Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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Wünschen Sie, verehrte Anwesende, .daß ic< mich hier weiter mit diesem 
Manne beschäftige ?“ 
Hierauf brachte das Leipziger Tageblatt vom 45. April folgendes 
Schreiben Niemeyer3 zum Abdruck: 
Berlin W., 13. April 1883. Geehrte Redaction! - Da mir erst heute der 
Bericht Ihres geschäten Blattes über den schon am 5. d. M. vom Stuttgarter 
„Schneiderkönig“ (Prof. Jäger. D. Red.) im Kaufmännischen Verein gehaltenen 
Vortrag zu Gesichte kommt, so möchte ich troß der Verspätung um gefällige Auf- 
nahme einer Berichtigung der geradezu aus der Luft gegriffenen, also völlig 
wahrheit8widrigen, meine Person betreffenden Schlußbemerkung ergebenst ersuchen : 
Weder mittelbar noch unmittelbar gab mir Jäger jemals seine Absicht kund, 
mir „öffentlich gegenüberzutreten und mit mir zu diöScutiren.“ Nur aus dem 
Hinterhalte versuchte er mir in der Weise beizukommen, daß er durch seinen hiesigen 
„Bazar“ an' dem von uns am 7. November im Rathhaussaale abgehaltenen Vor- 
tragsabende, was wir ruhig geschehen ließen, unter die zahlreiche Zuhörerschaft 
ein Exemplar seines „Ulkblattes“ mit einem von mir als größtentheils aus Un- 
wahrheiten bestehend schon längst gekennzeichneten Schmähartikel gegen mich ver- 
theilen ließ. I< meinerseits beschränkte mich darauf, für den nächsten Abend 
(5. December) einen Vortrag über „wissenschaftliche Hygieine der Bekleidung“ 
anzuzeigen, in welchem ich, rein positiv vorgehend , zu der Schlußfolgerung ge- 
langte, daß die Lehre von einer „einzigen und ausschließlihen Normalkleidung“ 
von vornherein unhygieinisch und darum wissenshaftlich überhaupt nicht diScutabel 
sei. Nebenbei nur machte ich auf die Ungeheuerlichkeiten aufmerksam, in die sich 
Jäger verliere, besonders in die Anpreisung von wollenen Taschentüchern und 
den Lehrsatz: „Je mehr Seifeverbrauch (also Reinlichkeit), desto mehr Krankheit.“ 
Von seinem Ende November hier gehaltenen Vortrage brauchte ich um so weniger 
Notiz zu nehmen, als ich von ihm, wie gesagt, nur, zufällig, durch die Placat- 
säulen Kenntniß erhielt und das Ganze ausgesprochener Maßen vom hiesigen 
Geschäfte (wo auch die Billets geholt werden mußten) behufs Reclame in Scene 
gesebt wurde. Da mir jedoch der Inhalt im zuverlässigen Stenogramm vorgelegt 
wurde, so kann ich berichten, daß Jäger nur von Gegnerschaft im Allgemeinen 
sprach und sich wohlweislich hütete, meinen Namen auch nur zu nennen. Ja 
no< mehr! Von anderer, hygieinisch unterrichteter Seite wurde gleich vor Beginn 
in schriftlicher Form der Antrag auf nachherige Discussion gestellt, dieser Antrag 
aber -- wie auch in hiesigen Zeitungsberichten zu lesen war -- von Jäger aus- 
drülich abgelehnt! =- Und da wagt dieser Mensch die Behauptung, man hätte 
sic in Berlin vor ihm „verkrochen!“ Wenn er sich hier etwas darauf zu Gute 
that, daß er „als kgl. Württembergischer Staatsbeamter feine Unwahrheit sagen 
dürfe“ , so scheint er in Leipzig nur als „Wollener“ gesprochen zu haben, wie's 
mir denn immer mehr so vorkommt, als ob sich die durchs Wollenregime angestrebte 
Thierähnlichkeit in ihren Aeußerungen nicht blos auf das Körperleben beschränkte. 
Eine eingehende sachliche Beleuchtung gab ich in meinen „ärztlichen Sprechstunden“ 
Bd. XI1 Nr. 2: „des Schneiderkönigs Jäger Auftreten in Berlin, Beitrag zur 
hygieinischen Sitten- und Culturgeschichte nebst Studie über die Kräzkrankheit“. 
Hochachtung5voll ergebenst 
Dr SiN Ie men er. 
4 Als Erwiderung erschien von mir im Leipziger Tageblatt vom 
22. April folgende Erklärung: 
„Die Veranlassung meines öffentlichen Auftretens in Berlin waren 
die Vorträge, welche Herr Niemeyer in der Berliner Sc<neider- 
akademie hielt. In denselben wurde über meine Bekleidungsreform 
falsch referirt und dieselbe nicht widerlegt, sondern verhöhnt. Zu meinen 
Vorträgen sandte ich Herrn Niemeyer Einladungskarten durch meinen 
Nortreker und die Nr. 4 meines Monatsblatt38, wo auf pag. 43 meine
	        

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