Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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burg eine Begrüßung3feier der Mitglieder der deutschen Polar- 
Expeditionen, sowie des Afrikareisenden Dr. Fischer veranstaltet. Bei 
dieser Gelegenheit theilten die Führer der Expeditionen mancherlei Jnter- 
essantes mit. Zuerst spra<h, wie wir der „Frankf. Ztg.“ entnehmen, Herr 
Dr. Giese, der Führer der Expedition nach Cumberland - Sund. 
Die Kälte stieg im März bis auf 41" Celsius; wie enorm übrigens die 
Temperaturschwankungen sind, zeigt der Umstand, daß der auf jenen kältesten 
Tag folgende 1* Celsius über Null zeigte. Im August stieg die Wärme auf 20* 
Celsius. Erwähnen3swerth ist,- daß alle Mitglieder der Expedition in Wolle 
gingen; als an einem besonders kalien Tage eines der Mitglieder seinen Pelz 
anzog, wurde es ihm so heiß, daß er den Pelz ablegen mußte, eine gute Ne- 
klame für die Jäger 'sche Normalkleidung. Unangenehmer als die Kälte 
ist der die Augen angreifende Glanz des Schnees; er soll an bedekten Tagen 
uoch schlimmer auf die Augen wirken, als an sonnigen. Bei der großen Vor- 
sicht, welche die Mitglieder der Expedition anwandten, indem sie die Scneebrillen 
im Freien nie ablegten, blieben ihre Augen gesund. Uebrigens machte Herr 
Dr. Fischer die launige Bemerkung, daß auf der Welt merkwürdige Dinge vor- 
gingen ; während einer seiner Kollegen am Nordpol im Pelz geschwißt habe, 
habe er sich am Aequator kalte Füße zugezogen. Man ist eben am Aequator 
nicht so vorsichtig wie am Pol, und da die Temperatur oft erheblich wechselt, so 
ist es nicht unmöglich, sich am Aequator einen Schnupfen oder kälte Füße zu holen. 
Sympathieduft als Wohlgeshma>k. In Jung's „Australien“ 
(erschienen in der Bibliothek: Wisjen der Gegenwart Band U1 Seite 98) 
findet sich folgende Stelle : 
„Da3 aus der Wurzel von Piper methysticum bereitete berauschende 
Getränk Kawa ist allen Polynesiern bis auf die Maoris eigenthümlich. 
Die Bereitung geschieht dvurh Kauen und Auslaugen der Wurzel, welche 
zuvor in Stücke geschnitten wurde. Das Geschäft des Kauens liegt jungen 
Mädchen ob (auf Viti jungen Männern, wo die Kawa nicht so gut wie 
auf Hawaii oder andern Inseln schmecken soll). Es ist nach unseren Be- 
griffen nicht gerade sehr appetitlich, scheint aber dem Getränk jeine besondere 
Würze zu verleihen, da selbst Europäer auf Viti versichern, daß die so zu- 
bereitete Kawa derjenigen weit vorzuziehen sei, welche man im Znnern von 
Viti-Levu. aus zerriebenen (also nicht gekauten) Wurzeln braut. Welchem 
Umstande dies zu danken ist, entde>te der Regierungsarzt Macgregor in 
Levuka, indem er die Wurzel vor dem Kauen und nachher wog. Nachdem 
sechs Unzen Kawawurzel durch die Zähne eines Vitimäd<hens gegangen 
waren, hatten sie um elf Unzen zugenommen; ein Kommentar dazu ist 
nicht nöthig. Wenn aber früher vft behauptet wurde, daß der Gährung5- 
prozeß dabei eine Rolle spiele, so hat Max Buchner darauf hingewiesen, 
daß die Kawa ein reiner Aufguß ist, bei welchem der wahrscheinlich geringe 
Stärkemehlgehalt der Wurzel durch den Speichel in Zu>er umgeseßt wird 
und daß Gährungsprozesse immer einer gewissen Zeit bedürfen. Die Kawa 
wird sofort nach ihrer Zubereitung getrunken“. 
Mir scheint, daß ein Kommentar hiezu doch nöthia ist. 
Meiner Ansicht na< wirkt der von den Mädchen hinzugefügte 
Speichel auf die Häuptlinge, welche diesen Trank einzig und allein trinken 
dürfen, in sehr angenehmer Weise, was man aus den Gesetzen über Sexu- 
alität und Sympathie aus Ihrem Werke „Entde>ung der Seele“ heraus- 
folgern kann. A. S. in Hamburg. 
Zu obigem bemerke ich (Jäger): Warum sagt denn alle Welt, daß 
die Küsse ver Mäd<en süß s<hme>en? Es ist geradezu unglaublich,
	        

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