Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Damit ist aber nicht gesagt, daß man nicht hie und da ein Reinigungsbad nehmen 
soll, aber nota bene nur, wenn man wirklich shmutig geworden ist. Wichtig 
ist mir die Nachricht, daß Ihnen als Lungenkrankem, d. h. wohl Tuberkulösem, 
das Wollregime sehr gut bekommt, denn über den Werth des Wollregimes bei 
dieser häufigsten und s<werstheilenden aller Krankheiten sind die mir zu Ohren 
gekommenen Erfahrungen no< sehr dürftig. I< bitte Sie deßhalb -- sowie 
jeden etwa im gleichen Spital kranken wollenen Leser =- dringend um weitere 
Mittheilungen. Daß Sie sich „wahrhaft unglüFlich unter der Last eines noch 
anormalen Ueberzieher8 fühlen“, muß eine dringende Aufforderung für Sie sein, 
denselben ehebaldigst. an einen Steifleinenen zu verhandeln. 
Au3 dem Brief eines Betersburger Wollenen an einen meiner 
wollenen Schüler: „Der reiche Herr K. (Großgrundbesiter in Südrußland), der 
sich seinerzeit über Dr. Jägers Wollkleidung aufgehalten hat, ist jezt zu meinem 
Erstaunen vollständig zur Wolle bekehrt, hat auch die ganze Jäger'sche Unter- 
wäsche angelegt. Er läßt jetzt über selbige nichts kommen und ist ganz entzüc>t 
davon. Nachdem er sie nun angelegt, wird diese Kleidung in Südrußland sicher- 
lich großen Anklang namentlich im ausgedehnten Kreise seiner Beamten finden, 
denn was eine. sol) hochgestellte Persönlichkeit und 30facher Millionär gut findet, 
kann unmöglich schlecht sein. =- Auch das Beit hat er vollständig normal. --- 
In Petersburg schlafe ich jezt im Winter stets bei offenem Fenster und befinde 
mich dabei außerordentlich wohl.“ =- Anmerkung Jägers35: Letzteres mögen 
insbesondere meine Leser in Finnland beherzigen, von woher wiederholt die Mel- 
dung gelangt, daß man daselbst Winter3 nicht bei offenem Fenster schlafen könne. 
Was in Peterösburg möglich ist, muß auch in Finnland möglich sein. 
Hrn. W. in Dr. Daß es im Normalbeit „zieht“, sobald eine Lüke an 
der Seite entsteht, ist ganz natürlich. Da3 falsche Bett verhindert, daß sich ein 
aufsleigender, durch die De>en gehender warmer Ventilationsstrom bildet, die 
Normalde>e = und das ist ihr Vortheil =- gestattet diese Ventilation, allein so- 
bald an der Seite ein Loh ist, so zieht dieser aufsteigende Strom natürlich dort 
kalte Luft herein. Daß Ihnen das nie eine Erkältung zugezogen, beweist, wie 
wenig ein nur halbwegs richtig sich verhaltender Menjch den Zug zu fürchten 
hat, aber unangenehm ist dieser Zug und wird derselbe eben einfach dadurc<h ver- 
mieden, daß man sich in das Couvert einwikelt. Die Sa>kform wäre über- 
haupt das Beste, aber an die will eben das Publikum noch nicht heran, Uebrigens 
daß es Ihnen im Normalbett überhaupt noc< nicht ganz warm genug ist, kommt 
zum Theil davon her, daß Ihre Tagesbekleidung noch nicht ganz wollen ist und 
Ihr 8--10stündiger Aufenthalt in einem. schlecht ventilirten, staubigen, überheizten 
Bureau mit steifleinenen Kameraden Ihrer Abhärtung no<h sehr hinderlich ist, 
Greifen Sie wegen letzteren Uebelstandes zur Platinlampe. =- Wenn Sie Bein- 
kleider mit innerer Gamasche tragen, so brauchen Sie keine Unterbeinkleider. = 
Wenn ein Wollener einmal auf kurze Zeit der Etiquette wegen das alte Gewand 
anlegt, so wird ihm das sehr unbehaglich sein, aber schädlich nur, wenn er es 
zu lange anbehält. 
Eine Abonnentin. Ihre Anfrage wegen Lüftung des Wollbettes und 
Wechsel der Unterkleider beantworte ich dahin, daß hier die einzige Vorschrift die 
ist, nicht srüher zu wechseln und zu lüsten, als bis sich ein deutlihes Bedürfniß 
vazu einstellt. Ein Vortheil des Wollregimes ist, daß man seinen natürlichen 
Instinkt wieder erhält, man hat nur auf die denselben bildenden Gefühle a<t Mu 
haben und diesen zu folgen, jo trifft man das Rechte. Für die Frauen ergibt 
si< als natürliche Zeit für den Wechsel der Unterkleidung =- alle 4 Wochen. 
Das Bett lüfte man dadurch, daß man an jedem schönen Tag die De>e zum 
Fensiet hinaushängt und dieses offen läßt, damit auch die Bettunterlage ver- 
üften kann. 
Gräfin R. Bis jekt find mir zwei Fälle von Kropfheilung bungen 
Voit bekannt geworden, Empfehle Ihnen deShalb dieselbe, kleiner wird - 
Kropf jedenfalls. Wollbinde allein nüßt nichts.
	        
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