Volltext : ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

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Gebäude als einen Triumph der Technik zwischen Ingenieurwesen und Architek- Funktion des Lichts im Houston-Projekt.
anzusehen. Achtung: Es ist es nicht! Viel- turlehrt, daß ersteres mit allseinen Errun- Houston ist tatsächlich eine große, rechtmehr
 ist esein Bauwerk gründlichen hand- eckige Scheibe, aber im Inneren sind zahlwerklichen
 Könnens, tatsächlich aus Ein- reiche, kleine Gärten, wo eine üppige, trozelstücken
 erbaut, wie jeder Prototyp. pische Vegetation gedeiht. So glaube ich,
Die technischen Anlagen in Beaubourg daß dort Raum entsteht, auch als ein Blick
drücken das Konzept des Komforts aus. von unterschiedlichen Ebenen aus, aber
[m Grunde gibt es fünf übereinandergela- vor allem gibt es Raum durch das Lichtgerte
 Mikrokosmen, jeder so groß wie konzept, dessen Helligkeit von 2-300 Lux
zwei Fußballfelder. An jeder Stelle dieser in bestimmten Zonen des Museums bis zu
Mikrokosmen werden die Umweltbedin- 2-3000 Lux in anderen Zonen variiert.
gungen geschaffen durch die Zufuhr einer Ich bin versucht zu sagen, daß mir eine
Mischung heißer und kalter Luft in unter- unkonventionelle Haltung gegenüber
schiedlichen Verhältnissen entsprechend dem Raum eigen ist — ein Raumkonzept,
den Anweisungen, die der Mischer von das nicht nur von greifbaren Elementen
den weiter untenliegenden Sensoren emp- genschaften unfähig ist, der Architektur abhängt (die Wände, die Decke, die eine
fängt. Ein Gebäude wie das Centre Pom- Gestaltzu geben. Aber es warnt uns eben- Form des gebauten Raumes definieren),
pidou ist dazu bestimmt, eine große Men- so vorder entgegengesetzten Illusion: Ar- sondern auch von den nicht greifbaren und
ge von Leuten aufzunehmen, die sich chitektur kann nicht aufblühen durch Ne- dennoch ganz konkreten Dimensionen
manchmal alle an einem einzigen Ort be- gation der Produktionsprobleme und Ver- wie Licht; Temperatur, Belüftung, Gefinden
 können. Und jeder weiß, daß sich tiefung in handwerkliche Fragen. räusche, welche die glückliche oder unmit
 einer großen Konzentration von Men- Kurz gesagt, wir müssen das Dilemma glückliche Raumerfassung „konstruschen
 Feuchtigkeit und Temperatur dra- „wischen einer zum „internationalen Stil“, ieren
matisch verändern können, Das freie Ge- „17 Eindimensionalität, zur Bedeutungsschoß,
 der Mikrokosmosist daher wie eine armut führenden Industrialisierung und
Art Tabulator, der in jedem Moment für e;ner auf kleine und handwerklich errichdie
 Bedingungen empfindsam ist und auf (042 Bauten begrenzte Raum-Zeit-Archisie
 reagiert. Ich muß diese Einzelheiten ‚ekturüberwinden.
hervorheben, weil das Beaubourg oft als Der Punkt von Piano ist daher folgeneine
 „städtische Maschine“ angesehen ger: Was ist die Beziehung zwischen einer
wurde, und das ist es wirklich. pragmatischen, effizienten, optimisti-‚Man
 sollte nicht vergessen, daß zu Be- chen und großzügigen Haltung und den
ginn der 70er Jahre ein Gebäude für Kul- lebendigen Räumen in solchen Gebäutur
 eine unglaublich verworrene Aufgabe den? Welche räumliche Ordnung wird
war. Verwandelbarkeit war die einzige durch diese „befreiten“ Boxen mit ihrer
Bedingung, die erfüllt werden mußte. Das |e;cht veränderbaren inneren Organisaheißt
 z.B., daß eine Bücherei entwick- «on stimuliert? Sind diese Räume das
lungsfähig sein muß. ; blosse Ergebnis der strukturellen Organi-Ich
 mul zugeben; daß ds Begriff der <ation der Konstruktion und damit bar
Maschine oder der Fabrik tor BSaubourg jeglicher Identität und jeglichen Charakmich
 immer mit Freude ertüllt hatı Ich WAT ters? Kurz gesagt, was bleibt an Kreativi-ANSE
 an der Idee MnteresSich, daß ein tät, wenn sie erstmal an technologische Die Texte sind den Beiträgen von Renzo Piano ent-Gebäude
 Informationen nicht nur „kon- Forschung gefesselt ist? nommen: Piece by piece, Rom 1982; Renzo Piano.
sumieren‘“, sondern ebenso „produzie- . Progetti e architetture 1964-1983, Mailand 1986
ren“ kann. Piano: Ich verstehe Zevi völlig, wenn er
sagt, daß es in Beaubourg keinen Raum
DER RAUM gibt: Es ist wahr, aber vielleicht weil es linke Seite: Kristallpalast, Innenraumnicht
 einmal gewoilt war. Aber da ist et- verwandlung, London 1851
B runo Zevi: Keine Fetischisierung was anderes, das beinahe wie Raum ist: rechte Seite oben: Ausstellungsmaschine,
von Technologie und Industrie. Wir Das Anpassungsvermögen der Luft, sich Mailand 1980
wissen, daß sie ungenügend sind, eine le- selbst zu verändern, je nachdem wie die a
. : . ; altard, 1853
bendige Raum-Zeit-Architektur zuschaf- Leute sich von Stelle zu Stelle bewegen. unten: Weltusspelung: Para 1862
fen... Das jahrhundertelange Schisma Das entspricht in mancher Hinsicht der A a A

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