Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

gen, die z.B. aus so großen Kraftwerken wie in Nordafrika oder u bei Elektro- 
s x . w . aushaltsgeräten in ”- 
Spanien gewonnen wird. Da gibt es genügend Energiequellen, ; 
sei es, daß sie die Biomasse nutzen, also bevorzugt irgenwelche 
Abfallstoffe, Holz oder Stroh, oder auch Sonnenenergie , im Nor- HN 
den Windenergie, die direkt am Ort erzeugt oder umgewandelt z Wi 
werden kann in einen nutzbaren Energieträger. Anders aber ist a a 
es in den Städten. Da können Sie leicht ausrechnen, daß die sola- 
re Energiedichte nicht ausreicht, wenn sie mal so ein Ballungsge- Energleverschwendung beim Kochen 
biet nehmen, die Fläche multiplizieren mit dem Strahlungsange- 
bot und vergleichen, was dort an Energie verbraucht wird, dann 
sehen Sie, das können Sie nicht in situ decken. 
Aber wenn wir jetzt versuchen, das Problem etwas auseinanderzu- Kochand zu hallanı 0 40 Aitar Wanser 
dividieren. Bölkow hat sich ja auch stark gegen die falschen Ener- 
gieprognosen gewandt. Das zielt auf die Dikussion um das Ener- 
giesparen. Das muß nicht unbedingt Verzicht an Nutzenergie beim 
Endverbraucher heißen, sondern rationelleren Einsatz von Ener- 
gie. Es gibt Zahlen, daß man global bis zu 30% des heute aufge- a N N 
brachten Energievolumens, in einzelnen Sektoren gar bis zu 70% 
einsparen könnte. Das leuchtet eigentlich ein, wenn man sich das dramatisch steigt, d.h. also im Weltmaßstab wäre es illusorisch zu 
RWE-Diagramm anschaut mit den dicken Pfeilen, die nach unten hoffen, daß der Energieverbrauch heruntergehen wird. Aber das 
gehen und Verlustenergie bedeuten. Ist nicht viel gewonnen, wenn ist genau ein Streitpunkt, den wir mit einigen Herren aus den Mi- 
diese Verlustenergien minimiert werden durch bessere Technik, nisterien haben, die sagen, laßt uns doch erst einmal das Potential 
durch besseren Einsatz der einzelnen Energieformen, wenn man der Energieeinsparung ausschöpfen. Vielleicht brauchen wir gar 
nur dann verstromt, wenn man hochwertige Energie (Kraft, Licht) nicht die Solartechnik. Nun zum Haus: Nehmen wir die Gebäu- 
wirklich braucht und zugleich die Abwärme dabei nutzt, wenn deheizung, die ist ein ganz wesentlicher Energieverbraucher: 
man darauf verzichtet, durch die Umwandlung von Strom in Wär- 36% des Energieverbrauchs gehen in die Raumheizung. Da ist si- 
me hochwertige Exergie zu vernichten? Aber das ist ja alles be- cher ein großes Potential. Nur darf man natürlich nicht übersehen 
kannt. Das geht bis hin zu den Haushaltsgeräten. D.h. der Einsatz — das werden Sie jetzt besser wissen — Baubestände können nur 
von Intelligenz und Technik würde doch die Situation entspannen. sehr langsam verändert werden. Jeder überlegt sich bei den heu- 
Der nächste Punkt-ich komme jetzt nochmal auf die Stadtundun- tigen billigen Heizungspreisen, ob er da noch weiter etwas inve- 
ser eigentliches Thema für dieses Heft — ist die bedarfskonforme stieren soll. Technisch möglich ist alles, aber was das kostet, da 
Koppelung von Energieformen unterschiedlicher Wertigkeit. Die Xkann man nicht nur Null-Energie-Haus sagen. Das sind natürlich 
Architekten z.B. experimentieren mit so etwas wie Null-Energie- Pilotprojekte, interessant ja, aber das sind keine Lösungen für 
Häusern: Über die Bauweise, die Baumaterialien, über Passivso- die Masse. 
