Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Oskar Ullmann von der Bölkow Stiftung” 
im Gespräch mit Sabine Kraft 
Springbrunnen mit Antrieb m Kupferstich um 1615 
durch Sonnenwärme, 
Herr Ullmann, Sie sind Leiter kungsgrad hat auch eine obere 
der Geschäftsstelle der Ludwig Grenze. Gut, bei Fotozellen 
Bölkow Stiftung. Was für Auf- können Sie noch eine Verdop- 
gaben hat sich die Stiftung im pelung erwarten, beim Wind 
Bereich der FEnergieversor- können Sie nur noch Prozente 
gung gestellt? verbessern. D.h. also Sie brau- 
Eine herausragende Aufgabe chen enorme Mengen an Ma- 
istes, die Nutzung der Sonnen- terlalien; die Sie: erzeugen, 
energie, also der 3. Energie- verarbeiten und installieren 
quelle neben den fossilen Stof- müssen. 
fen und der Kernenergie zu 4 
fördern durch Öffentlichkeits- a 
arbeit, durch wissenschaftli- A EN in „ dem IM Ge: 
che Untersuchungen und Mar-  OHOI in N KATCHE 
ketinguntersuchungen auf die- 8 ; 
sem Gebiet. Also, wir sind Es ist ein enormes Problem, 
Fürsprecher der 3. Energie- das sich für eine sehr leistungs- 
quelle und zwar nicht so sehr in Richtung dezentraler Lösungen, _fähige Industriegesellschaft nur in langen Zeiträumen realisieren 
d.h. jeder macht sich in seinem Hinterhof seine Energie selber, läßt. Es gibt nur ein Gegenbeispiel: Wenn ein Volk versucht, 
sondern auch in Form von zentralen Lösungen, d.h. also großen ganzschnell sehr große Mengen an Waffen zu produzieren. Aber 
ausgedehnten Solarplantagen. einen solchen Kraftakt wollen wir nicht bei der Solarenergie. Wir 
Da kommen wir gleich drauf zurück. Zuerst zu den regenerativen wollen das eher evolitionär, daß Jangsam die Industrien abster- 
Energien, also voraliem Sonne, a ber auch Wind. Wasser, Biomas- Pen, die jetzt die alten Kraftwerke herstellen und dafür Sonnen- 
se und dergl. Soweit ich es verstanden habe, siedelt Bölkow seine inchustrte anf bauen und dasist schwer zuakzeilcrieren: 
solare Wasserstoffwelt frühestens in der Mitte des nächsten Jahr- Liegt da nicht das eigentliche Problem: D.h. bei der Amortisation 
hunderts an. Ist das richtig? der Investitionen des Kapitals in die bestehenden Formen der 
Nun, das nächste Jahrhundert beginnt ja schon in 12 Jahren; das Energiegewinnug, daß die erst einmal abgeschrieben werden müs- 
ist praktisch schon.da. Aber Wenn Bölkow. davon sedet daß die Sem bevor Bereitschaft da ist, sich im Bereich der solaren Energie- 
breite Nutzung der Solarenergie erst im Jahre 2030 kommen wirtschaft im größeren Umfang zu engagieren 
wird, daß sie erst dann eine große Bedeutung haben wird, dann Das ist genau das Problem. Das ist sozusagen die betriebswirt- 
heißt das, daß man heute schon anfangen muß. schaftliche Begründung dafür, daß manches eben nicht so schnell 
Die Entwicklungszeiten zur Einführung eines neuen Energieträ- geht; wie man . haben will, WICRS vielleicht Hürclie Umweltoder 
gers werden immer mit ca. 70 Jahren veranschlagt. Aber: Die Koh- geSeSchaftspoltisch norwendie Ware: Man hat Schr viel NS 
le hat ca. 100 Jah b * ht das Hol Ad Sn 30Jah-  Stiert; jeder versucht seine Maschinen solange zu betreiben, wie 
ve rates ö [oa aber der Kohle schrmuchtunddıe Renkna ft ha- sie sich rentieren und abgeschriebene Maschinen rentieren sich 
ben wir jetzt schon seit 20 Jahren, d.h. da hat doch eindeutig eine BUN DESSEN: 
Akzelleration stattgefunden. Die technische Entwicklung wird ja Also besteht eine gute Chance, daß wir an der Langlebigkeit unse- 
immer rasanter und von daher ist mir nicht ganz klar, warum das rer technischen Infrastruktur vorher noch zugrunde gehen kön- 
noch so lange dauern soll. NEN. 
Man muß sich dazu immer wieder dieses sehr alte, aber doch be- Wenn Sie jetzt auf das Kohlendioxidproblem, das Waldsterben 
deutsame Diagramm von Herrn Marcchetti ansehen. Da zeigt und auf radioaktive Unfälle ansprechen, sind das alles sehr reale 
sich dann, daß diese Akzelleration bei den Energieträgern eben Gefahren, und es ist nicht sicher, daß aus diesen Gefahren nicht 
doch nicht eintritt. Die Kurven verlaufen parallel. Lediglich die handfeste Katastrophen werden. Aber Bölkow betrachtet die 70 
nukleare steigt etwas steiler. Jahre etwas anders, er will die Leute nicht dadurch entmutigen. 
Aber im Vergleich zur Kerntechnik ist die solare Wasserstofftech- are An BE SOPNES SCHEN NSNSE 
nik doch eine sehr einfache Technologie? nn 5 a 
Man kann eigentlich nicht sagen, daß sie eine sehr einfache Tech- SR a En EEE 
EOS EEE ER A Energieerzeugung die volkswirtschaftlichen Kosten nicht veran- 
dratmeter Fläche nur eine bestimmte Men ce ah Sonnenenergie schlagt werden und die solare Wasserstoffwirtschaft gar nicht so 
abernten kann. In der Sahara ist das doppelt so viel wie bei HS, schlecht abschneiden WE HET vichte rechnete. Es WErE 
aber das ist eine kleine Menge, d.h. Sonnenenergie ist sehr ver- dach HenKDar Tem IypoleHsch, daß diese Folgekosten, Wie cs 
dünnt. Entsprechend groß ist der Flächenbedarf für solare Instal- RE Or EC al 
ME ar IB AO GES WEINE IC EICHE Deren: wenn SI schneller möglich. Weil dann die Rentabilität der bestehenden 
einen Teil von der kinetischen Energie abernten wollen. Sie kön- Former Energiegewinnung nich mehr gegeben wäre 
nen zwar mit dem Wirkungsgrad etwas schieben, aber der Wir- Die Internalisierung der externen Kosten würde helfen, also ein- 
IC
	        

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