Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Dörpt. 2. lautet: „Im Besonderen ist Wolle als Leibwäsche aus 
ebenfa.. "ygieniichen und besonders aus Reinlichfeit8gründen zu ver- 
werfen“. 59 wissen die Leser, worauf diese Behauptung sich stüßt. Jäger 
hat st: 5 ausdrücklich das Tragen der Wolle unter baumwollener oder 
(einener Wäscha als gesundheit38widrig verworfen. Hätte Dr. Nie- 
meyer Jüaers € hriften gelesen, so hätte er es wissen können. Warum 
Kleidungsjü>e , wel<e die Eigenschaft besiten, vie üblen Körper- 
ausdünstungen nicht zu firiren, weniger reinlich sein sollen, als solche, 
welche jene Gerüche aufspeichern, bleibt Geheimniß des Herrn Sanitäts- 
rathes. „Schon Pythagoras hielt streng darauf, daß seine Jünger 
nur Leinenzeug auf bloßem Leibe trugen.“ Pythagoras verbot seinen 
Jüngern Bohnen zu essen =- Jßt Dr. Niemeyer auch keine? ES thut 
der WeiSheit und Geiste8größe des Pythagoras gewiß keinen Abbruch, 
wenn er vor mehr als 2000 Jahren eine hygienische Anordnung traf, 
wel“ > ein wissenshaftlihes Forshungsöergebniß unserer Tage als irrig 
nac wit. „Und bei uns Deutschen gehörte die Pflege des Spinn- 
roG3 und des Webstuhle8 zu den ersten Regungen des erwachenden 
Kudu“ vens.“ Was soll damit gesagt sein? Daß wir wieder zu den 
erste4 Ltegungen des erwachenden Kulturlebens zurückfehren sollen ? 
Dore, daß die ersten Regungen des erwachenden Kulturlebens für alle 
Folgezeit Richtung gebend sein sollen? Was für einen Zusammenhang 
haben die ersten Regungen des erwachenden Kulturlebens mit einer 
hygienischen Maßregel, welche das Ergebniß neuester wissenschaftlicher 
Forschung i,:2 „Selbst der in der Wolle gefärbte Jägerianer würde 
auc< heut Bedenken tragen, das neugeborne Kind in Wolle zu hüllen.“ 
Nein, im Gegentheile, es sind schon Säuglinge als „Wollmenschen“ 
aufgezogen worden und es soll ihnen nicht schleht bekommen sein. 
Wolle ist weich, hält warm und kann, wenn man es versteht, gut ge- 
was... werden. „Der Normalro> läßt, da er nur für Männer paßt, 
das wublihe Geschlecht bezüglich der Normalkleidung leer ausgehen.“ 
Wen; man wortklauben will, ja! Mit Worten läßt sich trefflich streiten. 
Ein %.ormalmännerroc> für Frauen existirt freilich niht. Aber für die 
Normatfrauenkleidung ist hinlänglich gesorgt, wovon sich Herr Dr. Nie: 
meycex aus Prof. Jäger's Schrift über „die Normalkleidung als Ge- 
sundheitsschuz“ Seite 180 überzeugen kann. Tröstlich ist uns schließlich 
das Bekenntniß, daß die Jäger'sche Lehre einen fruchtbringenden Kern 
birgt, nur hätte der Herr Sanitätsrath sich die Mühe sparen sollen, 
denselben mit seinen tro&enen Schalen zu umhüllen.“ 
E3 darf nan zwar nicht angenommen werden, daß die obigem 
Zeitungzsring angehörigen Journale von dieser Rektifikation Notiz 
nehmen werden, allein andere Journale, die es mit dem audiatur et 
altera pars ehrlich meinen, dürften das wohl thun, und ich bitte meine 
Leser im Interesse unserer Sache, diesen „'reingefallenen Journalen“ 
vorliegende Nummer des Monatsblattes mit dem Ersuchen, vorstehenden 
Artikel aufzunehmen, zuzusenden, oder mir nur die Adresse der Zeitung 
per Postkarte anzugeben, dann werde ich die Zusendung selbst besorgen.
	        
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