Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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keine Erkältung. J< fühle mich diesen äußeren Einwirkungen gegenüber 
emancipirt, freue mich kein Sklave der Mode mehr zu sein und bin erstaunt 
und erfreut wie wenig der Mensch in Bezug auf sein Aeußeres braucht, 
um troßdem das Bild der peinlichsten Sauberkeit, niht nur was die äußere 
Bekleidung, sondern auch was die Propretät des nackten Körpers anbetrifft, 
abzugeben. Der Körper duftet nur noch und stinkt niht mehr, wie selbst 
in der saubersten Baumwollbekleidung, wo tägliche Waschungen, täglicher 
Wechsel der Leibwäsche auch nicht den reinlichsten Menschen vor der eigenen 
üblen Ausdünstung schüßen kann. 
Zu einem Normalbette habe ich es noch nicht gebracht, doch schlafe 
ich in eine weißwollene De>e auf Roßhaarmatrate gehüllt und mit einer 
di>en rothen De>e zugedeckt so. schön, wie nie zuvor. Kein Nachtschweiß, 
kein Frösteln beim Eintritt in das Bett, eine häufige Ursache der Erkältungen! 
Wie sc<nell und leicht ist der kleine Tornister gepa>t, um mit den 
nothwendigsten Requisiten, ausreichend auf 4 Wochen beispielsweise an den 
Ufern des Rheins entlang zu wandern und hierbei im Vollgefühl der 
emevererbangten Spannkraft auszurufen „O Königin, das Leben ist doch 
ön! -- 
Sollte Ihnen dieser Brief, mein geehrter Herr Professor, genehm 
sein in Jhre Monatsschrift aufzunehmen, so stelle ich Ihnen denselben hier- 
mit zur Verfügung, wobei ich zum Schlusse es für meine Pflicht erachte, 
„Fhnen gleichzeitig noch mitzutheilen, wie selbst ver Instinkt des Hundes 
sich zur Heilung seiner Leiden die Wolle sucht. 
In meinem Schlafzimmer stehen 2 Betten, das meinige und das 
meiner Frau, leßteres ein Federbett. 
Mein treuer alter Hund erkrankte an bräuneartigem Husten. J< 
flößte ihm einen Löffel Olivenöl ein, worauf derselbe, der nie die üble 
Gewohnheit hat, sich eine dieser Lagerstätten aufzusuchen, mein Bett, 
worauf die wollenen Deen liegen, mit Wohlbehagen beschnuppert und dann 
mit kühnem Satz sich förmlich in dieselben hineinrollt. Ein tiefer Schlaf 
trat ein und nach Verlauf von wenigen Stunden sprang derselbe vollständig 
gesund aus dem ihm sonst unbekannten Lager heraus! -- K., Major a.D. 
(Möchte man da nicht ausrufen: wie so mancher Mensch ist doch 
dümmer als ein Hund! Jäger.) 
Fragekaften. 
1) Kann man es wohl einem Menschen anriehen, ob er Vegetarianer ist 
oder nicht ? -- (So gewiß als man das an dem Auswurf riechen kann. Jäger.) 
2) Würde man wohl an der Ausathmung eines strengen Vegetaria- 
ners und eines „Auch-Vegetarianer8“ einen Unterschied machen können ? Unter 
„Auch-Vegetarianer“ versteht man solche, wel<he ab und zu auch Fleischspeisen 
genießen. =- (Gewiß. Jäger.) 
3) Das Einathmen des Tabakdunstes ist doch der Gesundheit nachtheilig! 
Und dennoch , geehrter Herr Professor, rauchen Sie! =- Der Saß, daß Rauchen 
unbedingt schädlich resp. der Rauch nur schädliche Stoffe enthalte, ist ganz falsch. 
Die tägliche Erfahrung lehrt, daß derselbe Stoffe enthält, die in gleicher Weise 
wirken wie das Ozogen, d. h. als Duftimörder und deßhalb „Affektstiller“. 
Durch Rauchen kann man sich Hunger, Schlaf, Zorn, Aerger, Müdigkeit und eine 
Reihe von Krankheitsaffekten wie Zahnschmerz, Kopfschmerz , Bauchweh 2c. ver- 
treiben. Der Ausdru „Friedenspfeife“ ist vollständig zutreffend, weil das Rauchen 
„Seelenruhe“, und zwar ohne die bei Opium mitlaufende Betäubung, zu er-
	        

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