Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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ist, kann sich jezt der billigeren Normalmüße zuwenden. Herr Sauerbe> 
liefert die Mützen (in vorläufig acht der gangbarjten Formen) nur en gros 
an Wiederverkäufer. Jm Detail «sind sie von allen Normalgeschäften 
Stuttgarts und ihren auswärtigen Filialen zu beziehen, in Stuttgart be- 
sonders von Hutmacher W. Wolf, Büchsenstr. 17 und M. Bender & Cie., 
kleiner Bazar. Letztere Firma wird in nächster Zeit auch Militärmüten 
nach meinem System anfertigen. : 
Thierbändigung. Jn Nr. 4 des von Herrn Oberroßarzt Hofmann 
in Ludwigsburg herausgegebenen „Militär- Thierarzte35“ findet sich 
folgende mit „Waßmann“" unterzeichnete, von mir etwas abgekürzte Mit- 
theilung. - Schreiber war als Militärthierarzt im Jahr 1849 in der Nähe 
Hamburgs bei einem Thierarzt einquartiert, welcher zugleich eine Pferde- 
schlächterei und einen Handel mit eingepökeltem und marinirtem Pferde- 
fleisch unterhielt und eine ausgedehnte Praxis als Pferdebändiger bei 
Strangschlägern , Beschlagrenitenten 2c. besonders in dem nahen Hamburg 
hatte. Da bei der Batterie, in welcher W. stand , sich ein Pferd befand, 
welches weder durc< Güte noch durch Strafe bewogen werden konnte, sich 
beschlagen zu lassen, sondern jedesmal geworfen werden mußte, so wurde 
der obige Thierarzt ersucht, eine Probe zu machen. „Er ließ das Pferd 
mit Trense und . glattem Mundstü> aufzäumen, trat dann an dasselbe, 
streichelte es unter guten Worten, ergriff den Trensenzügel und hob mit 
der linken Hand die Zunge über das Mundstü> der Trense, so daß dieses 
auf den blosen Laden lag, JIndein die rec<hte Hand dicht unter dem Kinn 
mittelst der ganz kurz gefaßten Zügel das Mundstü> in dieser Lage erhielt, 
konnte ein ziemlich scharfer Dru> auf die Laden geübt werden. Er blickte 
hiebei dem Pferd unverwandt in die Augen und ordnete nun, indem er»so 
vor dem Pferd stehen blieb, die Ausführung des Beschlags an den Hinter- 
füßen an. Zu unser Aller Erstaunen ließ sich das Pferd beschlagen, ohne 
auch nur im mindesten zu zuken oder sonst zu opponiren, nur bemerkte 
man während des Aktes ein gelindes Zittern in den Oberschenkelmuskeln 
und einen ziemlich starken SchweißausSbruch in den Flanken. -- Beim 
nächsten (natürlich ohne den Bändiger ausgeführten) Beschlag opponirte 
jedoch das Pferd in derselben Weise wie früher, wahrscheinlich war die eine 
Lektion des Bändigers nicht hinreichend für das ganze Leben des Thieres.“ 
= Aus dieser Mittheilung geht hervor, daß Herrn W. entgangen ist, 
worauf hier die Bändigung beruht, denn sonst hätte er leicht selbst die 
Bändigung perfektioniren können. Da5 bändigende Element war der G e- 
ruh, der von dem „Pferdeschlächter“ ausging. Dem Pferde sagte der 
Geruch, daß der „Henker“ vor ihm stehe und es verfiel in Ant und 
Scre>lähmung. Hätte Herr W. sich von seinem Kollegen ein Stü> ge- 
pöcdeltes Pferdefleisch mitgenommen und jedesmal den, der beim Beschla 
das Pferd zu halten hatte, einige Stunden zuvor ein Stü> von dem Tleisch 
essen lassen, damit er nach Pferdefleisch a so wäre die definitive Bän- 
digung erfolgt. Jeder, dev das Verhalten der Schlachtthiere beim Ver- 
bringen in das Schlachthaus beobachtet, weiß, welc< mächtigen Eindruck 
der eigene Blut-. und Fleischgeruch auf 'die Thiere hervorbringt. Ja schon 
der Eintritt des Metßgers in einen Stall ruft dort eine lebhafte Aufregung 
hervor. Man erinnere sich auch an das in den früheren Nummern über 
die Hundefleischesser Gesagte. Bei der Bändigung wird es sich allerdings 
auch um den Stärkegrad des Geruches handeln, er muß jedenfalls, um 
Angstlähmung zu erzeugen, eine gewisse Stärke besiten, denn bei ungenügen- 
4%
	        

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