Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

entwicklung in die Ebene nach Westen betrieben wurde. Zwi- bisher üblich wird der Gleiskörper nicht versiegelt, sondern ver- 
schen der Innenstadt und den Dörfern Lehen und Betzenhausen- läuft in einer Grasnarbe, was neben seinen positiven Auswirkun- 
Bischhofslinde vollzog sich die Westentwicklung in den Stadttei- gen auf das Kleinklima laut Messungen auch noch für eine 4 — 6 
len Stühlinger, Mooswald, und Landwasser. Die Trabantenstäd- dB geringere Lärmemission sorgt. 
te Weingarten und Landwasser entstanden. Auch das Fahrrad wird in Freiburg als Verkehrsmittel ernst ge- 
nommen. In den letzten Jahren ist ein System aus selbstständig 
; Z geführten und straßenbegleitenden Radwegen — wo nötig — mit 
Maßnahmenkatalog der ökologischen Stadt eigenen Brücken und Unterführungen Chtwickelt worden. Das 
erneuerung Ganze ergibt ein dichtes, bequem undsicher zu befahrendes Rad- 
Ausgangspunkt für die stadtökologische Planung war ein bereits verkehrsnetz, auf dem sich täglich 120.000 Radfahrer bewegen 
1972 erstelltes Klimagutachten, das in Bezug auf die Luftqualität (27% des Binnenverkehrs laut Angaben der Stadt). 
erschreckendes zu Tage brachte. Als Sofortmaßnahme wurde = 
der Flächennutzungsplan überarbeitet: Bebauungspläne, die die Grünkonzept 
Kalt- und Frischluftzufuhr in die dicht bebauten Stadtviertel ver- . - ; 
hindern würden, wurden kurzerhand rückgängig gemacht. in EEE DE DS NE SE ale 
Trotzdem verschlechterte sich die Luftqualität in den folgenden fünf in die Stadt nm N Ce "Cr N ak ec B N ORTE ae we 
Jahren aufgrund der geologischen und klimatischen Verhältnisse diese Bereiche harch N a Fuß ch d N Rad CHE SETENS Den em 
weiterhin (Luft aus der Ebene staut sich am Fuß des Schwarzwal- ‚7 deran Stein {N BERN % Ne N Be sch en: 
des). Vor allem aber nahm der Versiegelungsgrad und der Last- S a A Bi IC die 10 AENSESET EICH ZU 
und Privatverkehr innerhalb der Stadt und im Umland zu; Ursa- N RER AP DEENSEN TIO[OPCN, MIC VON ökologischem Nutzen 
chen, denen mit Einzelmaßnahmen nicht mehr beizukommen uet alle NW über SU I Wegeverbindung hinausgehen würde, 
war. Die Stadt begann, ein ganzes Maßnahmenbündel - angefan- GE er DES a d TEA we entfernt. : 
gen beim Verkehrskonzept bis zu einem Wettbewerb „Ökologi- Vor N DES „SM ic Dich 7 DEE U 
sches Bauen“ — zur Verbesserung der Umweltqualität Freiburgs BCHENSWEISEN: CE MISACK EIPEO DL WURCEN UNE DEIENS WAr- 
zu erarbeiten, dieses zu einem Gesamtkonzept zu vernetzen und 
Schritt für Schritt umzusetzen. Wichtigster verwaltungsinterner 
Schritt: Weg vom „Ausschnittsdenken“ hin zur Bildung von be- 
hördenübergreifenden Arbeitsgruppen für die jeweiligen Stadt- 
entwicklungsgebiete und die Einrichtung eines Umweltschutz- 
amtes. 
Verkehrskonzept 
Ziel des Konzeptes war es, das Umsteigen vom privaten PKW auf 
den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, dadurch die Innenstadt 
vom privaten PKW-Verkehr freizuhalten und den Energiever- 
brauch und die Schadstoffbelastung der Luft zu reduzieren, 
Rückgrat des Nahverkehrssystems in Freiburg ist die Straßen- 
bahn, der „Spätzleexpress‘“, auf einem eigenen Gleiskörper. 