lar + Wärmedämmung + Porenlüftung, Kollektoren, um den de: ET . an 
N Warmwasser Dear nd TORE EM en Strombedarf zu dek- Was Sie sagen, ist natirlich richtig, das Null-Energie-Haus SEM 
ken. Danach könnte der Energiebedarf der Privaten fast gegen neugebautes und nicht ein bestehendes Haus. Jetzt gibt es aber in 
Null gehen. der Stadt jede Menge von Wand- und Dachflächen und das An- 
N . . e } bringen von Fotozellenfeldern und Kollektoren für die Warmwas- 
Also man muß hier unterscheiden zwischen der weltweiten Situa- opereitung dürfte nicht sehr schwierig sein. D.h. man müßte auf 
tion und der Situation in den industrialisierten Ländern, die ge- der Ebene der Stadt weiterdenken, z.B. mit kleineren Blockheiz- 
genwärtig sehr viel Energie verbrauchen und die sicher sehr viel kraftwerken, die auch solar arbeiten, auf jeden Fall mit Wärme- 
einsparen können ohne Komfortverzicht. Das ist also kein Spa- %,gftkopplung 
ren, das zu verringerten Dienstleistungen führt. In der Dritten a . 
Welt ist das natürlich anders. Da wird gegenwärtig sehr wenig Ja,und man kann auch was machen. Das Projekt im Block 103 ist 
Energie verbraucht, nicht weil sie bewußt kluge Technologieein- ein sehr vernünftiges Beispiel dafür. Aber damit das klar wird: 
setzen oder bewußt Energie sparen wollen, sondern weil sie kein das wird das Energieproblem in Berlin nicht lösen. Auch wenn 
Geld haben um die Energie zu kaufen und keine Maschinen, um Sie alle Flächen da oben bedecken, brauchen Sie immer noch zu- 
damit irgendetwas zu tun. Sparen kann ja nur der, der was hat. Es sätzliche Energie, zumindestens zum Heizen. Man soll sich da ein 
kommt hinzu, daß da eben die Pro-Kopf-Verbrauch-Zahl ganz bißchen vor Königswegen oder Monopolen hüten. Also: dezen- 
tral/zentral - ich glaube, wir brauchen beides. 
Energie- und Abwärmeflußhild für die BRD Energieverbrauch und Wohl. z . Sn s ; 
N Ta stand Das heißt, von dem Einsatz der dezentralen Möglichkeiten in den 
EEE Bevölkerung Städten halten Sie wenig? 
5 EB . Das kann man so nicht sagen. Sie denken jetzt hauptsächlich an 
SD ZZ die Blockheizkraftwerke. Die Blockheizkraftwerke haben den 
‚een CE DE Sp Vorteil, daß sie die Energie besonders gut ausnutzen, daß sie 
mE Strom und Wärme gleichzeitig erzeugen und diese beiden Pro- 
A dukte dem Verbraucher geben und das können sie deswegen, 
Fr Ce weil das eine Produkt, die Wärme; schlecht zu leiten ist und sie 
a sind sehr nahe dran, sind also bei Ihnen im Keller. Das ist,eine 
BE wundervolle Sache. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, daß 
Zr PfümBfeneraiepeUsrt Sie einen absolut umweltfreundlichen Brennstoff haben, denn 
das Blockheizkraftwerk muß ja betrieben werden. Mit Kohle 
G geht esschlecht, mit Öl gehtes gerade. Z.Z. werden diese kleinen 
; Blockheizkraftwerke mit Erdgas betrieben. Man muß anschlie- 
ßend natürlich gut filtern, damit die Abgase - SO ist nicht dabei, 
< aber NO kommt raus- vermieden werden. Man hat dann ein Ab- 
gasproblem. Den Vorteil, die Energie sehr effektiv zu verwen- 
den, muß man bezahlen mit Schwierigkeiten bei der Entsorgung. 
A Und der muß man besondere Aufmerksamkeit widmen — auch 
En 1 Sn SI der Sicherheit, weil das Zeug an den Verbraucher herangeführt 
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