Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Der Plärrer um 1905 Der Plärrer um 1905 
EMO Elke Kleinwächter, Wolfgang Jarnot, Ulrike Lichtenfeld 
STADTERNEUERUNG GOSTENHOF-OST UNTER 
OKOLGISCHEN VORZEICHEN 
I m Rahmen von zwei Seminaren an der Gh Kassel zum Thema Bewohnerlinnen und Einrichtungen: In Gostenhof-Ost leben ca. 
„Okologisch und sozial orientierte Stadterneuerung“ haben 5.500 Einwohner. Wegen des relativ preisgünstigen Wohnraums 
wir Ansätze, Chancen und Probleme verschiedener Projekte in ist der Anteil an Arbeitern, Migranten (40 % ) und Studenten un- 
der BRD beleuchtet. Hintergrund dieses Artikels sind Stadtteil- ter den Bewohner/innen des Stadtteils überdurchschnittlich 
spaziergänge, Gespräche mit beteiligten Fachleuten und Bewoh- hoch, wobei sie im Vergleich zum Stadtdurchschnitt über ein re- 
nern, Veröffentlichungen der Stadt Nürnberg sowie eine vorlie- lativ geringes Einkommen verfügen. Die Bevölkerung tauscht 
gende Studienarbeit von Pia Tempel und Klaus Meinetsberger.” sich statistisch alle vier Jahre aus, die hohe Mobilität bezieht sich 
In Nürnberg wird nun in einem Modellprojekt ein ökologi- dabei nur auf 50 % der Bewohner 
sches Konzept für den Stadtteil Gostenhof-Ost entwickelt, und 
dabei werden neue Wege gesucht. Das Projekt zielt nicht nur auf Vorerfahrungen mit der vereinfachten 
bauliche Verbesserungen, sondern auf die ökologische Erneue- Stadterneuerung in Gostenhof-West 
rung der Lebenszusammenhänge im Stadtteil. In einem offenen * 
Prozeß soll sich in einem Zeitraum von fünf bissechs Jahrenent- 77” Gostenhof-West wurden bei den Stadterneuerungsmaßnah- 
wickeln, was eine Ökologisch orientierte Stadterneuerung in Go- men in den Jahren 1980-1985 neue Erfahrungen gesammelt, auf 
stenhof-Ost sein kann. Der Versuch, einen Erneuerungsprozeß die nun in Gostenhof-Ost aufgebaut wird: 
„von unten“ zu initiieren — aus dem Stadtteil heraus — im Dialog gg Erfahrungen mit der einfachen und behutsamen Stadterneue- 
mit Bewohnern und Initiativen, ist ein vielversprechender An- rung” 
satz. Mit den formulierten Zielen ist aber auch ein hoher An- @ Modernisierung unter Beteiligung der Bewohner/innen (Pla- 
spruch gestellt, der viele Erwartungen weckt. Wir sind der Frage nung, Selbsthilfe, Mietermodernisierung) 
nachgegangen, inwieweit neue Ansätze entwickelt werdenund @ wohnumfeldbezogene Selbsthilfe 
welche Schwierigkeiten und Hindernisse sich bei der Umsetzung ® neue Eigentumsformen und Trägerformen (Vereinsmodell: 
ergeben Genossenschaftsmodell) 
® neue Formen der Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligungsfor- 
Der Stadtteil — men (Verwaltung geht zum Bürger z.B. Einrichtung eines Stadt- 
. teilladens und einer Planungskneipe) 
Ausgangsbedingungen und Probleme ® neue Kooperationsformen in der Stadtverwaltung (z.B. die 
Gebietseingrenzung: Gostenhof-Ost liegt südwestlich der histori- Einrichtung interdisziplinärer Projekt- und Arbeitsgruppen) 
schen Altstadt und ist mit dieser über die Verkehrsdrehscheibe © Verzahnung von Planung und Realisation 
„Plärrer“ verbunden. Im Süden ist das Gebiet durch den Haupt- © Anwendung von rechtlichen Instrumenten (z.B. wie das Vor- 
bahnhof und die Bahnlinie nach Würzburg vom übrigen Stadtge- Kaufsrecht nach $ 24 ff BauGB und das Wohnungsaufsichtsge- 
biet getrennt. Südlich der Bahnlinie erstreckt sich ein Industrie- Setz). . 
und Gewerbegebiet mit Müllverbrennungsanlage, Heizkraft- Im Jahre 1979 wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes und 
werk und Schlachthof. Im Westen schließt sich der bereitserneu- in Kooperation mit der Stadt Nürnberg eine Konzeptstudie zur 
erte Stadtteil Gostenhof-West an. Der Nordrand zur Innenstadt Ökologischen Erneuerung erstellt, die Ideen und Prinzipien öko- 
sowie die im Osten angrenzenden Gebiete werden von gesamt- logischer Planung zusammentrug.” Diese Studie wurde zwar am 
städtischer Infrastruktur (Dienstleistung, Banken etc.) geprägt Beispiel Nürnberg Gostenhof-West entwickelt, nahm aber auf 
die konkrete Situation und Anforderungen vor Ort wenig Bezug 
Innere Struktur: Die Verkehrsader Leonhardstraße teilt den und floß dann auch nicht — aufgrund mangelnder Konkretisie- 
Stadtteil auch in struktureller Hinsicht: Westlich befindet sich ein rung - in die weiteren Stadterneuerungsmaßnahmen ein. 
Mischgebiet mit überwiegendem Wohnanteil und relativ ge- 
schlossener Blockstruktur (vier- bis fünfgeschossige Wohnbe- N . 
bauung der Jahrhundertwende unter Ensembleschutz); östlich Ökologische Stadterneuerung Gostenhof-Ost 
davon liegt ein Mischgebiet mit sehr hohem Gewerbeanteil und DE . a . a 
entsprechend vielgestaltiger Struktur. Die Blockinnenbereiche Anreiz für die Stadt Nürnberg, eine ökologisch orientierte Er- 
werden intensiv genutzt und weisen einen nahezu 100 %igen Ver- Neuerung des Stadtteils Gostenhof anzugehen, war sicherlich die 
siegelungsgrad auf. Freiflächen und Begrünungen fehlen fast Aussicht auf Förderungsmittel des Bundes „Experimenteller 
vollständige Wohnungs- und Städtebau“. 1984 war Gostenhof-Ost als Gebiet 
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