Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Frühling8hauch oder Witterungswechsel genügte, und die Erkältung saß 
mir wieder Wochen lang wie ein Gletscher eisig kalt in. Brust und Hals. 
Im Sommer 14880 traten die Anfälle häufiger: und heftiger auf 
und überfielen mich meistens Nachts während des Sclafes in folgender 
Weise. Durch ein beengendes, drückendes Gefühl auf der Brust zur 
vollen Geistes3-3enwart aufgeweckt, konnte ich dennoch weder die Augen 
aufschlagen, noch überhaupt ein Glied rühren. J< fühlte den Herz- 
schlag immer shwächer werden, das Blut sich in allen Adern stocken ; 
ich wollte um “fe rufen, alles umsonst; kein Finger rührte sich, keinen 
Laut brachte ' heraus. Wie lange ich in solchen „Scheintod “-ähn- 
lihen Zuständen gelegen haben mag, weiß ich nicht; ih weiß nur, daß 
ich in furchtbarer Angst, um das Leben kämpfend, schließlich einen ent- 
setzlichen Schrei ausstoßen konnte, womit allmälig die Glieder, zuerst 
gewöhnlich der rechte Arm, wieder lebendig wurden.“ Eine ungeheure 
Schwäche, brennender Schmerz auf der linken Brust, Halsweh und 
Heiserkeit waren wie üblich die Folgen. Sofort bei Erwachen brachten 
mir naßkalte Umschläge und Frottirungen Linderung, mehrtägiges Bett- 
liegen und äußerste Ruhe Heilung. Solcher Fälle habe ich aus jenem 
Sommer und Spätjahr fünfe zu verzeichnen, ohne daß eine mir be- 
wußte Erkältung vorauSgegangen wäre. I< fühlte mich in sol<en 
Fällen todtkrank, vor Schmerzen oft bis zur Verzweiflung getrieben, 
an Geist und Körper gebrochen. In den kurzen störungsfreien Zeiten 
konnte ich mich des Lebens nie freuen, aus. Angst vor. dem nächst- 
folgenden Anfall, dabei war ich vom Kehlkopfkatarrh, mit belegter und 
ges<wächter Stimme, beständig geplagt. 
II. Während der Wollzeit. 
Im November 1880 ging ich zur Normalkleidung (Kragen, Kra- 
vatte und Hosentrügrrx ausgenommen) über; aus dem Bett wurde alles 
Leinenzeug entfernt, durch Wollteppiche und Flanell ersetzt, die Stahl- 
feder- und Roßhaarmatraße und Federnfüllung (in Flanell) bis heute 
noh gelassen. Aus jenem Winter und folgendem Frühjahr habe ich, 
leichten Schnupfen und Kehlkopfkatarrh abgerechnet, auch nicht einen 
einzigen Rückfall in's alte Leiden zu verzeichnen, troßdem ich bei 
Wind und Wetter ohne Ueberzieher und Cachenez ausgieng. 
IH fühlte mich wie ein junger Herrgott -- und ging die Sache 
ganz flott bis im Juni 1881. Nicht ahnend, welche unheilvolle Folgen 
kalte Bäder in Verbindung mit dem Wollregime haben, nahm ich auch 
damals meine allsommerlihe Abhärtungsmethode wieder auf. Beim 
ersten und zweiten Bad gieng es mit leichten Rheumatismen der alten 
Stelle, Schnupfen und Schwäche ab; vom dritten Bad, dem ich noch 
äine kalte Douche auf die Brust beifügte, trug ich eine 14tägige leichte 
Rippenfellentzündung davon, wobei auch zum erstenmal die rechte Brust- 
seite angegriffen war. Feuchte warme Ums<hläge, Sc<witen und 
wirklich geeignete medizinische Mittel halfen mir rasch wieder zu meinen 
Kräften. Früher verschafften mir die kalten Bäder immer Linderung, 
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