Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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weit diese bei einem im 51. Lebensjahr stehenden Manne zu heben 
ist, entzieht sich meiner Beurtheilung, und daran daß es mir = ins- 
besondere bei meiner gebundenen Leben35weise =- gelingen sollte, jeßt 
noch ein flotter Bergsteiger, der ich , beiläufig bemerkt, nie war, zu 
werden, glaube ich nicht. Aber positiv ist: die sogenannte „alte Wein- 
steige“, die vom Stuttgarter Thal auf die Filderhöhe führt und die ich 
auf meinen Dienstgängen nach Hohenheim regelmäßig 4-- 2mal in der 
Woche zu begehen habe, hat bis zum Exerzierplatz 2000 Meter Länge 
und eine Steigung auf 215 Meter. Diesen Weg nehme ich ohne An- 
strengung in 25 Minuten und wenn ich mich anstrenge, sogar in 
20 Minuten. Rechne ich darauf, daß ich auf leicht geneigtem Terrain 
bis zu 2, Kilometer traben kann, so kann ich, alter Asthmatiker, 
ganz wohl zufrieden sein, und glaube dies nebst dem Wollregime 
dem = Tirolergürtel verdanken zu dürfen. 
I< hätte über die Sac<he schon früher geschrieben, wenn nicht 
zwei Punkte es verzögert hätten 1) die durch die Farbstoffwirkung 
erzeugte Konfusion, von welcher ich in der nächsten Nummer berichten 
werde; 2) die Schwierigkeit, einen passenden Gürtel aus Wollstoff zu 
fertigen. Ueber letzteres noh einige Worte. 
Der Gürtel muß vorn in der Mitte etwa 46-17 Centimeter 
breit sein und bis zu den Hüften schmäler verlaufen. Macht man ihn 
nun aus Wollstoff, so faltet sich diese breitere Bauchsheibe zusammen 
und der Zwe wird nicht erreicht. Es bleibt also nichts anderes 
übrig, als gerade wie an den Korsetten der Damen fünf Planchetten 
aus Fischbein oder Stahl einzunähen und diese bohren sich eben leicht 
an den oberen Enden durch die Wolle dur<h. Die ersten Muster 
dieser (Gürtel fielen deßhalb unbefriedigend aus und ich wollte die 
Sache nicht empfehlen, ehe die technische Frage besser gelöst ist. 
Seit kurzem habe ich ein Muster, das mir von genügender 
Qualität zu sein scheint (zu beziehen von Bandagist Fr. Xav. Schmidt 
hier, Cberhardsstraße 65), und so kann ich jeht das Tragen des 
breit?n Gürtels mit voller Ueberzeugung allen Wollenen, insbesondere 
den Corpulenten und Schwerathmigen öffentlich empfehlen , wie ich 
es bereits mündlich Mehreren zu ihrer Zufriedenheit gethan. 
Im Anhang noh ein paar Worte über das Corsett der 
Damex. Wenn die Auslassungen der herrschenden Hygieniker 
richt > wären, so gebe es nichts verwerflicheres, als das Corsett, denn 
der Feidzug 1z-zen das Corsett füllt 79 ziemlich alles, was sie über 
Damenkleidung zu sagen wissen und das wird illustrirt durch schauer- 
liche Nbbildungen und Modelle über Leberverkrüpplung. Die Herrn 
haben Recht und doh Unrecht. Der Fehler ist nicht das Corsett an 
sich, sondern daß das aus derber, womöglich noch verkleisterter 
Leinwand gefertigte übliche Corsett 1) die Nac<htheile der Pflänzen- 
faserkleidung in potenzirtem Maße in sich vereinigt; 2) in der 
Regel zu straff geschnürt wird, weil die eitoörm verweichlichten Leiber 
der steifleinenen Frauenzimmer das Bedürfniß einer Stüßung empfinden,
	        

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