Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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Pfanne, oder auf den Teller, oder in den Magen -- auf einer weißen 
Weste sind sie Shmutß. Auch die Kohlensäure =- von den andern, bis 
jeßt durch die Chemie noch nicht hinlänglich definirten Exkreten der Lunge 
und der Haut ganz abgesehen -- ist ein sehr reinliche3 Gas etwa im Soda- 
wasser, im Bier, oder sonst wo, in der Athemluft aber ist sie Schmuß, oder 
auch Gift, wie man es nehmen mag. 
Wer nun in geschlossenen Räumen sc<läft, der beschränkt die Luft- 
erneuerung und ist um so mehr auf das den jeweiligen Raum beim Schließen 
erfüllende Luftquantum angewiesen, je besjer und hermetischer der Ver- 
jc<hluß ist. Mit jedem Athemzuge vermindert er die Menge seines unent- 
behrlichsten Nahrungsmittels, des Sauerstoffes, mit jeder Ausathmung ver- 
mehrt er die Masse seiner Lungenexkremente resp. Lungengifte. Dazu 
kommen noch alle flüchtigen Hautexkrete, welche gleichfalls als Lungengifte 
aufzufassen sind. Jmmer und immer also athmet er wieder aufs Neue ein, 
was seine Lunge, wie seine Haut als Schlacke seines Lebensprozesse3 von 
sich gestoßen hat. Prinzipiell thut er gar nichts Anderes als Derjenige, 
welcher =- man verzeihe den gelindesten der denkbaren Vergleiche -- sein 
Wasc<wasser als Trinkwasser benüßen würde. Das Alles würde er natür- 
lich nicht thun, wenn sich der Schmut der Athemluft sinnlich ebenso un- 
angenehm wahrnehmbar machen würde, als der Shmuß des Waschwassers. 
Die Kohlensäure hat nun eben einmal neben andern schlimmen Eigen- 
schaften auch die für uns verhängnißvollste, daß wir sie weder sehen, noch 
riechen, noch schmeden können. Aber sie verliert dadurch nicht das Ge- 
ringste von ihrem Charakter als Schmuß in der Athemluft und als Lungen- 
gift. Könnte Herr Verfasser des betr. Artikel5 sehen, riechen und schmecken, 
was er ausathmet und ausdünsiet, er hätte keinen Sc<merzensschrei über 
Nachtluft von sich gegeben, sondern ruhig seine Fenster aufgemacht. So 
aber hält er „nach alter Uebung Nachts Fenster wie Thüren geschlossen“. 
Einstweilen: Guten Appetit und gesegnete Mahlzeit. 
Unser Autor hat noch weitere Gründe für die Schädlichkeit der 
Nachtluft : „Nicht umsonst schien die Mütter ihre Kinder, gewöhnliche 
Aerzte ihre Rekonvaleszenten am späteren Abend ins Innere der Häuser." 
„Gewöhnliche Aerzte!" Das hätte kaum besser gegeben werven können. 
E35 klingt etwa wie „gewöhnliche Musikanten“ und die machen bekanntlich 
für gewöhnlich ziemlich gewöhnliche Musik. Aber darf e8 denn gar keine 
ungewöhnliche Aerzte geben, oder liegt etwa der Beweis für die Wahrheit 
einer Theorie in der „Gewöhnlichkeit“, mit welcher sie vorgetragen wird, 
oder endlich ist etwa Rekonvaleszent gleichbedeutend mit „Gesund“? Lesen 
wir nun gar noch, daß sich verständige Menschen des Abends von selbst 
ins Innere der Häuser begeben, so stehen wir dieser Logik thatsächlich 
rathlos gegenüber. J< begebe mich des Abend38 auch von selbst in das 
Fnnere der Häuser, habe also nach. des Herrn Verfasserx3 Theorie einigen 
Grund, mich zu den verständigen Menschen zu rechnen, aber ich thue das 
meistentheils, um dort die Ruhe zu finden, welche ih nach des Tages Ar- 
beit beanspruchen zu dürfen glaube oder auch, weil ich noc<h Dieses oder 
Jenes zu thun habe, wozu man Feder, Tinte und Papier braucht und 
was sic, wie z. B. eine Antwort auf einen Nachtluftartikel, nicht auf 
offener Straße abmachen läßt, oder aus sonstigen Gründen, aber doch 
wahrhaftig nicht um die Fenster in meinem Schlafzimmer zuzumachen. Die 
bleiben davon ganz unberührt, d. h. sie stehen immer offen mit Ausnahme 
der Hundstage, wo sie am Tage geschlossen werden. So treibe ich das
	        

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