Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1884, Bd. 3, H. 1/12)

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früher allerdings viel mehr als jezt, wo die Büchergelehrsamkeit den 
Menschen ganz um seinen Jnstinkt gebracht hat, geübter, und zwar in 
der Form, daß man bei Gastungen sich das Getränke von einer jungen 
Dame kredenzen ließ, die zuvor an dem Glase nippen mußte. Daß 
hiedur< das Getränke ebenfalls humanisirt, d. h. mit einer homöo- 
pathischen Dosis des JIndividualduftes der Dame, der an den Lippen 
so gut hängt, wie an den Haaren, imprägnirt wird, davon kann man 
sich leicht überzeugen, wenn man 2 Gläser Wein oder Bier aufstellt 
und eine Dame an dem einen nippen läßt. Der Geruch und der Ge- 
s<ma> wird einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Flüssig- 
keit8proben ergeben. I< empfehle auch dieses =- wie ich es nennen 
will =- Natur-Humanisirungsexperiment =- denen, welche meine 
Lehre gegen Ungläubige vertheidigen wollen. 
Nun will ich zunächst einige eigene Erlebnisse mit den Anthropin- 
pillen mittheilen : im August vorigen Jahrs trug ich beim Homö0o- 
pathenkongreß =- nicht in öffentlicher Sizung, sondern im Privatzirkel 
-- die Pillengeshichte vor, und ein renommirter homöopathischer 
Arzt stellte sich mir bei der Mittagstafel zu einem Versuch zur Ver- 
fügung. Derselbe ist Vegetarianer und abgesagter Feind aller Alko- 
holifa, die ihm auc< sehr schlecht bekommen, so daß er nur zum 
Scheine davon nippt. J<h warf ihm 1 Korn Nr. [1 in eine Flasche 
Champagner und derselbe trank die ganze Flasche aus, nicht nur 
ohne Nachtheil, sondern mit vollem Behagen, was ihm sonst nie 
möglich aewesen wäre. 
Anf meiner Reise zum Hamburger Vortrag stiegen in mein 
Coups cm Herr und eine Dame, von denen letztere das Nauchen nicht 
ertrag“ 1 konnte. J%4 3og ein Ozogenfläsh<hen, um den Rauchgerud 
zu vortroiben, wobei ich erfuhr, daß d-x Herr Kopfweh habe. I< 
reichte ihm d's Ozogenflasche und na“) nicht einer Minute hatte er 
fein Kopfw“" vorloren; dies veranlaßte später die Dame mir zu 
gestehen, daß * * durch das T'hyren ebenfalls ihre Migräne bekommen 
habe. Diesmal langte ich nax Anthrovyin Nr. 1, und nach 3 Körnern =- 
in Yausen von etwa einer Minute -- war das Kopfweh der Dame, 
die € t nach!" erfuhr, was sie erhalten hatte, verschwunden, so daß 
der Horr na) dem Verlassen des Coupe 8 sich veranlaßt fühlte, noch 
einmal zum Waggon zurückzukehren und sich noh besonders zu be- 
danken, mit dem Beisaß: „Sie haben meine Frau wirklich kurirt.“ 
Mittlerweile war an der gleichen Station einer meiner früheren 
Schüler, den *?* lange nicht aesehen batte, und der biSher in einem 
anderen Coupo-scß, zu mir herüber o-fommen. Nach längerem Ge- 
spräch fragte ich, da ich denselben als guten und passionirten Sänger 
kannte, ob er noch viel singe. Da klagte er mir, vor einem halben 
Jahr habe er bei einer Ueberanstrengung mit Singen einen plößlichen 
Schmerz im Kehlkopf bekommen , seitdem könne er nicht blos nicht 
mehr fingen, sondern sei auch im Athmen beeinträchtigt und werde
	        

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