Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Kenntnisse und die Arbeit seiner Kon- 
strukteure stützte, die ihn natürlich zur 
Ökonomie drängten. Als esspäter gelang, 
das Grundschema von Stützen und Balken 
zu überwinden, und als es dadurch mög- 
lich war, fast alles aus Eisenbeton zu ma- 
chen, waren Le Corbusiers Werke wie 
Skulpturen, d.h. die von ihm komponierte 
Form konnte völlig herrschen... Er hat ei- 
gentlich die Technologie nie akzeptiert, 
nie verdaut so, wie ein mittelalterlicher 
Architekt, der Rippen aus Stein machte, 
und er fühlte nur genial, mit Hilfe der 
Konstrukteure, die aus der Konstruktion 
und aus dem Material sich ergebende 
Form... Er hat auch das materielle Wesen 
des Details nicht begriffen... Die Form 
war für ihn immer primär und es war ihm 
bei seiner schöpferischen Arbeit ganz 
egal, wie zum Beispiel das Material auf 
Temperaturänderungen reagieren wird... 
Ich erinnere mich an eine Geschichte, 
nachdem die Villa für Le Corbusiers 
Freund Lipchitz fertig war. Lipchitz stürz- 
te einmal in unser Atelier herein und 
fluchte darauf, daß es in seine Wohnung 
hineinregnete. Le Corbusier war nicht im 
Büro und Pierre tröstete den erzürnten 
Klienten damit, daß man den Fehler repa- 
rieren würde. Die Szene endete damit, 
daß Lipchitz die Tür mit einem Knall zu- 
warf und wegging. Als Le Corbusier da- 
von erfuhr, sagte er: „Du solltest ihm sa- 
gen, er solle einen Regenschirm kau- 
fen.“ 
Karel Stränik kehrte nach sechs Mona- 
ten Arbeit bei Le Corbusier zurück und 
wurde als Architekt bei der Landesbank 
zu Prag angestellt. An der Wende der 20er 
und 30er Jahre baute er mehrere Familien- 
häuser. Hervorragend war ein Haus in 
Cernosice aus dem Jahre 1929. In der 
zweiten Hälfte der 30er Jahre baute er die 
Interieure der Landesbank um und für 
sich selbst entwarf er ein sehr reizvolles 
Wohnungsinterieur.'” Le Corbusier ist er 
noch einmal begegnet, und zwar auf dem 
CIAM-Kongreß in Paris im Jahre 1937, N e TEE ET KAMETSCHEN Kir- 
: 4917 ; -Stra$nice, 
wo sn die Prager CIAM-Mitglieder MS oben Anke Vladimir Karfik, Kaufhaus BA TA, Libe- 
trat. rec (Reichenberg), 1931 
Vladimir Karfik kam ins Atelier Le oben rechts: Vladimir Karfik, Verwaltungsgebäude 
Corbusiers im Oktober 1925 (geb. 1901). TU TaMAKOE Sarıplen, Antonin Raymond, Heim 
Seine Arbeit in diesem Büro wurde vonei- des indischen Propheten Sri Aurobind, Pondicherry, 
nem: anderen tschechischen Architekten, KT ÄMAS Karel Stränik, Villa, Cerno$ice 1929 
Bedfich Feuerstein, vermittelt, der da- unten rechts: Karel Stränik: Interieur der Landesbank 
mals bei Auguste Perret arbeitete. Karfik Prae. Am Graben, 1937 
beteiligte sich an dem Entwurf des „Plan 
Voisin“ und am „petite maison des arti- 
stes“ in Boulogne für einen Musiker und 
dessen Frau. Die während fast eines Jah- 
res im Atelier Le Corbusiers gewonnenen 
Erfahrungen, insbesondere auf dem Ge- 
biet der Standardisierung und Rationali- 
sierung von Architektur, konnte Vladimir 
Karfik von 1930 bis 1946 in seiner Arbeit 
in Zlin ausnutzen'® und später an der Ar- 
chitekturschule der Slowakischen Techni- 
schen Universität zu Bratislava der jungen 
Generation übermitteln. 
Jan Sokol verbrachte ein Jahr in Le Cor- 
busiers Atelier (1928-1929). Er zeichnete 
hier Entwürfe für die Villa Savoy und für 
KR
	        

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