Durch ihre vom Autoverkehr ungehinderte hohe Reisegeschwin- 
digkeit ist die Straßenbahn ein zeitlich durchaus attraktives Ver- 
kehrsmittel, nur war sie in den Augen der Freiburger offenbar Begrünungsmaßnahmen in Betzenhausen Foto: Ferrari/Auslöser 
noch zu teuer. Kernstück zur Förderung des Umsteigeeffektes 
war deshalb eine tarifliche Vereinbarung, die 1984 von einer Ge- kung zeigen. Instrumente sind hierfür die kommunalen Bestim- 
meinderatsmehrheit aus SPD, GRÜNEN und einigen Mitglie- mungen über die Bewirtschaftung von öffentlichen Grünflächen 
dern der CDU-Fraktion gegen die Verwaltung und die Vertreter und die im Bebauungsplan festgesetzten Auflagen für private 
der Betreibergesellschaft verabschiedet wurde: Das sogenannte Freiflächen. Neben den auch in manchen anderen Städten übli- 
Umweltschutz-Abonnement. chen Maßnahmen wie dem Erlaß einer Baumschutzsatzung, dem 
Das Ökomonatsticket kostet 38 Mark, ist frei übertragbar und Verbot von Streusalz auch auf von Privatleuten zu streuenden 
für Bus und Tram innerhalb des gesamten Stadtnetzes gültig. Bürgersteigen etc., geht die Stadtgärtnerei so weit, keinen Torf 
Freiburg war damit die erste bundesdeutsche Stadt, die dem Bei- mehr zu verwenden. 
spiel der schweizerischen Nachbarstadt Basel folgte. Und heute Im Bereich der Kleingärten macht die Stadt ihren Einfluß gel- 
— nach drei Jahren Praxis — hat sich das Abo wider aller Unkenru- tend-ein Akt vor dem alle anderen bundesdeutschen Städten aus 
fe bewährt. Nie erwartete Verkaufszahlen für das Umweltabo Angst vor Streit mit der lobbystarken Kleingärtnertruppe bisher 
führten neben dem angestrebten Umsteigeeffekt auchnochzuei- Zzurückschrecken. Auch hier gilt das Verbot von Pestiziden, auch 
nem wirtschaftlichen Plus für die Betreibergesellschaft. Begleit- hier darf kein Torf zur Bodenverbesserung verwandt werden und 
studien ergaben, daß tatsächlich 4000 Autofahrer auf Bus und jeder Kleingarten muß einen Komposthaufen anlegen. Die Anha- 
Tram umgestiegen sind. ge von Reisighaufen und Steinhügeln als Nistplatz für Vögel und 
Unterstützt wird diese tarifliche Vereinbarung durch weitere Lebensraum vieler vom Aussterben bedrohter Kleintiere wird da- 
Attraktivitätssteigerungen. Die in den 70er Jahren entstandenen gegen ausdrücklich befürwortet. Alles Maßnahmen, die den her- 
Wohnsiedlungen im Westen der Stadt — bis dato nur per-Busoder kömmlichen Vorstellungen der Kleingartenvereine von prope- 
mit dem PKW erreichbar - wurden durch eine neue Straßenbahn- ren, aufgeräumten und blitzsauberen Gärten (noch) zuwiderlau- 
linie mit der Innenstadt verbunden. Um die Bedeutung der Strek- fen. Schwachpunkt dieser Maßnahme ist die fehlende Einfluß- 
ke zu verdeutlichen - immerhin leben ein Drittel der Freiburger möglichkeit auf private Gärten, deren Größe die der meisten 
im Westen der Stadt — wurde sie symbolisch Linie Nr.1 genannt. Kleingärten bei weitem übertrifft. Lediglich ein Ratgeber der 
Aus den Trabantenstädten Weingarten und Landwasser erreicht Stadtgärtnerei soll Privatleute zu ähnlichem Handeln und zu Be- 
man heute per Tram das Stadtzentrum in 10-15 Minuten. Die grünungsmaßnahmen anregen. Hierzu stellt sie verschiedene 
Pendler aus dem weiteren Umlandstecken dagegen aufihremall- Pflanzen kostenlos zur Verfügung. Bei Neupflanzungen verzich- 
morgendlichen Weg zu ihren Arbeitsplätzen in Freiburgs Innen- tet die Stadtgärtnerei vollkommen auf Exoten. Sie greift zurück 
stadt in Sichtweite der Tram im Stop-and-Go-Verkehr. Eine wei- auf standortgerechte Pflanzen und Nutzsträucher und -bäume 
tere Besonderheit dieser Linie ist die Trassenführung. Andersals wie Kirschen, Beeren, Nüsse und Eßkastanien 
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