Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

SEN 
108 m hoch, 105 m breit und 70m 
tief, das sind die Dimensionen 
der „Grande Arche“, des neuen 
modernen Triumphbogens am 
„Kopf“ von La Defense, dem 
modernen Bürohochhausviertel 
von Paris. Von den vier gläsernen 
Aufzügen, die zur Aufsichts- 
plattform auf dem Dach führen, 
geht der Blick über die Pariser 
Triumphachse. Sie verläuft in 
schnurgerader Linie; vom Louv- 
re ausgehend, wird sıe von den 
Champs-Elyseen, der Avenue de 
la Grande Armee und der zentra- 
len Achse von La Defense aufge- 
nommen und findet ihren (vor- 
läufigen?) Endpunkt in der 
„Grande Arche“. Der dänische 
Architekt Johan Otto von Sprek- 
kelsen, der 1983 unter 434 Teil- 
nehmer/innen eines internatio- 
nalen Wettbewerbs als erster 
Preisträger ausgewählt wurde, 
nahm für seinen Vorschlag histo- 
rische Vorbilder: die beiden 
Triumphbögen, die die berühm- 
teste Meile von Paris markieren, 
der kleine im Hofe des Louvre 
und der große im Mittelpunkt des 
Place d’Etoile, beide Anfang des 
19. Jahrhunderts im Auftrage 
Napoleons gebaut. So entwickelt | 
sich in aufsteigender Linie und im ram un nn 
unregelmäßigen Rythmus — die mm l > 
Abstände sind nicht identisch — La ‚Grande Arche“ zusätzlichen Gebäuden, den 
die Wiederholung desselben Mo- 2 „Hügeln , seitlich der „Grand 
tivs. Arche“ untergebracht. Von 
Die Wiederaufnahme des hi- Spreckelsen hatte sie bereits in 
storischen Vorbilds zeugt vom Der neue Triumphbogen soll tes Projekt, welches leider im Seinem Vorschlag für den Wett- 
Respekt vor der Geschichte der nicht nur eine ästhetische Funk- Jahre 1986 nach mehreren Ver- _bewerb eingeplant, daß er die ge- 
Triumphachse, die 1667 mit dem tion haben. In den Wettbewerbs- suchen, ein Konzept dafür zu ent- forderte Fläche „nicht in der 
Anpflanzen einer Ulmenallee in bedingungen wurde gefordert, wickeln, aufgegeben wurde. Die „Grande Arche“ integrieren 
der Zentralen Achse des Louvre ein umfangreiches Angebot an aktuelle Planung sieht vor,inden Konnte, ohne dessen Dimensio- 
durch Louis XIV’ Gartenarchi- Flächen für Ausstellungen und beiden vertikalen Wänden von NeNzZzusprengen. . 
tekt Le Nötre begann und seiner Bürosstaatlicher und privater In- jeweils 36 Etagen und 40000 qm Das Plateau wird ein Treff- 
politischen Bedeutung für die _stitutionen zur Verfügung zustel Nutzfläche das Ministerium für Punkt unter freiem Himmel, ge- 
Franzosen, die auf dem Champs- len. Wohnung, Raumplanung und Schützt vor der Witterung durch 
Elysee und am großen Triumph- Das ursprüngliche Konzept Verkehr sowie eine Reihe Unter- die „Wolke“, le „Nuage“ aus wei- 
bogen ihre Siege in beiden Welt- sah als zentrale Einrichtung den nehmen von internationalem em Glas, die sich vom Plateau 
kriegen und ihre Große Revolu- „Carrefour internationale de la Ruf unterzubringen. Ursprüng- bis zu den „Hügeln“ erstreckt. 
tion feiern. Gleichzeitig wird der communication“ vor, gedachtals lich nicht vorgesehen, sondern Die scheinbar unvermeidlichen 
Triumphachse aber eine zeitge- internationales Zentrum, das neu im Programm aufgenommen kommerziellen Einrichtungen 
nössische Interpretation des hi- einmal mit den allerneuesten Er- ist die internationale Stiftung der finden hier ihren Platz. 
storischen Vorbilds entgegenge- rungenschaften der Kommuni- Menschenrechte und der Hu- Im Jahre 1985 wurde mit dem 
stellt als Zeichen für Entwick- kationstechnik ausgestattet sein manwissenschaften. Ihr wurden Bau begonnen, 1989 soll die Ein- 
lung und Veränderung im ge- sollte und zum anderen dem in- und das ist als symbolische Ge- Weihung sein, als eines der Spek- 
schichtlichen Prozeß — unterstri- ternationalen Austausch von ste zu verstehen — die Dachge- takel aus Anlaß des 200sten Jah- 
chen noch dadurch, daß der neue wirtschaftlichen, politischen und schosse zugewiesen für Büros, Testages der Französischen Re- 
Triumphbogen um 6° aus der wissenschaftlichen Erkenntnis- Konferenzen, Ausstellungen Volution. 
Achse herausgerückt ist. sen dienen sollte. Ein interessan- etc.. Weitere Büroflächen, die Monika Allers 
Holländisches Architekturmuseum nach Rotterdam 
Ein langer Streit ist beendet. Seit mer, die ihrerseits auch nicht arm Nun haben die Geldgeber ent Die wichtigsten Aufgaben des 
Jahren buhlten die Städte Am- sind an qualitätvollen Gebäuden schieden. Der Minister für Bau- Architekturinstituts, in dem die 
sterdam und Rotterdam um die - vor allem der Moderne - wäre und Wohnungswesen und der für jetzigen mit Architekturfor- 
Gunst, das neu zu schaffende In- das neue Architekturmuseum Kultur stellen 22 Millionen Gul- schung betrauten Stiftungen" 
stitut für Niederländische Archi- neben dem gerade fertig gestell den für einen 8000 qm großen aufgehen sollen, werden so for- 
tektur-oderkurzgesagt, dashol-. ten Neubau des Schiffahrtsmu- Neubau bereit, die Stadt Rotter- muliert: ,, 
ländische Architekturmuseum - seums von Wim Quist, ein will- dam gibt das Grundstück dazu Das Erwerben, Konservieren 
in ihren Mauern aufnehmen zu kommenes Stück für das neue ein prominenter Ort, direkt ne- und Systematisieren von Archi- 
dürfen. Kultur zu Kultur, mein- Image, das sich langsam von der ben dem Museum Boymans-van ven und Sammlungen und ihre 
ten die Amsterdamer und wink- Hafen- und Arbeiterstadt zu ei-  Beuningen und der neuen Kunst- Öffnung zu Studienzwecken; un- 
ten mit der leerstehenden Börse nem kulturellen Zentrum eman- halle, die von OMA geplant _abhängiges Forschen, Interpre- 
von Berlage. Für die Rotterda- Zzipiert. wird. tieren und Werten; Organisieren
	        

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