Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Der Einsatz von Computern ist Kulturforum Berlin). Immer im 
dabei, die Arbeitsstrukturen al- Zusammenspiel mit den traditio- 
ler kreativen, künstlerischen und nellen Medien, dem Architek- 
konstruktiven Berufe grundle- turmodell und den Plänen,ver- 
gend zu verändern. In der Archi- steht sich. 
tektur betrifft das neben dem Eine anschauliche Konkreti- 
Schreibverkehr im allgemeinen sierung von städtebaulicher und 
und der AVA (Ausschreibung- architektonischer Planung, die 
Vergabe-Abrechnung) im spe- um sich greifen muß. Bedeutet 
ziellen, neben dem CAD, der sie doch im Rahmen einer gesell. 
computerunterstützten Zeich- schaftlichen Teilnahme am Pla: 
nungserstellung und Verwal- nungsprozeß die Chance zum Be 
tung, vor allem die “Modellie- troffensein bevor gebaut wird 
rung“. Es interessiert also die Vorausgesetzt die Einführung 
Präsentation von architektoni- der Datenverarbeitung produ- 
schen und städtebaulichen Ent- ziere gesellschaftliche Freizeit 
würfen zu einem sehr frühen so kann sie in Zukunft z.B. hier, 
Zeitpunkt. In einem Stadium des bei der intensiven öffentlichen 
Vorentwurfs, in dem eher mit Diskussion um Planungsalterna- 
städtebaulichen Problemen, mit tiven eingesetzt werden. Das 
“Massen“ und Stadträumen “ge- mag teuer sein, aber wenig ist zu 
kämpft“ wird, als daß schon fest teuer, wenn nur eine Chance be- 
stände, wie der Bau in seinem steht, Städtebau und Architektur 
“Interieur“ auszusehen habe, Anfangssequenz aus dem ersten preisgekrönten Fılm von MENTAL IMAG13 auf hohem Niveau gegen die 
oder wie die Details der Fassade “zweite Zerstörung“ unserer 
ihre “Perfidie“ zu entfalten hät- Städte und Dörfer zu stellen. 
ten. 
Das “klassische Medium“ hieß & 
ein diesem Fall ein Modell aus „Mental Images 
Lehm, Gips, Pappe oder Styro- Der Übermacht des Faktischen. 
pur zu formen. Diese Herange- des Gewohnten und Mächtigen, 
hensweise wird sich auch zu wird die Kraft der Hoffnung 
nächst nicht merklich verändern. durch das Imaginäre, durch die 
Aber unterschwellig diffundie- Kraft der „Vorstellungsbilder“ 
ren die neuen Medien die All- = nz (Mental Images) entgegenge- 
tagswelt. Sie werden im Augen- setzt. Die Vision, die Utopie 
blick sichtbar als Effekte in Un. CAD-JOURNAL 13 oder der aktuelle  Konzeptiona 
terhaltungsfilmen, als Logo für lismus, jeweils verschiedene Sei: 
Konzerne, Ausstellungen odeı ten einer Jubiläums-Medaille, 
Olympiaden, in der Werbung deren Prägung gleichzeitig an das 
oder in Musik-Clips einmontiert. . Scheitern der Aufklärung und 
Neue, schwindelerregende Die gegenstandslose der Moderne erinnern und sie 
“Blickwinkel“ erobern unsere . . überwinden will. Einer Moder- 
Köpfe. Wir nehmen selbst, unser Welt der Computeranimation ne, die zu einer neuen, atembe- 
Auge als “imaginäre Kamera“, raubenden Beschleunigung der- 
bisher unmögliche, den Gesetzen gesellschaftlichen Okonomie deı 
der Schwerkraft augenscheinlich Wahrnehmung mittels der allum: 
entzogene Sehpositionen ein. fassenden Einführung der I+K 
Beispielsweise die (zugegebener- neuen Design-Technologien, Eine sinnvolle Anwendung Technologien ansetzt. Dieseı 
maßen dämliche) Tennisballse- schauen die augenblicklichen wäre zum Beispiel die Vorweg- Geschwindigkeit und der wach- 
quenz im neuen Jack Nicholson Demonstrationen gar nicht be- nahme des erst noch zu Erlebe senden Komplexität der vernetz- 
