Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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sc<einen. So wurde das Leinengewebe zum heiligen Gewand, damit 
aber erst recht die ausschließlihe Wollkleidung zum Profangewand. 
Denn so gut es nun für Sünde galt, den zum rituellen Gegenstand 
gewordenen Leichnam in Wolle zu begraben, so sicher galt es für 
Sünde, bei seinen Profanbeschäftigungen seinen Leib in das nur zu 
rituellen Zwecken zugelassene Leinengewebe zu hüllen. 
Mißerfolge des Wollregimes. 
Wer alle meine Publikationen gelesen hat, weiß recht gut, daß 
ich niemals behauptet habe, das Wollregime sei ein Univ ersalheil- 
mittel, und niemals behauptet, dasselbe schüße gegen alle Krank- 
heiten. Da immer wieder das Gegentheil ausgestreut wird, so will 
ich auf Grund der nunmehrigen Erfahrungen kurz auch zeigen, was 
das Wollregime nicht leistet. 
Zunächst in der Richtung der Krankheitsverhinderung gilt 
folgendes: 
Wenn ein kranker Mensch das Wollregime annimmt, so ist er 
damit no< nicht sofort wetter-, seuchen- und affektfest, sondern 
erst dann, wenn ihn die Wolle geheilt hat. Wo sie diese Heilung nicht 
vollbringt, erhöht sie allerdings die Widerstandsfähigkeit gegen die ge- 
nannten Schädlichkeiten ganz entschieden, aber von vollständiger Wider- 
standsfähigkeit ist absolut keine Rede. Ist die Heilung perfekt, dann 
tritt --- und das wird durch keine biSherigen Erfahrungen umgestoßen -- 
eine Wetterfestigkeit ein, welche genau so groß ist wie die des 
Thiers, nicht mehr und nicht weniger. 
Bei der Seuchenfestigkeit habe ich stets die Einschränkung 
gemacht, daß das Wort nicht für alle Seuchen in gleihem Maße 
gilt, daß hauptsächlich die sogenannten abdominalen Seuchen (Cholera, 
Typhus, Ruhr) beim Wollenen keine Stätte mehr finden dürften, daß 
aber gegenüber den seuchenhaften Hautkrankheiten zunächst nur von 
verminderter Anste>ungsfähigkeit“ gesprochen werden dürfe, und behielt 
mir über <ronische Seuchen, wie z. B. Syphilis, jedes Urtheil vor. 
Dieser mein ursprünglicher Standpunkt ist bis heute noch nicht 
verrückt worden, und zwar weder nach der positiven, noch nach der 
negativen Seite. Es giebt und wird immer geben gewisse Krankheiten, 
vor denen das Wollregime nicht schüßt, so weiß ih, daß Wollene an 
Herzs<lag sterben können, daß sie die in ihren Ursachen noh völlig 
dunkle Zu >kerharnruhr bekommen können, und selbstverständlich 
verhindert die Wolle weder Erkrankung durch kontinuirlihen Genuß 
verdorbener Nahrungsmittel, noch Erkrankung durch Inhalation giftiger 
Dämpfe, also mit einem Wort; die Krankheiten durch Fremdver- 
giftung sind nicht ausgeschlossen. Sie schüßt nur gegen die aus 
Selbstvergiftung entspringenden Uebelstände. 
In Bezug auf die Heilkraft des Wollregimes kann ich die 
biSherigen Erfahrungen dahin vesümiven:
	        

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