Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

: . rn 350 falls über die Kunststoff-Fraktion sowie über Holz- und Bauten- 
Seit 1950 hat sich das Müllgewicht ver- spezifisches e . n - 
doppelt. Bedingt durch die Verpackungsflut Apfallgewicht schutzmittel gelangen geringe Mengen von halogenierten Koh- 
EL NER (kg/Einw. x Jahr) 300 lenwasserstoffen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwas- 
gewachsen. serstoffen (Benzole) in den Müll. Neben ihrer Langlebigkeit und 
1 N rhtnlcehe Fürhenabfälle 250 potentiellen Gefahr für das Grundwasser, sind bestimmte dieser 
"Glas Stoffe als Dioxin-Vorstufen (entsteht u.U. bei der Müllverbren- 
k En Fon Porzellan 200 nung) wegen ihrer terratogenen und kanzerogenen Wirkungen in 
6. Holz, Leder, Gummi, grobe Panr Verruf geraten. Ein besonderes Problem ist der hohe Chlorein- 
Z Kunststoff 150 trag durch PVC (besteht zu 30-57% aus CI) in den Hausmüll. Un- 
ter 1% PVC-Anteil am Müll tragen dabei zu über 50% der Chlor- 
100 belastung bei. Bei Verbrennung entsteht Salzsäure. 
Literatur: Bremer Umweltinstitut, Schadstoffe im Müll und ihre Herkunft, in: 
IFEU, Ökologisches Abfallwirtschaftskonzept Bielefeld — Gutachten im Auftrag 
50 der Stadt Bielefeld, Heidelberg 1986, S. 278 ff 
0 SOLARZELLE: Kleine blaue Scheibe aus Silizium, die 
bei Sonneneinstrahlung elektrischen Strom erzeugt. Das Silizium 
1950 1955 1960-1965 A970 1975...1980.1985 1390 zu ihrer Herstellung wird aus Quarzsand (SiO,) gewonnen und 
aus: Das Problem Müll, Hrsg.: Stadt Bielefeld muß einen sehr hohen Reinheitsgrad aufweisen (größer 
= 99,99998%). Daher der hohe Preis. Über gezielte Verunreini- 
RECYCLING, MÜLLVERMEIDUNG: DieMüll- gung (Dotierung) mit Fremdatomen werden im Kristallgitter des 
lawine wächst durch Mehrkonsum, zunehmendem Verpak- 4-wertigen Siliziums potentiell freie Ladungsträger erzeugt. Me- 
kungswahn und immer mehr Einwegprodukte, etc. laufend wei- tallkontakte an Vorder- und Rückseite der S. „sammeln“ nun die 
ter. Vom Hausmüll landen 75% auf Deponien, 22% werden ver- von Lichtquanten aus ihrem Verband herausgeschossenen Elek- 
brannt, knapp 2% kompostiert. Altpapier, Einwegglas, z. Teil tronen ein und bauen eine Spannung auf. Diese Zellenspannung 
auch Weißblech werden inzwischen von vielen Konsumenten beträgt auf dem Punkt maximaler Leistung etwa O,5 Volt. Ver- 
schon vor der Mülltonne abgezweigt und via kommunaler Samm- Schiedene Solarzellen besitzen jeweils individuelle „Zellenkenn- 
lung bzw. privater Abfallwirtschaft recycelt. Dieses Potential ist linien“. In etwa äquivalent zur Einstrahlung geben die Zelle un- 
allerdings noch nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft. Experi- terschiedlich große Leistungen ab. Knapp 10% der eingestrahl- 
mente mit getrennter Müllsammlung schon beim Verbraucher ten Energie werden in Strom umgewandelt. Wird die S, heiß, so 
führten in verschiedenen Städten z.T. zu Akzeptanzproblemen, Verschlechtert sich ihr Wirkungsgrad! Meist werden mehrere S. 
