Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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um die Unterjuchung zu erleichtern, sein geschlossenes Wollhemd mit 
einem vorn offenen Weißhemd vertauscht. Schon während der Fahrt 
nach Cannstatt sei ihm eine Verbesserung aufgefallen und während der 
Untersuchung des seine Rathlosigkeit dem Fall gegenüber offen einge- 
stehenden Arztes hätte sich die Gefühllosigkeit noch mehr gehoben. Er 
habe dieß nun dem Arzt mitgetheilt und bemerkt: er trage immer ein 
Wollhemd und nur -hente ausnahmsweise ein leinenes, ob am Ende 
die Sache vom Wollhemd herrühre? Der Arzt meinte, da könne er 
weder ja noh nein sagen, er rathe ihm aber, das Wollhemd wieder 
anzulegen und eine spirituöse Einreibung zu machen. Auf der Heim- 
fahrt sei nun die Gefühllosigkeit vollständig verschwunden und 
er. komme jet zu mir um Aufklärung.“ 
I% orzählte ihm nun meine Geschichte mit der schwarzen Hose, 
fragte "1. welche Farbe das betreffende gehabt habe = „Grau“ 
(aljo  tauh? *) = endlich fiel ihm ein: Er trage, wie ich wisse, sich 
meist braun und dunkelblau und die Sache habe genau damals ange- 
fangen, als %y wegen eingetretener Hoftrauer viel schwarze Oberkleider 
zu traa*? mon. So war das NRäthsel gelöst. 
'ge zälle trug ich, um meinen Geschäftsleuten die Wichtig- 
keit einoy "eaimeänderung klar zu machen, in der regelmäßigen Sttung, 
die ich mit imm halte, vor. Da bemerkte der anwesende Hutmacher 
Wolf: „>?3 31" % die Haut schließlich vollständig gefühllos mache, 
wissen ele Hutmacher, da sie die Hüte mit Blauholz färben“. Zur 
Bekräftigung nahm er seine brennende Cigarre und drückte die Gluth 
fest auf seine Hohlhand, bis es anfing nach verbranntem Horn zu 
riechen, ohne eine Miene zu verziehen. 
Nun gehe ich zur rothen Farbe (Cochenille) über. Mit ihr ge- 
wann ich an mir und meiner Familie nur günstige Resultate sowohl 
neuralanalytisch als bei der Tragprobe, namentlich sehr angenehm fan- 
den wir <amois, das sich auch beim Waschen sehr gut hielt. Ein 
homöopathischer Arzt, mit dem ich hierüber gesprochen, hatte mir aber 
schon im vorigen Frühjahr gesagt, Cochenille sei ein Nierenmittel und 
keine8wegs für alle Leute gut. Das schrieb ich mir hinter die Ohren 
und siehe da: 
1. Fall. J< hatte meinem Freund Fr. v. H. (siehe oben 
Fall 3) gerathen, statt des grauen Hemdes ein Chamoishemd zu tragen 
wie icß. Mehrere Wochen hörte ich nichts mehr von ihm, endlich kam 
er und berichtete Folgendes : 
„Mit Beseitigung des Grauhemd3 sei die Gefühllosigkeit aller- 
dings verschwunden, allein statt dessen hätten sich allmählich ziehende 
Schmerzen und Zuckungen in den Muskeln der Brust, auch der Beine 
eingestellt, und eines schönen Tages sei ihm plötzlich die Vermuthung durch 
den Kopf geschossen, es sei bei ihm die Rü>enmark3shwindsucht 
im Anzug. Der Gedanke hätte bei ihm eine förmliche Todesangst 
hervorgerufen und er habe sofort mehrere Aerzte Stuttgarts um Rath 
gefragt. Dieselben haben nun bestimmt erklärt, diese Krankheit sei das
	        

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