Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Der Flughafen bei Tag 
Flughäfen sind komplizierte, schwierige, äußerst schwierige Ge- terhalb kursiert. Wo es sich folgerichtig sowieso hinbegibt, da es 
staltungsprobleme. Und es ist meine Überzeugung, daß ein Ge- auf dieser Ebene zu den Flugzeugen befördert wird. 
bäude einfach und ruhig sein muß, um die knifflige Komplexität Im Rahmen dieses Konzepts wurde von uns angeregt, alle Din- 
der Probleme auszudrücken. Das ist angesichts der Problemlage ge, die sich normalerweise auf dem Dach befinden, die techni- 
ein Widerspruch in sich. Aber es ist auch eine spannende Heraus- sche Ausstattung, Leitungen, Leuchtstoffröhren, Beleuchtung, 
forderung, etwas zu entwerfen wie einen großen Raum, in dem die schwer sind und versorgt werden müssen, von dort zu entfer- 
die Abfahrt in einer Richtung verläuft, die Ankunft in der ande- nen. Nichts ist so gut wie natürliches Licht, Sonnenlicht, seine 
ren, der eine Landseite und eine Luftseite hat... Veränderungen — es hat eine unglaubliche Qualität, es hat eine 
Ich denke, es ist nicht unwichtig, daß British Airports Authori- Poesie verglichen mit den Leuchtstofflampen, und es kostet auch 
ty von einem Ingenieur geführt wird, der mit solchen Bauten weniger. Und der einfachste Ort, all die schweren Apparaturen 
eingehend vertraut und aus erster Hand unterrichtet ist. Dies ist aufzustellen, ist der Boden. Und falls eine Straße vorhanden ist, 
der europäischen Tradition weniger fremd als der englischen. die diese aufnehmen kann, lassen sie sich entfernen und ersetzen. 
Und das war nicht unbedeutend für die Verwirklichung der Vi- ohne daß das Gebäude Ausdruck dessen wird. 
sion des gemeinsamen Teams von Flughafenverwaltung und uns, Das Gebäude bekommt seinen Ausdruck durch Licht und die 
nach einer neuen Generation von Flughäfen zu suchen; eine neue Qualitäten des Lichts. In diesem Sinne besteht es aus einer Serie 
Generation von Flughäfen nicht nur in Bezug auf die Menschen, von Bäumen, die es vom Fuß dieser Bäumether mit künstlichem 
sondern auch in Bezug auf Effektivität und Kosten. Licht versorgen. Das natürliche Licht dringt dagegen von oben 
Das Schema des Gebäudes, das wir British Airports Authority ein, und wenn es gegen Abend dämmert und die Sonne schließ- 
vorlegten, wird jetzt in Stansted gebaut. Wir haben die Kontur lich untergeht, dann gehen die unsichtbaren künstlichen Licht- 
des Geländes ausgenützt, um das Gebäude einzugraben, so daß quellen an und leuchten nach und nach immer stärker. So wird 
es visuell ein eingeschossiger, in Wirklichkeit aber ein zweige- das Dach zum Reflektor. Die Lichtquellen sieht man nie direkt, 
schossiger Bau ist. Die Leute durchqueren es aufeiner Ebene von man sieht niemals eine Leuchtstoffröhre. Die Lichtquellen sind 
dem Foyer auf der linken zu dem System, welches sie zuden Flug- in einem herkömmlichen Sinne als solche nicht vorhanden. Die 
zeugen auf derselben Ebene bringt. Sie bewegen sich auf die Luft wird ebenfalls am Fuße der Bäume zu- und abgeführt. Die 
Flugzeuge zu, während das Gepäck — dem es gleichgültig ist, ob Eisenbahnanlagen sind in das Gebäude integriert. 
es die Ebenen wechselt, in den Untergrund taucht oder durch La- 
byrinthe wandert und nicht der Sprache des Architekten bedarf, Auszug aus der Rede von Norman Foster, die er auf dem UIA-Kongreß in Brigh- 
um sich in den Irrwegen und Labyrinthen zurechtzufinden —un- ton im Oktober 1987 gehalten hat 
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