z.T. waren die begleitenden pädagogischen und organisatori- ZU z.B. 12-Volt-Modulen hintereinandergeschaltet und als Ein- 
schen Maßnahmen unzureichend. Recycling-Prozesse sind ener- heit fertig montiert geliefert. Diese können dann zu Hausanlagen 
giebedüftiger (Einschmelzen von Glas, etc.) als Wiederverwen- Zusammengestellt oder in noch größerem Maßstab zu Photovol- 
dungsprozesse (Pfandsysteme) und damit ökologisch gesehen taik-Kraftwerken. Das 300 kW-Sonnenkraftwerk auf der Insel 
nur zweite Wahl. In Skandinavien wurde über Verbote (Däne- Pellworm produziert derzeit Strom zu ca. 2,-DM pro kWh. 
mark) bzw. höhere Besteuerung (Norwegen) das Mehrwegfla- Literatur; Heinz Ladener, Solare Stromversorgung für Geräte, Fahrzeuge und 
schensystem gegenüber Einwegprodukten‘ geschützt. In der Häuser, Okobuch-Verlag, Freiburg 1987/2 
BRD ging dagegen der Marktanteil von Mehrwegflaschen inner- Solarkrafiwerk 
halb 15 Jahren von über 90% auf 70% mit weiter fallender Ten- in Agia Roumelli, 
denz zurück. Zentral-gesetzgeberische Maßnahmen sind deshalb Kre@, Von März 
- . dr nn is Oktober aus- 
genauso gefordert wie eine individuelle Verbraucher-Aufklä- reichende Stromversorgung 
rung und Animation auf kommunaler Ebene. DEE über 
Literatur: Helm, Roeles, Fohmann-Ritter, Der Schatz in der Mülltonne, Kölner (Foto: Serwe) 
Volksblatt Verlag, Köln 1986/2. e Institut für Ökologisches Recycling (IföR), Alter- 
nativen zum Müll, Materialsammlung, Berlin 1984-87. e Umweltbundesamt, Was 
Sie schon immer über Abfall und Umwelt wissen wollten, Stuttgart/Berlin 1981 Funktionsschema 
einer Solarzelle 
SCHADSTOFFE IM MULL: Der Hausmüll besteht 
etwa zu 42% aus organischen Bestandteilen, 20% Papier/Pappe, 
12% Glas, 6% Kunststoffe, 4% Metalle, 1% Sonderabfall, 15% 
Sonstiges. Darin enthalten sind Schwermetalle und organisch- 
chemische Schadstoffe. Unter den Metallverbindungen spielen 
vor allem Blei, Cadmium, Zink und zunehmend auch Quecksil- 
ber aus Knopfzellen eine Rolle. In städtischen Haushaltsabfällen 
ist die Cadmiumkonzentration höher als auf dem Land. Ursache x : 
ist wahrscheinlich der höhere städtische Kunststoffkonsum, denn UMWELTVERTRAGLICHKEITSPRUF- 
50% des produzierten Cadmiums wird zur Stabilisatoren- und UNG: Die UVP stellt ein neues Instrument innerhalb des vor- 
Pigmenterzeugung in der Kunststoffindustrie verwendet. Eben- Sorgenden kommunalen Umweltschutzes dar. Bisher besitzt sie 
noch keine Rechtsgrundlage, sondern basiert lediglich auf einer 
1985 verabschiedeten EG-Richtlinie, die allerdings bis Ende des 
laufenden Jahres im Rahmen der nationalen Angleichungen von 
Planungs- und Bestimmungsstandards innerhalb der EG präzise- 
re Regelungen auf Bundes- und Landesebene nach sich ziehen 
soll. Die UVP soll schon in einer möglichst frühen Phase von Pla- 
nungsmaßnahmen durchgeführt werden, um deren negative 
bzw. positive Auswirkungen auf die Umwelt abschätzen und ge- 
gebenenfalls Alternativen oder gar Null- Varianten ermöglichen 
zu können. Die UVP ist insbesondere für die kommunale Ver- 
Demonstrations- waltungsebene konzipiert und operiert fächerübergreifend. Die- 
ERUNEN ser systemische Ansatz soll der Komplexität des ökologischen 
Aachen Problemfeldes entsprechen. Einige deutsche Städte wie Karlsru- 
A
	        

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