Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

Das Wesen der Krankheit. 
Aus den in Nro. 1 dieses Blattes unter dem Titel „Sitz der 
Krankheit“ mitgetheilten Thatsachen geht unleugbar hervor: 
H. daß in zahlreichen verschiedenartigsten Fällen der Siß der 
Kran?heit eigentlich nicht der Körper des Kranken, son- 
dern dessen Kleiduug und Lagerstätte ist; lektere sind die 
Träger eines wahren Giftes. Das ist nun für die, welche meine 
biSherigen Veröffentlihungen gelesen haben, nichts Neues. Dagegen 
ist neu, und zwar auch für mich: 
2) daß nicht nur die eigentlihen ansteenden Krankheiten, d. h. 
solche, deren Ursache sonder Zweifel =- wenn auch noh nicht überall 
exakt nachgewiesen =- ein belebter Organismus, ein sogenannter Gäh- 
rungspilz ist, durch die Kleider auf andere Personen übertragen werden 
können, sondern auch solche Krankheiten, die entschieden mit belebten 
Fermenten nichts zu thun haben. 
Um nun mit der praktischen Konsequenz obiger Thatsachen zu 
beginnen, 59 1 klar, 
4) datz in solchen Fällen, bei denen die Krankheit in Kleid und 
Bett siht , jedes ärztlihe Beginnen machtlos ist, welches nur an den 
Körper sich wendet. Das sind jene verzweifelten Geschichten, zu denen, 
um nur die allereinfachsten zu nennen, das zahlreiche Heer der Nerven- 
franfheiten, inSbesondere des weiblichen Geschlechtes, die nicht 
minder zahlreichen <ronischen Verdauungskrankheiten und die <ronischen 
Katarrhe der Athmungswege gehören; 
2) daß gerade diese Fälle es sind, bei welchen die Wolle soge- 
nannte „Wunderkuren“ macht, an denen aber lediglich nichts wunder- 
bares ist, als das, daß die Heilkunst bi8her diesen einfachsten aller 
Krankheiten machtlos gegenüber stand. Solche Patienten brauchen nur 
ihre gemischte Kleidung mit der reinen Vollkleidung, das gemischte Bett 
mit dem reinen Wollbett zu vertauschen, s9 sind sie fast momentan gesund ; 
3) daß -- und das ist für das Wollregime von größter praktischer 
Bedeutung -- selbst ganz nebensächlich scheinende Theile der Bekleidung, 
wie Taschentücher, Chemisetten, Schürzen den thatsächlihen Krankheits8- 
heerd abgeben können, falls sie aus Holzfaser bestehen. 
“ - möchte mich aber den Lesern gegenüber nicht auf diese kurze 
prakti: * Konsequenz meiner Beobachtungen beschränken, sondern den- 
jelben ou der Hand von Bersuchen, die in meinen Veröffentlichungen 
noch nicht niedergelegt sind, auch zu einem tieferen Verständniß des 
Wesens der fraglichen Krankheitsgifte verhelfen. I< muß das aber 
in zwei Absätzen thun, denn die Thatsache der „Uebertragbarkeit“ der 
Krankheiten durch Kleider ist eine so eigenthümliche Seite der Sache, 
daß sie gesonderte Besprechung verlangt, und diese will ich auf die 
nächste Nummer verschieben. 
Bei der folgenden Auseinandersezung nehme ich an, daß der Leser 
aus meinen früheren Veröffentlichungen weiß, die Fähigkeit, die Krank- 
I<
	        

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