Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1884, Bd. 3, H. 1/12)

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Jünger sofort übermitteln zu können. Daß unser Verein durch ernste 
Arbeit und heiteres Spiel mehr und mehr eine Stüße Jhrer und 
unserer guten Sache werde, wünschen wir von Herzen. 
A. P. u. W. E.-“ 
Das Anthropin. 
Meinen ersten Bericht über diesen so viel umstrittenen Gegen- 
stand kann ich nur mit dem Worte einleiten: „Sieg!“ 
Zunächst haben nicht blos die Wißblätter, sondern auch die 
Tagesblätter in ausgiebigem Maße dafür gesorgt, daß die Sache in 
den weitesten Kreisen bekannt wurde, und wenn auch mancher nur aus 
Neugier, oder um sich einen Jux zu machen, Pillen kaufte, so wird's 
eben auch gegangen sein, wie allemal bei meinen Wandervorträgen 
über die Wolle, wo auch weitaus die meisten blos aus Neugier oder 
weil sie einen Ulk erwarten, kommen, um den Saal dann nach dem 
Vortrag mit ernsten Gedanken und Erwägungen zu verlassen. 
Thatsache ist: die Nachfrage nach den Anthropinpillen ist eine 
ganz überraschend große; das hätte Niemand von uns geahnt. Für 
jet bleibt mir meinen Lesern gegenüber zunächst folgendes übrig : 
Zunächst will ich genau angeben, wie man die sog. Humanisir- 
ungsprobe Ungläubigen vorführt. Einmal ist zu sagen, wenn man 
von 2 Gläsern Wein oder Bier das eine mit einem Anthropinkorn ver- 
sieht, so ist die Probe nicht überzeugend , weil der Ungläubige das 
Milderwerden der Wirkung des Milchzu>er3 zuschreibt; man muß zu 
diesem Behuf außer den Anthropinkörnern noch Streukügelchen haben, 
welche nicht imprägnirt sind, sog. unarzneiliche Streukügel<hen, die in 
jeder homöopatischen Apotheke zu haben sind. Man wirft dann in das 
eine Glas das unarzneilihe Korn und in das andere das Anthropin- 
forn, wozu Nr. 1 gewählt werden soll. Bei der Prüfung darf nie 
das humanisirte Glas zuerst genommen werden, weil an den Lippen 
des Prüfenden genug Anthropin haften bleibt, um sofort auch dem 
andern Glas den Anthropinges<hma> beizubringen. Man nippt zu- 
er't 1 dem nicht-humanisirten Glas, und dann am humanisirten ; 
serb-s ständlich ist es auch nicht erlaubt, na< dem Sc<lu> an dem 
„um “firten sofort zur Rükvergleihung noh einmal die humanisirte 
>Yüsj? keit zu kosten. Will der Prüfende einen zweiten Versuch machen, 
j9 muß er sich die Linyen gut reinigen und mindestens einige Minuten 
warten. Auch int es, wenn man wiederholt probiren will, störend, 
wenn man von der humanisirten Flüssigkeit einen zu großen Schlu> 
nimmt. Kurz, es sind die Regeln zu beobachten, die jeder Wein- 
s<hmeder einhält. Zwecdmäßig kann man noch vor der Schlukprobe 
eine Riechprobe vornehmen, wobei man aber weder die Nase, noh 
den Schnurrbart in die Flüssigkeit tauchen darf. 
Zu der Humanisirung bemerke ich in Parenthese, daß auch dieser 
Kunstgriff nur in der Form neu ist, in der Praxis ist er ein uralter,
	        

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