Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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speicherung gibt, beweisen ja die Kinderkrankheiten zur Genüge), hervor. 
Also steht das in Wolle gebettete Kind einer wollenen Mutter von 
Haus aus unter günstigeren Bedingungen als das wollene Kind einer 
in Holzfaser gekleideten Mutter. 3) Auch wo obiger Umstand nicht vor- 
handen, die Mutter während der ganzen Schwangerschaft in Wolle war, 
ist ein öfteres Wundwerden möglich, wenn das Kind zu di> ein- 
gewickelt und das Wohnzimmer nicht ausgiebig gelüftet und desodorisirt 
wird. Sicher bieten aber hier die Reglin'schen Mittel eine vortreffliche 
Handhabe zur Beseitigung und Verhütung. Unser Kind ist auch in 
dem Stü> wollen, daß es seit der Geburt wenigstens Nachts, mit Aus- 
nahme einer einzigen Nacht, stet8 bei offenem Fenster geschlafen 
hat, und zwar ges<hlafen hat; denn es ist durchschnittlich sehr brav. 
Manchmal meldet es sich über Nacht gar nicht, manchmal einmal, 
selten zweimal, und das erst wieder, seit es zahnt. Das Kindlein ge- 
deiht, daß jedermann sein Erstaunen bezeugt und daß sein dankbarer 
Vater mit Vergnügen andere auf diese Behandlungsweise aufmerksam 
macht. 
Beric<te Woslener. 
1) Sie werden sich nicht wundern, aus der „Venetis des Noordens“, 
der feuchten „Grachtenstadt“ einen „Wollbrief“ zu erhalten voll Bestäti- 
gungen Jhres herrlichen Regimes und voll Dank für dasselbe. Wir die 
Unterzeichneten sind zwar erst seit Jahresfrist Wollene, aber im Feuer und 
Wasser erprobte, und sind durch die Erfahrungen, welche wir gemacht haben, 
vielleicht mehr berechtigt, ein Hoheslied der Wolle zu singen, als mancher 
fünfjähriger Wollener, der nicht wie wir genöthigt ist, sich täglich wieder- 
holt vem schroffsten Temperaturwechsel auszuseßen. 
Wir sind beide Musiker, er Violinist, ich eine Quinte tiefer Brat- 
schist, aber troß dieser viersaitigen Beschäftigung keine einseitigen Menschen 
und wohl im Stande, über so hochinteressante Fragen, wie Sie sie an- 
geregt und erörtert haben, nachzudenken. 
Die Gründe, welche uns veranlaßten, zum Wollregime überzugehen, 
lagen in unserer Berufsbeschäftigung und der durch dieselbe veranlaßten 
meist höchst ungesunden Lebensweise. Als Mitglieder der Bilse'schen Ka- 
pelle sind wir in Berlin genöthigt, täglich vier Stunden des Abends in 
einer überhißten, durh Tabak und die Ausdünstungen einer erregten Menge 
meist verdorbenen Luft zuzubringen, uns physisch und nervö3 bis zum kom= 
pletten Schweißbade aufzuregen und dann nac) Schluß des Konzerts so- 
fort den Saal zu verlassen, um in obigem Zustande in eine Winters kalte, 
im Frühjahr und Herbst feuchtkalte Luft hinauszutreten. 
Die Indispositionen, welchen wir als damals Nichtwollene unrettbar 
verfielen, erschienen uns zwar natürlich, da wir sie an allen Kollegen be- 
obachteten, die stete Wiederkehr derselben und die damit notwendigerweise 
verbundenen Berufsstörungen jedoch ließen uns auf Mittel sinnen, wie 
diesen Uebelständen zu begegnen sei. 
Nun hatte ich früher, allerdings unter weit günstigeren Verhältnissen, 
stark in VegetarisSmus gearbeitet und denselben als ein nicht zu verachten- 
des Mittel gegen Nervosität und Blutüberhißung erprobt. Wir begaben.
	        

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