Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Isometrie Heizkraftwerk Römerbrücke ZWO 
Römerbrücke ZWO x kurz vor Fertigstellung 
Arch.: Jourdan & Müller Hans-Jürgen Serwe 
EINE INDUSTRIESTADT ZWISCHEN 
ABBRUCH, UMBRUCH UND OKOLOGISCHEM AUFBRUCH 
„Das hinter diesem Verzicht auf die Kernenergie stehende Pro- Die Rekommunalisierung der 
blem ist in meinen Augen weniger ein energietechnisches oder E . un 
energiewirtschaftliches Problem: hier geht es in allererster Linie neErgLEeVErSOTSUNg 
um die Machtfrage. Die gigantische Großtechnik Kernenergie ist Erste Über! . E ienolitik für Saarbrük 
Seamlerler grow lage Versuch, zen SWR. Sen EEE Er DET 
er Energiewirtschaft zu zementieren. ... Die Politik darf nicht N E Sn EN T 
zum Söldnerheer und zur Fremdenlegion einzelner energiewirt- SENT LEO VIE) 1000. 1005 daran nen NEUN 
schaftlicher Interessengruppen werden. Die Politik muß gesell- 8Ungskonzept Ne „ Clas a lerCINgs SCION Weg von 
schaftliche Rahmenbedingungen und Zukunftsvisionen vorgeben der eindimensionalen, traditionellen Energieversorgung und hin 
— die Energiewirtschaft muß dann dazu beitragen, diesen Rahmen zu einer umfassenderen Ökologisch orientierten Energiedienst- 
auszufüllen und diese Zukunftsvisionen zu realisieren. Die Kern- leistung gerichtet war. . . 
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ökonomisch unvertretbar werden. Der ökologisch wie ökono- zZ 
misch bessere Weg heißt Ausbau der Kraft Wärme-Kopplung und biet. Lediglich 30% des Saarbrücker Wärmepotentials waren 
heißt Kooperation. Dieser Kooperationsgedanke ist in meinen Au- Vor EN ET EM Ga 125 
gen das Zukunftskonzept für unsere Energiewirtschaft “" ersorgungszugrilf der Stadtwerke, nämlıc OA LE 
. . . . . . Fernwärme und 2% Nachtstrom. Die restlichen 70% des Wärme- 
Dieser Ton ist neu. Er klingt wie Teile der Präambel eines S1U- bedarfs wurden überwiegend in unwirtschaftlichen und stark 
nen Energieprogramms und stammt dennoch aus einer utopie- emitierenden Einzelfeuerungen durch Öl und Kohle gedeckt. 
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unverdächtigen Broschüre eines kommunalen Versorgungsun- Der zweite Schritt zielte deshalb auf eine Umkehrung dieses 
ternehmens. Der Text stammt vom Vorstandsvorsitzenden der Verhältnisses. Eine Potentialprognose für 1995 sah vor, 70% des 
Stadtwerke Saarbrücken, Willy Leonhardt, und stellt innerhalb nach Ausschöpfung des Einsparpotentials (siehe weiter unten) 
des Chores seiner Kollegen aus anderen Städten leider noch die noch vorhandenen Wärmebedarfs per Leitung durch den kom- 
couragierte Stimme eines Einzelnen dar. munalen Energieversorger zu decken: 34% Fernwärme, 34% 
Aus der Vielzahl stadtökologischer Ansätze sollen im Folgen- Gas und 2% Nachtstrom. Logisch schloß daran der dritte Schritt 
den zwei, die für die Saarbrücker Situation exemplarisch sind, nä- einer Ausweisung von Vorranggebieten jeweils für Fern- oder 
her betrachtet werden: das Energiekonzept der Stadtwerke als Gaswärme an, um teure Doppelverlegungen und damit Überin- 
kommunalem EVU und die Bemühungen um die Reparatur der vestitionen zu vermeiden. 
Saaraue. Nicht näher eingegangen wird auf: _ Die mehrjährige praktische Umsetzungserfahrung dieses 
® das Zukunftskonzept Wasser der Stadtwerke mit breiter Ver- OVK führte schließlich zu einer Konzeptausweitung auch auf 
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schärfter Ausweisung von Schutzgebieten und engmaschiger unftskonzept Energie“ (Wärme + Strom) sich zu einem der Ba- 
Kontrolle der Wasserqualität, sis-Bausteine einer ökologisch orientierten Daseinsfürsorge auf 
® das Verkehrskonzept für die Innenstadt mit einem stark re- kommunaler Ebene entwickeln konnte. Findige Marketing-Stra- 
striktiven Parkierungskonzept zur Zurückdrängung des einpen- tegen haben die Sache auch sofort auf einen Nenner gebracht und 
delnden PKW-Verkehrs und die Ausweisung von Fahrradrou- vermarkten sie nun politisch als Teil der „Saarbrücker Kommu- 
ten, nal-Okologie“. 
® die Attraktivitätssteigerung des ÖPNV durch einen Bus- / Zu dieser Ausweitung der Betrachtung auch auf die Elektrizi- 
Bahnverbund über das ganze Saarland und neue tarifliche Rege- tätserzeugung führte auf technischer Seite gewiß die einzig ver- 
lungen, Busspursystem für schnelle Beförderungszeiten, stadt- nünftige Interpretation des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik, 
nahes Park-and-Ride-System, jedoch erklärt das noch nicht den politischen Background des 
® die vielfältigen Untersuchungen und Planungsstudien des Saarbrücker Alleingangs. Der Hintergrund heißt nämlich Kern- 
Amtes für Energie und Umwelt zu einzelnen Detailpunkten der energie und findet sich als monumentale Bedrohung unmittelbar 
Saarbrücker Umweltsituation. Herauszuheben ist die gute Da- vor der saarländischen Haustür im französischen Cattenom. 
tenlage, die im Umweltbericht ’85 dokumentiert wurde und Vor- Wohl deshalb wurde das OVK-Konzept, das primär als Aus- 
aussetzung einer Okodatenbank für die Stadt darstellt. stiegsszenario aus der Öl-Abhängigkeit inszeniert wurde, sehr
	        

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