Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Schäfers Erstaunen ist nicht gering, als der Hund ohne Weiteres dem 
fremden Herrn nachläuft, -- 
Zn „Ueber Land und Meer“ lese ich unter Geschichte des S<hnupf- 
tuches: „die Shnupfenlosigkeit bei den Griechen und Römern fand 
fich begründet nicht allein in dem milden Klima, sondern vor allem in der 
gesundheit5Sgemäßen Behandlung de3 Körpers. Hoch und gering badete 
viel und mit einer Gründlichkeit, welcher wir auch nicht annähernd nach- 
kommen, Abreibungen, um die Hautthätigkeit zu fördern, fehlten dabei 
niemals" u. s. w. Weiterhin dann die Behauptung, daß auch bei uns 
das Schnupftuch erst mit dem Verfall der Bäder aufgekommen ist. Jc< 
bin mit dem Verfasser geneigt, den Nasenauswurf bei einer naturgemäßen 
Behandlung des Körpers als eine Abnormität zu betrachten, konnte aber 
auch als Wollener meinen Schnupfen nicht mindern. Dürfte ich um ge- 
legentliche Aeußerung Jhrer Meinung dazu bitten ? (Meine Ansicht ist: 
die Griechen und Römer verdanken dieß 1) dem, daß sie der Hauptsache 
nac< Wollene waren, 2) daß sie nach dem Baden sich einölten, 3) daß sie, 
wozu ihnen ihr Klima half, keine solche Stubenho>er waren, also nicht 
soviel Gestank einathmeten wie wir, 4) daß sie kein leinenes Taschentuch 
trugen. Jäger). 
Vielleicht interessirt Sie noch folgendes: Unser Volk bezeichnet die 
Gewichtsdifferenz zwischen dem lebenden und todten Schlachtvieh mit dem 
Ausdru>k „Seele“. Cbenso kennt auch unser Plattdeutsch die Bezeichnung 
„RNobnase“ als „Snappsnut“ für Kinder beiderlei Geschlechts. =- In 
unserm Volke herrscht die Meinung: Die Geliebte muß dem Geliebten 
folgen, wenn derselbe ihr einen Apfel mit seinem Achselduft imprägnirt zu 
essen gegeben hat. =- Gegen akutes Halsleiden ist auch hier der Woll- 
strumpf in Gebrauch, und zwar, wie Sie sagen, der des andern Geschlechts. 
-=- Endlich: Als Wollener habe ich alles erfahren, was Sie von der 
Normalkleidung behaupten, glaube auch von einer Regelung der geschlecht- 
lichen Funktionen durch dieselbe sprechen zu dürfen, -- 
Kaiserliches Verbot. Jn Nro. 41 des „Daheim“ ist zu lesen: Jm 
Jahr 1607 war in Breslau ein heftiger Streit zwischen ven Wollewebern 
und den Mezzolanwebern, welche Stoffe aus Wolle und Leinen ver- 
fertigten, AUSgebrönen der oft in blutige Thätlichkeiten ausartete. Die 
Wolleweber hatten die Priester auf ihre Seite gebracht, und durch deren 
Beihilfe gelang es ihnen bei dem bigotten Kaiser Rudolf Ul. ein Verbot 
der Mezzolanweberei durchzusehen und zwar auf Grund der Bibelstelle des 
alten Testamentes 5. Moses 22, 11. „Du sollst nicht anziehen ein Kleid 
von Wolle und Leinen zugleich gemenget.“ (Das war Din Bigotterie, 
sondern eben so natürliche als man heute kaiserliche Verbote gegen 
ie Weinpantscherei hat, und hoffentlich lebt in nicht zu ferner Zeit obiges 
kaiserliche Verbot wieder auf. Jäger). 
Fragekaßten. 
„s Fangen von Freiherrn v. W. in Görz: 1. Sind Wollkleider und 
ditto ollwäsche um Bedeutendes haltbarer, wie Leinen und Baumwolle ? 
- Antwort: Diese Frage ist nur in Zusammenhang mit der Wasch- 
und Kostenfrage zu beantworten. Wer gestärkte Pflanzenfaserhemden trägt, 
verbraucht in 4 Jahren 12 Hemden = 36-48 Mark und hat an Waschkosten
	        

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