Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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allerdings gestunken und dieser Geruch sei dann in's Freie getreten , worauf der 
Patient aber noch nicht gesund geworden seiz; das sei nur eine erste Krise ge- 
wesen, aber der Patient müsse noch viel mehr stinken, wenn er gesund werden 
solle . . . . Wir wünschen Herrn Jäger und seinem Patienten guten Appetit 
und unempfindliche WeruchöSorgane . . “ 
I< glaube wohl, daß dem Berliner Börsencourier der Stil nicht 
gefällt, den ich meiner Sache gedreht habe. Nachdem man geglaubt, ich 
sei in Baden-Baden todt gemacht worden, steht der „verfluchte Seelen- 
riecher“ jeht an der Spitze eines Blattes, einer Garde von Geschäftsleuten 
und einer durch die ganze Welt verbreiteten täglich wachsenden Schaar be- 
geisterter und dankbarer Anhänger aus allen Ständen und Berufsarten, 
Christen, Juden und vielleicht auch schon Heiden. Das ist sehr verdrieß- 
lich, das BVerdrießlichste aber ist, daß der Chefredakteur der Ber- 
liner Börsenzeitung durch seine Gesundheit5zustände selbst 
gezwungen worden ist, „Wollener“ zu werden, wie mir einer 
s<reibt, der es aus seinem Munde hat. Er gehört also zu meinen 
„undankbaren“ Anhängern; vielleicht wäre er bereits ein „dankbarer“ ge- 
worden, wenn er sich nicht schon so oft an mir den Mund verbrannt hätte. 
Aber ich kenne das? es geht mir hier ähnlich wie Fürst Biösmar>, den 
man in den „äußeren“ und „inneren“ Bi3mar> zerlegen möchte. Man möchte 
sich von dem „Wolljäger“ gern gegen „äußere Feinde“ beschützen lassen, 
aber den in's „Innere“ sc<hnüffelnden „Seelenjäger“ in's Pfefferland 
schien. Da3 gelingt aber bei mir so wenig wie bei jenem. 
Fragekalten. 
1) „Wie kommt es, daß ich troß Jägerschuhe und wollener Zehenstrümpfe 
doch eiskalte Füße habe?“ Weil, wie aus Jhrem Schreiben hervorgeht, die 
Wolle Jhre Heilung noc< nicht durchgeführt hat. Aus Jhnen entweicht noch 
immer ein „erfältender“ weil die Hautgefäße zusammenziehender Krankheitsduft, 
Versuchen Sie es einmal mit Strümpfen aus Angorawolle. 
2) „Wäre es nicht praktisch, die Leibbinde so groß zu machen, daß sie den 
ganzen Unterleib bede>t ?* Nein, weil man die „ausdünstende“ Fläche nicht un- 
nöthig verkleinern darf, denn „Beförderung der Ausdünstung“ ist der Endzweck 
der ganzen BedeXungste<hnik. Der Nabel ist der Mittelpunkt der Gefäßendigung 
und der muß stärker bede>t werden, aber nicht viel mehr. Darauf beruht auch 
die Wirksamkeit des bekannten „Choleragürtel 3“ der Engländer. 
3) Die Anfrage wegen der Unvollkommenheiten der Platinlampe beant- 
worte ich dahin: 1) Hauptsache ist die Reinheit d. h. Stärke des Weingeistes ; 
wenn es. hieran fehlt, nüßt alles nichts. 2) Vom Docht dürfen keine Fäden ab- 
stehen, welche die Drähte berühren. 3) Der Docht darf nicht verkohlt sein, des- 
halb lösche man die Lampe stets, ehe aller Spiritus verdunstet z nur wenn man 
sie von selbst ausgehen läßt, tritt zum Schluß Verkohlung des Dochtes ein. 
4) „Was5 verstehen Sie unter Naturbraun ?* Einen Stoff, der „von 
Natur“ braun, d. h- durch Mischung von Wolle weißer und schwarzer Schafe 
erzeugt, also frei von „Kunstfarbe“ ijt. Von Oberkleiderstoffen sind bei meinen 
Schneidern zwei Nüancen zu haben: ein helleres Modebraun und ein dunkleres 
Chofoladebraun, sowie „Pfeffer und Salz“. Daß unter den von meinen Schnei- 
dern versendeten Mustern auch andere Stoffe: graue, blaue und schwarze sind, 
kann ich nicht ändern, so lange die überwiegende Majorität der Wollenen sich 
„die Farbe nicht vorschreiben lassen will“. Hier muß die Zeit und die Erfahrung 
Rath schaffen. 
5) „Die Platinlampe ist wundervoll; aber wie beseitigt man den durch 
sie erzeugten Überaus verstimmenden Kopfschmerz in den Schläfen?“ Gegen 
diesen nur bei „einzelnen“ Personen auftretenden Uebelstand weiß ich noch
	        

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