Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Abraham A. Moles 
THEMA kert unsere Alltagswelt mit elektroni- dieser Verfahren noch am Anfang; aber 
schen Erscheinungen, die sich mit der resi- schon bringt die Vervielfältigung ihrer 
dualen Realität mischen. Am Ort der Produkte durch die Massenmedien inter- 
b t h Ser ST es s V Se 
D vn Ein tee SR Wirklichkeit im traditionellen Sinn, fin-  essante Ergebnisse, z.B. für Kinder, de- 
Art. wie wir it ner Umwelt umgehen den wir mehr und mehr Bilder der Wirk- ren aristotelische Kategorien durcheinan- 
wie wir unsere Wünsche, Ideen, Projekte lichkeit. Der Satz MO Austin, „How to do 
und Genüsse behandeln — all das mit den things with words‘ ergänzt sich durch die 
materiellen und immateriellen Werkzeu- Frage: wie Tealsiert an Handlungen 
gen, die uns heute zur Verfügung stehen. durch Bilder? Die Grenzen zwischen Ge- 
Kultur besteht aus Gegenständen, aus °Nständen und ihrer Darstellung ver- 
Dingen, aber auch aus Wörtern, Bildern schwinden, und dieses kulturelle Phäno- 
Klängen aus allen Objekten unserer Men hat- oder wird- Folgen haben für un- 
Wahrnehmung. Ser Verhalten. - 
Immaterielle Kultur präsentiert sich d EN Formel I berühren . 4 
heute als eine Widerspiegelung der Welt: EN VOTEINES TE SENSPINZIPS: MEN HE- 
insbesondere durch die moderne Techno- N nn mehr Kg nie, EN nicht 
N ; ; Bi Jän- 16 imumacren‘‘, le die Sache reprä- E Sn 
a Ar es S en an sentieren und die in manchen Fällensoeng der gewirbelt werden. Der gewöhnliche 
cu ründen sich auf einem materialen Mit der Sache verwoben sind, daß jede Spaß „alles ist in allem und umgekehrt 
Substrat auf Maschinen, Kabeln, Termi- Veränderung des Bildes eine Verände- gewinnt eine merkwürdige Bedeutung: 
nals, auf den Geräten der elektronischen ung der Sache nach sich zieht. Beispiel: Wenn sich Alles auf dem Bildschirm des 
Welt die jedes immaterielle Produkt un- die Steuerung von Maschinen in der Indu- Femnschers N alles verwandeln Kann, ge” 
terstützen. Kurz, eine immaterielle Kultur  Strie, insbesondere von großen Systemen, rät der Unterschied zwischen gen Kater 
basiert auf Materialität und ist nicht von WO Sache und Bild in eine immer engere rien des Wesens und der Erscheinung de 
Materialität unabhängig Korrespondenz treten. Es ist eine neue Welt in Gefahr und droht zu verschwin- 
Tatsächlich wird das heutige und mehr Weltanschauung: durch die Vermittlung den: wir wissen noch nicht, welche langfri- 
noch das zukünftige Leben aus der Dia- der Automation wird die Handlung der BAT zeN das für unsere Kul- 
lektik von Material/Immaterial bestehen. un elektronische Revolution verän- 
Sie addiert sich zur konventionellen Op- dert radikal die Art und Weise, Bilder zu 
position zwischen Wirklichkeit (oder Dar- schaffen. Es kommt zu dem. was wir -the- 
stellung des Wahrnehmbaren) und Imagi- matische Visualisierung der Welt“ 'nen- 
 vischen N OEL PROSHOR nen, d.h. zur Erschütterung der analogen 
Also, die Welt der Immaterialien ist mit Darstellungsprinzipien 28. de T könven- 
den materiellen Geräten aller Art in den Honellen Photographie, die nt Lichtein 
Kulissen die Schaubühne des Weltthea- Analoson: auf die empfindliche Schicht 
ters. Das Sortiment der Werkzeuge. die des Films schreibt. Früher gründete das 
man nützen kann, ist weit größer nd viel- photographische Ver fahren auf der Kette: 
seitiger als was das Zeitalter der Mechanik A Objekt + Kamera + Licht 
hr eG Wir stehen am Anfang einer Re- Jetzt ist das strukturalistische Prinzip 
VOM die neue Basis der thematischen Darstel- 
N lung. Das Imago der Welt zergliedert sich 
NACHDENKEN ÜBER Zeichen (oder Bilder) zur Handlung der in Elemente: jedes Element wird bewertet 
„ELEKTRONISCHE Die untere Verwandlung ist eine age 
CC , ’, 8 
GESPENSTER (VILLIERS andere Konsequenz einer immateriellen physikalischen Eigenschaft. Und das Er- 
DE L’ISLE ADAM) Welt. Die Verarbeitung von elektroni- gebnis für jedes Atom oder jeden Punkt 
schen Signalen enthält in sich eine Mög- der Szene (Pixel), wird im Computer ge- 
D ie immaterielle Kultur, mit ihren lichkeit, eine Gestalt in eine andere Ge- speichert. Das ist die erste Phase. In der 
Widerspiegelungen, ihren syntheti- stalt zu verwandeln durch Verfahren, die zweiten Phase verwirklicht die Informa- 
schen Bildern, Sachen, Objekten irgend die Hersteller elektronischer Grafikschon tionsmaschine eine geordnete Synthese, 
eines Teils der materiellen Welt, bevöl- beherrschen. Sicher steht die Ausbreitung alle Pixels (oder picture elements) werden 
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