Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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joll es darin liegen, und welche Wirkung soll damit erzielt werden ? 
Muß man das Kind nach dem Baden erst guttro>nen 
und dann wickeln? 
- ' Das Kind wird im Schlafe öfters durch sehr lebhaftes Träumen 
beunruhigt, so daß es laut stöhnt (wie nach lebhaftem Weinen) 
oder auch laut lacht. Kann man dagegen ein Mittel anwenden ? 
1 Mein Mann behauptet, das Kind würde durc< die wollene Kleid- 
ung verwöhnt und gegen Erkältungen zu wenig abgehärtet werden; 
es sind allerdings zuweilen Anfälle von Husten und Schnupfen 
vorgefommen, doh sind dieselben biSher immer leicht und schnell 
vorihergegangen. 
t obigen Fragen bemerke ich: 
ad In der Gesundheitspflege soll es keine Schablonen geben, 
sondern hier entscheidet stets das Bedürfniß. Man bade ein Kind, 
wenn es allgemeiner Reinigung wirklich bedarf und im Sommer, wenn 
es unter der Hitze leidet. 
al * ): Beim Kind (auch beim badenden Erwachsenen) genügt 
es mei'r, den triefend nassen Leib in eine trockene Windel (resp. tro>enen 
Anzuo) zu stecken. Nur bei sehr tro>ener heißer Luft ist es besser, 
die Windel (resp. die 'Unterkleidung) direkt feucht zu machen. Die 
Sache ist ganz einfach die, möglichst genau die Verhältnisse herzustellen, 
wie sie bei dem badenden Säugethiere obwalten. Ein solches faßt mit 
seinem Velz doßhalb wenig Wasser, weil derselbe 4) nicht verfilzt ist, 
wie leider unser? Bekleidungsstoffe, 2) weil die Haare stark einge- 
fettet sind. == Ein Hund, der aus dem Wasser kommt, schüttelt sich 
zuer)t und ist dann etwa in */, bis 4 Stunde trocken. So kann ein 
Hund jeder Zeit, selbst bei kaltem Wetter, baden, freilich: muß er im 
lezteren Fall ju» ordentlih Motion machen, damit er rechtzeitig ab- 
trodnet, denn zt lange naß bleiben ist auch dem Thiere nicht 
gut. Darnach soll sich auch der Mensch richten, er sorge dafür, daß 
nac< dem Bad in seinen Kleidern so viel Wasser ist, als etwa in 2 
bis 4 Stunde aufzutrocknen vermag: nicht mehr und nicht weniger. 
Wie man das macht, lernt sich bei einigem Probiren rasch. Bei Ihnen 
in Finnland, wo Seeklima herrscht, wird es wohl immer genügen, 
das tro>ene Hemd und Oberkleid auf den triefend nassen Körper zu 
legen, während in Wien, Pest, oder gar im Jnnern von Rußländ 
mit seiner sehr heißen tro>enen Luft das nicht genügen wird, sondern 
die Kleidung gonebt werden muß, wenn man vom Baden den vollen 
Genuß ohne Nachtheile haben wil. 
- ad 3) Das wird verschwinden, wenn die durch das unnöthige 
falsche Baden erzeugte Störung sich gelegt hat. 
- ad 4) Wenn einem Kind in dem Zeitraum vom dritten bis zum 
achten Leben3monat, den es in der Wolle zugebracht, nichts weiter 
gefehlt hat, als einige „leicht und schnell vorübergehende Anfälle von 
Husten und Scnupfen“ und das trdß der mit dem Baden gemachten 
Fehler! und wenn jeßt, wie Sie sagen, sein Zustand der normaler
	        

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