefern können. 
Dieses Netz von kompetenten 
Fachhändlern sollte sich zudem 
der — längst fälligen — breiten Of- 
fentlichkeit mit gemeinsamen re- 
gionalen und überregionalen 
Werbemaßnahmen vorstellen, 
um damit nicht nur den Verbrau- 
chern, sondern auch den Produ- 
zenten einen „gesünderen Weg“ 
aufzuzeigen. 
Also ein Verband baubiologi- 
scher Hàndler steht an. Bei Inter 
esse an einer Verbandsmitglied- 
schaft schreiben Sie bitte an: 
Manfred Krines, Hirschstraße 
103, 7500 Karlsruhe 1
	        

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