Film “Die Hexen von Eastwick“. sonders “revolutionär“ aus. Eher nen, die Simulation der zukünfti ten Informationen scheinen wir 
Daß der Zuschauer bei aller wirken sie ängstlich, gewohnt gen Erscheinungs- und Wir wiederum nur mit Hilfe der oben 
Trivialität fasziniert ist, nicht undtraditionell. Dasliegt keines- Kkungsweise über das bisher mög erwähnten „Denkzeuge“, mit 
wegzuschauen vermag, deutet falls an den umwälzenden Mög- liche Maß (Modelle, perspektivi Computerunterstützung ge: 
auf unsere evolutionäre Ge- lichkeiten der neuen Werkzeuge sche Zeichnungen etc.) hinaus. wachsen zu sein. Welch pradoxes 
schichte hin. Esindiziertauchdie Das liegt vielmehr an uns, anun- Einige Universitäten und Büros und selbstreferentielles System, 
potentielle “Macht” einer Bilder- seren überkommenden Seh- und experimentieren im Augenblick daß uns mit zunehmender Ten- 
maschine, eines Werkzeugesmit, Konditionierungsmustern, an mit „Misch-Techniken“, d.h. _denz zum Entscheidungsträgeı 
außerhalb der des Menschen ei- unserer, gemessen an den leich- dem Überlagern von Photo-oder macht, und im nächsten Augen: 
genen Imagination, noch nicht ten, schwerelosen “Welten“ der Videoaufnahmen mit Computer- blick ein Mindestequipment vor: 
dagewesenen analytischen und graphischen Datenverarbeitung, modellen, wie Prof. H. Hottinger aussetzt, um uns über unsere zu: 
simulatorischen Fähigkeiten, der durch die Gravitation geprägten von der Uni Karlsruhe (s. 85 nehmend entmachteten „leibli- 
Computer oder C-Graphik. Vorstellungskraft. Zu gleichen ARCH') oder Mathias P. Hir chen“ Sinne hinaus indie Lage zu 
“Where is the beef?“ Diese Teilen an den noch nichterkänn- che, Leiter des Zentrums für Mo versetzen, sachgerecht und 
Frage mußte sich unlängst eine ten “sinnvollen“ Einsatzmöglich- dellsimulation an der TU Berlin, schnell zu urteilen. Also zum 
bekannte amerikanische Fast keiten gerade in der Architektur. Ihre ersten Erfahrungengehen Herr und Knecht einer Techno- 
Food Kette im US-Werbefernse- und natürlich auch an der noch dahin, daß die Computersimula- logie macht, an der kein Weg vor- 
hen von der Konkurrenz gefallen mangelnden Verfügbarkeit. Klä- tion zum Beispiel von Gebäude beizuführen scheint. 
lassen. Und ähnlich wird man rend wäre die historisch kompa massen und Fassadenmodellen Diese Herausforderung hat ei 
auch die auseinanderklaffenden rable Fragestellung: “Wie lange eingeblendet in eine Videoper ne Gruppe junger Wissenschaft 
Ansprüche der Architekten und glauben Sie, hat es wohl gedau- spektive des belebten Straßen ler und Künstler angenommen, 
Stadtplaner an das neue Werk- ert, bevor die Pianisten den im raumes oder einer Modell-En die sich hinter ihrem Geschäfts- 
zeug mit dem jeweiligen Sinn- Tonumfang wesentlich erweiter- doskopie, in der Lage ist, unmit führer Dipl. Physiker Rolf Her- 
und Kostenvorteil abwägen mü- ten Flügel auch kompositorisch telbar betroffene Anwohner ken unter dem Namen MEN- 
ßen. ausnutzten?“ Nun etwa hundert aber auch sog. Fachleuten sehı TAL IMAGES, Gesellschaft für 
Mal abgesehen von der, beian- Jahre meint Prof. J.A. Makows- anschaulich die Vor- und Nach Computerfilm und Maschinenin- 
gemessenem finanziellen Ein- ky ‚wissenschaftlicher Berater teile z.B. eines Wettbewerbent telligenz mbH & Co. KG zusam- 
satz, technischer Brillianz der vonMENTAL IMAGES. wurfes vor Augen zu führen (z.B mengeschlossen hat. Der Name 
ll
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.