Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

D ie blindwütige Ent- Manfred Hegger, Wolfgang Pohl Im 20. Jahrhundert entwickelt 
wicklung unserer Zivi- sich dieser Ansatz zur Okosy- 
lisation erfordert dringend stemforschung. Der Ehrgeiz 
Alternativen. Ökologisches B EKENNTNIS = ist letztlich kein geringerer, als 
Bauen versteht sich als eine die Gesamtheit der lebendigen 
dieser Alternativen. Die A Natur als Systeme zu erfassen 
Gründe für Ökologisches OKOLO GIE VERSUS und die Gesetzmäßigkeiten ih- 
Bauen sind überzeugend; sie .. rer Vernetzungen, ihrer Fließ- 
werden als bekannt vorausge- OO K OTE CHN OÖ 1. OO GIE gleichgewichte herauszufin- 
setzt. Es gibt eine Reihe von den. Das fragende Subjekt 
ausgeführten Beispielen -an- steht in der generalisierenden 
dere sind im Projektstadium Wissenschaft außerhalb des 
Können wir zufrieden sein? Wir blicken zurück und nach vorn Beobachtungsfeldes. Das Beobachtete berührt das Leben des 
Beobachters nicht. 
1 Wie alle Naturwissenschaften unterlag auch die Ökologie, als 
die Zeit reif war, den Verwertungsinteressen gesellschaftlicher 
Alles wiederholt sich in rollenden Zyklen. Die Alternativbewe- Gruppen. Das war dis Geburtsstunde dessen, was sich heute als 
gung der 70er und 80er Jahre ist ähnlichen Gesetzmäßigkeiten N EST GE ES EEE AO E FedeI HEISE 
unterworfen wie andere gesellschaftsverändernde Bewegungen CHeNS“?. die mit dem us ich eier N Wisenschaftlichken alle 
ale ae did DEN rar EEE RE Nee 20 BE normativen Ableitungen der Ökologie ablehnen, wirken an- 
oder an die deutsche Arbeiterbewegung der Jahrhundertwende. n I: . n » VE 
Wenn die gesellschaftlichen Zustände dies provozieren, kann gesichts des neuen Industriezweiges Systemforschung/Ökotech- 
aus Vielen ganz Unterschicdlchen En DE ? Dr A m bildet die Grundlage einer umfas- 
— en — 
SE Ze Meere Mehr araehönen, %eiden, anrapozentriche‘ Naurlechsore Zur Eatwant ler 
als inmitten ieses Stroms zu schwimmen. Bundesregierung zur Grundgesetzänderung heißt es folgerich- 
Doch dann Mäander, Stockung, Verwirrung; der Strom teilt. Us; "Die natürlichen Febenserundlagen des Menschen stehen 
sich wieder in Strömungen und Rinnsale. Die beiden Hauptarme Ludwig Trepl plädiert für eine andere Art von N Naturwissen- 
N TISC N 1. ‚3 LE TTSCH) DEE STE EOESen schaft.” Er beruft sich dabei auf eine von Alexander von Hum- 
einander mit tragikomischer Hingabe Der ans Ufer. Ge- Doldt begründete Tradition. Den generalisierend-funktionellen 
schwemmte ist voll Trauer -hat aber, sich das Wasser aus den Au- EN EEE RN U Sn m KÖNKTEN 
. . T S „biogeographische‘“ Erforschung des jeweils Besonderen gegen- 
gen reibend, die Chance klarerer Beobachtung, ber tie Ne zum Beispiel  TDOrcaU am Walden-See betrich), 
Dieser Ansatz sieht den Menschen nicht als außenstehenden Be- 
I obachter, sondern als partnerschaftlichen Bestandteil der Natur: 
dies schließt ethische Fragen ein. Es dürfte klar sein, daß die Ver- 
Eine der Säulen der Alternativbewegung (und der einzig wirklich wertungs- und Investionsinteressen an einer solchen Art der Er- 
neue Akzent) ist die ÖKOLOGISCHE FRAGE. Das Kompli- forschung des konkret Besonderen (d.h. gerade der Störfaktoren 
zierte ist, daß die Frage (vereinfacht gesagt) auf zweierlei Artge- des generalisierenden Ansatzes) gering sind. 
stellt wird, und darum die Antworten nicht übereinstimmen On Der naturwissenschaftlichen Art ökologischer Fragestellungen 
Ben Die unterschiedlichen Arten der Fragestellung VETWEISEN  <toht eine andere gegenüber — es ist die existentielle Art zu fragen: 
auf grundsätzlich verschiedene Denk- und Lebensweisen. Wie lebe ich mitiin der Natur, wozu bekenne ich mich? 
Die eine Art zu fragen ist naturwissenschaftlich. Wie funktioniert Auch dieser betont subjektive Ansatz hat seine Wurzeln im 19 
etwas? Was sind die allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten hinter Jahrhundert “man denke nur an den bereits erwähnten Funda- 
den Erscheinungen? mentalisten (so würden wir ihn heute einordnen) Henry David 
Diese generalisierend-naturwissenschaftliche Art der Fragestel- Thoreau. Der ökologische Gedanke ist hier Bestandteil einer 
lung entwickelte sich für die Ökologie erst relativspät im 19. Jahr- ethisch und sozial motivierten Leitidee für das eigene Leben. Es 
hundert. 1866 prägte der Darwin-Anhänger und Zoologe Ernst geht weniger um generalisierend-wissenschaftliche Rationalität, 
Haeckel den Begriff ÖKOLOGIE als Wissenschaft von den Be- sondern um Bekenntnis und Selbstverpflichtung gegenüber der 
ziehungen der Lebewesen untereinander und zu ihrer Umwelt. Natur (hier berührt sich dieser Ansatz mit dem Treplschen Wis- 
7
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.