Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

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ARCH ZEITUNG 
Der Streit um das Historische ja, bei Hitler, gewiss. Aber beı 
Museum wird wohl nicht ver- Helmut Kohl? — Der Ort ist der 
stummen, wenn das Haus steht, Spreebogen, um den Planer in 
- oder die Häuser, welche der Berlin sich seit Jahrzehnten be- 
Erste Preis von Aldo Rossi vor- mühen: Er soll endlich die Be- 
sieht. Da ist zunächst die Sache One für Ma BE AeN 
selbst: Ein Politiker, (der Ge- je dieser schönen Formation 
schichte studiert hat,) beschert zukommt. Das vornehme Wohn- 
der Stadt Berlin dieses Museum; viertel, das dort einmal gestan- 
zweifellos in bester Absicht; den hat, — dort lebte Graf Barby 
Geht Aus deut Kunf den Kanu den Serccbagen alchtin Erschel 
nicht aus dem Kopf, den Kassan- ; 
dra spricht: nung treten. Das hat konsequent 
 dauldj ; 7 wohl nur Hans Poelzigs Entwurf 
Quidquid id est, timeo Danaos — Wolfgang Göschel, einer Erweit des Reichst 
et dona ferentes. Jöre von Rosenber. einer Erweiterung des Reichsta- 
aa ges getan: Die neuen Gebäude 
Frei übersetzt: Die Politiker ma- sollten radial im Bogen des Flus- 
chen mir immer Angst, am mei- ses angeordnet werden. Aber 
sten aber, wenn sie uns was das schien bereits den Zeitgenos- 
schenken wollen. — sen (1929) zu groß gedacht. Seit 
Der Schenker hat einmal von der einer Reihe von Jahren ist der 
Gnade seiner späten Geburt ge- Spreebogen ME En im 
sprochen. Kann er uns tadeln, Gespräch, und es gibt interes- 
ehe Make nn tn ie Geschenkt bekommt a saes Si ler Moe 
schenkten Museums mit diesem, ; . . . S 
seinem Gefühl der Erleichterung Berlin ein Geschichtsmuseum Schaft eins alles Tatsa- 
in Zusammenhang sehen? Ein che, man kann sagen, daß sie alle 
historisches Museum soll den weiteren Überlegungen den 
glücklich Nachgeborenen hel- Spreebogen betreffend präjudi- 
fen, etwas in der deutschen Ge- ziert. Das wußte der Bundes- 
schichte zu überwinden. Dem kanzler wohl nicht; aber das 
darf man zustimmen: Es tut ei- machtseine Geste nicht besser. — 
nem Volke nicht gut, Generatio- Inzwischen ist der Wettbe- 
hen lang unter der Schuld einer nen an dem vn zweihundert 
Generation gebeugt zu leben. Es Architekten teilgenommen ha- 
tut einem Volke aber ebensowe- ben, entschieden, und seine Re- 
nig gut, eine Erscheinung wie die sultate verstärken das unsichere 
„Tausend Jahre“ zu verdrängen. Gefühl, das wir dem Museum ge- 
Das hat man seit der „Stunde genüber haben. Ein preisgekür- 
Null“ versucht, — und nicht ohne ter Entwurf will die ganze Anla- 
Erfolg. Man irrt sich wohl nicht, ge hinter einer achtzehn Meter 
wenn man annimmt, der Politi- hohen Mauer ohne Fenster ver- 
ker, der für sich selbst die Gnade schließen. Ja, wenn die deutsche 
der späten Geburt in Anspruch ne Wr Geschichte das nötig hat. — Ein 
nimmt, verbinde das gestiftete nn rt Cr n DE / V Ze anderer Preis sieht eine so gigan- 
Museum nicht mit der Absicht, FiSaverio Fera, tische Baumasse vor, daß Mie- 
das Dritte Reich aus der Ge- !vana Invernizzi, sens Nationalgalerie, an welche 
schichte — der deutschen, der eu- ne NEW sie erinnert, daneben erscheint 
ropäischen — geduldig und ehr- A wie ein Kästlein. Der Erste 
lich zu entwickeln. Dies aber täte Preis, der gebaut wird: Die Ent- 
not. Ob ein Museum dafür das scheidung ging erstaunlich, man 
geeignete Instrument ist, darf ist versucht zu sagen, befrem- 
man bezweifeln. dend schnell — sieht eine Anzahl 
Der Bundeskanzler hat das von Gebäuden verschiedener 
Recht für sich in Anspruch ge- Art und Form und Größe vor. 
nommen, den Ort des Museums Der Entwurf besitzt gewisse Tu- 
zu bestimmen. Es wird erzählt, g genden. Eristeiner der wenigen, 
er habe an einem Fenster des N welche auf die Lage am Fluß be- 
Reichstagsgebäudes gestanden er zug nehmen. Aber auch aus ihm 
und gewiesen: Dort soll es hin! geht die Künstlichkeit des Pro- 
Die Geschichte ist wohl wahr, . gramms und sein Anspruch her- 
obwohl der Ort schon vorherbe- N vor, der sich in dem übergroßen 
sprochen wurde. Daß sie aberso | Maßstab ausdrückt. In die kleine 
gern erzählt wird, ist kein gutes = Ka my SM n Gartenecke zwischen dem 
Zeichen: ein wenig diktatorisch,  #=4 4 Rem | Hauptbau und dem gewaltigen 
die Geste: bei Louis Quatorze, EN mm SO Portico, der die Straßenecke be- 
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