Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Aber no< etwa38, für mich und das Wollregime nicht minder 
Wichtiges, muß ich Ihnen mittheilen. Schon vom zarten Knabenalter 
an erinnere ich mich, oft der Grippe ausgesezt gewesen zu sein, und 
das hat si< bis in mein jeßiges Alter von 47 Jahren jedes Jahr 
mehrere Male wiederholt, namentlich aber jedes Frühjahr, oft aber 
auch im Sommer, oder im Herbst, wahrscheinlih durch Erkältung im 
Leinenhemd. Nachdem ich im Winter Flanellhemden und Sommers 
Flanellappen trug, erinnere ih mich nur an Grippe im Frühjahr, 
die ih in einigen Tagen durch Schwikßen im Bett wieder wegbrachte. 
Früher dauerte die Grippe immer 2--3 Wochen. Der ganze Winter 
und das Frühjahr gingen diesmal aber vorüber ohne die geringste 
Störung in meiner Gesundheit. Meine Familienglieder, meine Zög- 
linge bekamen Schnupfen, Husten u. s. w., meine Kinder die Wasser- 
po>en, meine Frau Halsentzündung, nur an mir ging die Witterung 
diesmal spurlos vorüber. Soll da da3 Trikothemd die Ursache sein ? 
I< glaube es! 
No< etwas: Wahrscheinlih aus Ursache des vielen Schwitzens 
war ich von jeher sehr zu Schüttelfrost geneigt. J< trinke viel Wasser 
und da kam es vor, daß mich nach ein Paar Gläser Wasser im höchsten 
Sommer mitten im Tage ein Schüttelfrost anfiel, der dur< Bewegung, 
Turnen u. s. w. wieder bald verging. Dieser Schüttelfrost trat auch 
oft ein, wenn ich Abends zu Hause saß, -- Sommer oder Winter 
ganz gleich -- studierte, las 2c. und ein oder zwei Glas Bier trank, 
dann mich entkleidete, das Baumwollnachthemd anzog und mich 
zu Bett legte: I< hüllte mich gut ein, klapperte mit den Zähnen 
!/, Stunde und kam nach und nach in Schweiß, schlief ein und am 
andern Morgen war wieder alles vorüber. Ein Schüttelfrost trat aber 
nie ein, wenn ich in einer Restauration ein Glas Bier trank und dann 
nac< Hause ging. Ja oft konnte ich mich nicht einmal ganz entkleiden 
und mußte mit den Kleidern zu Bette gehen. Seit Oktober v. J., 
seitdem ich das Trikothemd Tag und Nacht trage, ist auch nie nur 
eine Anwandlung von Frost über mich gekommen, bei sonst ganz 
gleicher Leben3weise, und da ist ganz entschieden das Trikothemd die 
Ursa<ße. Wenn ich mir das Alles überlege, bin ich herzlich froh an 
der Wollkleivung und danke Gott, daß er es Ihnen hat gelingen lassen, 
die Vortheile der Wollkleidung zu entde>en. J< fühlte das Bedürfniß, 
Ihnen die AuSZeinandersezung zu machen; wenn ich Ihre Geduld und 
Zeit dadurch zu sehr in Anspruch genommen habe, so bitte ich sehr um 
Entschuldigung. 
M. 
Kleider- und Beklreinigung. 
Da3 in voriger Numnmter angeschlagene Thema von den Farben 
entpuppt sic mir immer mehr in seiner Tragweite, und es foll keine 
Nummer dieses Blattes mehr hinaus8gehen, ohne weitere Aufshlüsse
	        

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