Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1884, Bd. 3, H. 1/12)

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„Drum kehre, o Wandrer, hier ein, 
„Magst Wollner oder Leinener sein ; 
„Nur merke: Bist nicht du in Woll 
„Und Wind und Wetter sind toll, 
„Wird's tüchtigen Schnupfen dir machen, 
„Indessen die „Wollnen“ lachen. =“ 
| Am Nationalfesttage, Dienstag den 2. Sept., Abends 8 Uhr, wird 
sich der Klub möglichst in Gala zu einer kleinen Feier im Stadtwald- 
schlöß<hen vereinigen.“ 
„Herr Dr. Grävell in Jena hat bei dem hiesigen Vereine die Bil- 
dung eines Jägerianer-Kartellverbandes angeregt, was hier lebhafte Zu- 
stimmung gefunden hat. E. H. 37 
Kleinere Mittheilungen. 
Dichter und Seele. Daß unsre großen Dichter zwischen Seele und 
Geist streng zu scheiden pflegen, geht =- neben vielen andern Stellen -- 
inöbesondere aus dem bekannten Sciller'schen Distichon hervor (Votiv- 
tafeln: die Tonkunst): 
„Leben athme die bildende Kunst, Geist fordr' ich vom Dichter, 
Aber die Seele spricht nur Polyhymnia aus.“ 
Diese Stelle hat vor andern den Vorzug, daß sie deutlich merken 
läßt, was für ein Unterschied zwischen Geist und Seele besteht: die Dicht- 
kunst gibt uns Gedanken, die Musik Gefühle. 
Daß die Dichter den Affektduft =- sowohl den vom Affekt erzeugten 
als den Affekt erzeugenden -- kennen, zeigen folgende Stellen: 
2) Shakespeare: Romeo und Julia 1l, 6: 
„A< Julia! Jst deiner Freude Maß 
Gehäuft wie meins, und weißt Du mehr die Kunst, 
Sie kundzugeben, würze rings die Luft 
Durch deinen Hauch.“ 
b): Othello. X; 2: 
„O Balsamhauch, fast überredest du 
Gerechtigkeit, ihr Schwert zu brechen.“ 
c) Göthe: Römische Elegien V: 
=- „Sie athmet in lieblichem Schlummer, 
Und es durchglühet ihr Hauch mir bis ins Tiefste die Brust.“ 
d) Heine. Volksausgabe VI], 13: 
„Sei es nun durch den einförmigen Nuderschlag, oder durc< das Schäufkeln 
des Fahrzeugs, oder durch den Duft jener Bergesufer, worauf die 
Freude wäch3t, immer geschieht es, daß auch der Betrübteste seltsam be- 
ruhigt wird.“ 
Das Leinwandgift. „Gestatten Sie mir, Ihnen heute eine Mit- 
theilung zu machen, die vielleicht von Interesse für Sie ist. Schon seit 
ich Wollener bin, empfinde ich zwar den Segen der Wolle an allen Körpcr- 
theilen, nur eines kann sich, wie es scheint, nicht damit befreunden und 
zwar ist dies das „Glied“. Dasselbe ist an der Spite stets etwas ge- 
röthet und hat ein unbehagliches Gefühl in der Wolle; sowie ein hand- 
gros Stüchen Leinen an der betr. Stelle in's Wollhemd genäht ist, 
verschwindet das Unbehagen.“
	        

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