Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1987, Jg. 20, H. 88-92)

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Torhäuser 
als Elemente 
der Straßenidentität 
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Der Ziegelstein  be- 
stimmt den wesentli- 
chen Charakter der 
Gartenstadt Hoechst 
STRUKTUR DER SIEDLUNG 
Ausgehend vom Bebauungsplan der Gartenstadt Hoechst macht 
der Strukturplan Aussagen zu Struktur und Aufbau des Außen- 
raumes der Siedlung (Straßenplatz — Straße — Vorgarten — Haus 
- privater Garten - Mistweg), wie auch zum strukturellen Aufbau 
der Bebauung selbst (Grundrißtypen, Baukörper, Fassadenauf- 
bau). Ziel ist ein sowohl in seiner Homogenität unverwechselba- 
res, als auch phantasievolles „buntes“ Siediungsbild entstehen zu 
lassen. In dem städtebaulichen und städteräumlichen Gesamt- 
konzept sollen mit Vorgaben, wie Baufluchten, Traufkanten und 
ablesbaren horizontalen und vertikalen Zonierungen für ver- 
schiedene Materialien, die Handschriften einzelner Architektu- 
ren angenehm im Gesamterscheinungsbild aufgehen. Für Bogen 
und römische Thermenfenster, quadratische und runde Fenster, 
Säulen und Halbsäulen, ..., Symmetrien und Reihungen, archi- 
tektonische Schichten und Kulissen, weiche und kräftige Farben, 
wird ein ihnen entsprechender Platz gefunden. Ein Minimum an 
Strukturelementen und anzuwendenden Spielregeln soll ein Op- 
timum an Zusammenhalt ergeben. Die übergreifenden Struk- 
turelemente bestimmen so vom Gesamtzusammenhang her das 
Struktur-Detail in seiner speziellen Ausprägung vor Ort und ge- 
ben gleichzeitig Raum für Individualität und den Gestaltungswil- 
len der einzelnen Bauherren. 
Die einzelnen Strukturelemente und die Regeln ihrer Anwen- 
dung sind in den die Siedlung bestimmenden Identitäten be- 
schrieben. In der Siedlungsidentität sind die durchgehenden Ma- 
terialien von Fassade und Dach und die architektonische Umset- 
zung der Elemente einer Gartenstadt enthalten. In der Straßen-/ 
Platzidentität sind die übergreifenden Entwurfsprinzipien und 
Charaktere eines Straßenzuges bzw. Platzes von Fassade, Dach 
und raumbildendem Grün enthalten, und in der Hausidentität 
Strukturelemente „en detail“ und Freiheiten, die die Individuali- 
tät und den Gestaltungswillen der Bewohner in einen Gesamtzu- 
sammenhang bringen. 
SIEDLUNGSIDENTITÄT 
In Anlehnung an den Verwaltungsbau der Hoechst AG von Peter 
Behrens bestimmt der Ziegelstein wesentlich den Charakter der 
Gartenstadt Hoechst. In spielerischer Auseinandersetzung wird 
die eingeleitete Tradition mit diesem Material fortgesetzt. Unter- 
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schiedlicher Brand - Hauptfarbton rot — in regelhaften oder 
freien Verbánden, konstruktiv und ornamental eingesetzt. Der 
Ziegelstein ist eingesetzt als niedriger Sockel am Haus (0,90-1,20 
m), als hoher Sockel an der Stadtmauer (4,70-6,50 m) und als vor- 
gestellte architektonische Schicht, um bestimmte Orte und Situa- 
tionen städtebaulich und städteräumlich zu erhöhen (z.B. Eck- 
häuser von Reihenhauszeilen, Herausheben von zusammenhän- 
genden Fensterreihen, besonderen Fenstern und Eingängen 
etc). 
Glatter Putz, von Haus zu Haus farbig abgesetzt — in der Farb- 
skala der Erdtóne — fügt die Hauser zusammen und gibt doch je- 
dem Haus seine Individualitát. Er dient auch als Schmuck inner- 
halb der Ziegelfassade, als breite Putzfasche oder als ein in , Graf- 
fito" gearbeitetes Putzfeld figurativer Schmuck. Bildnerischer 
Schmuck an überdachten Durchgángen und Durchfahrten als 
Schlufistein oder an Sáulen und Stützenkópfen künden von der 
Geschichte Hoechsts. 
Die Dächer der Siedlung sind durchgängig mit roten Tonzie- 
geln gedeckt. An stádtebaulichen Überhóhungen werden zusátz- 
lich farbig glasierte Ziegel eingesetzt (z. B. Eingangstor in der 
Stadtmauer, Eckhäuser der Reihenhausbebauung etc.) 
Die „grünen Elemente“ dieser Gartenstadt sollen in einem 
übertragenen Sinne stadtraumbildend und architektonisch ange- 
wandt werden (in Anlehnung an das Barock). 
Pergolen und Pflanzgitter werden zu stadtraumbestimmten 
Elementen durch die Übertragung in einen städtischen Maßstab 
und Größe. In der „Stadtmauer“ z.B. bilden die Pflanzgitter ar- 
chitektonische Körper 
STRASSEN- UND PLATZIDENTITÄT 
Jeder Straßenzug erhält ein ihm eigenes Erscheinungsbild über 
den pointierten Einsatz von städteräumlich wirkenden Architek- 
turelementen und dem differenzierten Einsatz von raumbilden- 
dem Grün. Das in der Siedlungsidentität festgelegte Material- 
spektrum wird je nach Ort und dessen Bedeutung im Gesamtzu- 
sammenhang eingesetzt. 
Das Arkadenhaus am Park zeichnet sich durch Architektur- 
symbole aus, die Öffentlichkeit signalisieren. Bei den Reihen- 
häusern werden die Eckhäuser am Ring und zur Kastanienallee 
durch Material und Baukörperhöhe hervorgehoben, während
	        

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